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Uhyst ist die neue Lausitzer Oldtimer-Hochburg

Dieser Amischlitten wurde liebevoll wieder aufgebaut und macht jetzt einen riesen Eindruck.
Dieser Amischlitten wurde liebevoll wieder aufgebaut und macht jetzt einen riesen Eindruck. FOTO: Regina Weiß
Uhyst. Am zweiten August-Wochenende hat sich Uhyst in einen Wallfahrtsort verwandelt. Und zwar zum Mekka für alle Oldtimer-Freunde. amz1

Mehrere hundert Fahrer präsentierten ihre blechernen Gefährte auf der Volkspark-Insel sowie erstmals auf der großen Schlosswiese. Das Interesse der Gäste aus nah und fern für die Insel Classic war riesengroß.

Robert Noack ist der gefragteste Mann an diesem Wochenende in Uhyst. Der 35-Jährige gilt als Initiator und Mitorganisator der zweiten Auflage der Insel-Classic nach der Premiere anno 2015. Der junge Mann, der zwar in Dresden lebt, aber sich sehr stark mit seiner ursprünglichen Heimat Uhyst verbunden fühlt, rackert schon seit Monaten für den nach der 675-Jahr-Feier im Juni größten Höhepunkt im 2017er-Dorfkalender. "Ich bin im letzten Dreivierteljahr fast an jedem Wochenende auf diversen Oldtimer-Treffen gewesen, habe dort für unsere eigene Veranstaltung Prospekte verteilt und für Uhyst die Werbetrommel gerührt", berichtet Noack.

Der Aufwand scheint sich gelohnt zu haben: Es dürften geschätzt um die 350 Fahrzeuge älteren Baujahres in das Dorf an der Spree gerollt sein. 250 von ihnen haben im Volkspark Platz, die übrigen vor dem nahen Schloss. Das Veranstaltungsgelände ist in verschiedene "Welten" eingeteilt. Hier die Autos aus DDR und BRD, dort die Vehikel aus den USA und ganz nahe am Inselteich die Italiener.

Dort darf natürlich Maik Beyer nicht fehlen. Der junge Mann ist Sprecher des "Fiat-500-Stammtisches Dresden". Insgesamt sechs dieser Minifahrzeuge sind nach Uhyst gekommen. Fünf problemlos, bei einem ging unterwegs die Zündspule kaputt. Doch das Malheur konnte schnell behoben werden. "Ich bin über meine Frau zu diesen Fahrzeugen gekommen. Sie findet die 500er-Fiats niedlich", begründet Beyer seine Intention. "Niedlich" ist auch das richtige Stichwort, denn die Fahrzeuge aus den 1960er- und 1970er-Jahre bestechen vor allem mit ihrer Winzigkeit. Manche Modelle präsentieren zudem ihre Motoren am Heck und den Kofferraum vorn. "Ich bin mit dem Fiat 500 auch im Stadtverkehr von Dresden unterwegs. Da passe ich auch mal quer in manche Parklücke", plaudert Maik Beyer aus dem Nähkästchen.

Für viele neugierige Blicke und zahlreiche Fotos sorgt auch das Fahrzeug von Volkmar Lange aus Ottendorf-Okrilla. Manche glauben, es handele sich um ein altes Moped, andere halten das Zweirad für einen Hühnerschreck. "Stimmt nicht", sagt Lange. "Es ist ein E-Bike mit Allrad-Antrieb." Obwohl der "Drahtesel" auf Alt gemacht ist, wurde das Exemplar erst vor drei Jahren in Dienst gestellt. "Gemeinsam mit meinem Kumpel haben wir das Fahrzeug zusammengebaut", berichtet Volkmar Lange, der seine Brötchen als Bauingenieur verdient. Inzwischen habe er mit dem E-Bike bereits über 8000 Kilometer zurückgelegt. Selbst im Gebirge sei das Gefährt nützlich. "Steigungen bis 17 oder 18 Prozent sind kein Problem", weiß Lange von seinem Ausflug in der Schweiz. Der Nachteil: Das E-Bike wiege über 70 Kilogramm.

Robert Noack ist indes mit drei eigenen Oldtimern vor Ort. Dazu gehören ein DeLorean, bekannt als Auto aus dem Film "Zurück aus der Zukunft", ein knallgelber Fiat 500 sowie ein Trabant im Jurassic-Park-Stil. Der Zweitakter habe erst einen Tag vor der Insel-Classic die TÜV-Plakette erhalten. "Ich besitze ein Faible für Filmautos" sagt Robert Noack, der hauptberuflich als Veranstaltungsmanager tätig ist.

Künftig soll es seinen Angaben zufolge jährlich im August ein Oldtimer-Treffen in Uhyst geben. 2016 musste es aufgrund der größeren Bauarbeiten an der Spreebrücke ausfallen. Die Unterstützung aus dem Ort hat Noack indes. Von den rund 800 Uhystern hätten genau 108 Leute bei der Vorbereitung und Durchführung des Events mitgeholfen, allen voran der Uhyster Heimatverein.

Nicht zuletzt sei Robert Noack auch auf seine kulinarische Reise um die Welt stolz. "Es ist uns nämlich gelungen, zu jedem Land, aus dem die Fahrzeuge stammen, den Besuchern mindestens eine typische Speise anzubieten." Da konnten es sich die Besucher aus nah und fern zwischen den Fachgesprächen und dem Auto-Gucken auch schmecken lassen.