Von Regina Weiß

„Krebs, du miese kleine Ratte, irgendwann kann ich sagen, dass ich dich hatte. Aber nicht zum Prahlen keineswegs, zum Ermutigen von Menschen mit Krebs. Ich werde sagen, es wird alles gut, ich werde es ihnen geben, den fehlenden Mut.“ Das ist ein Vers, den Julia Kreienberg aufgeschrieben hat. Das Mädchen, das in Zittau lebt, ist schwer erkrankt. In diesem Jahr ist bei ihr ein Gehirntumor festgestellt worden. Doch vom Krebs, diesem A..., wie sie selbst sagt, will sie sich nicht besiegen lassen. Sie hat ihm auch einen Namen verpasst: Die Krankheit heißt Detlef.

Detlef hat das Leben der Oberschülerin und ihrer Familie ganz schön durcheinandergewirbelt und belastet sie sehr. Um so wichtiger ist es, Julia Mut zu machen. Eine gehörige Portion dieser „Medizin“ bekommt sie vor wenigen Tagen in Weißwasser verpasst. In der Station junger Naturforscher und Techniker wird sie überrascht. So sehr, dass ihr die Worte fehlen und die Augen immer größer werden.

Dabei hatte Julia eigentlich gedacht, sie ist auf dem Weg zu einem Arzt in Weißwasser, der mit ihr alternative Behandlungmethoden bespricht. Dafür hat Mutti Romy so viel geschwindelt wie noch nie in ihrem Leben, verrät sie der RUNDSCHAU.

Und doch geht die Fahrt nach Weißwasser fast in die Hose. Denn die 16-Jährige hat ihren eigenen Kopf, will partout kein Arztgespräch an diesem Tag. Freund Kevin Rösch wird daraufhin mit ins Boot geholt. Er unterstützt seine Freundin, wo es nur geht. Schon einmal hat er für die nötige Wendung gesorgt. Denn nach der Operation am Kopf – der Tumor konnte nicht gänzlich entfernt werden – will die Oberschülerin keine weiteren Behandlungen. Für die Familie ein Schock. Doch die „Ansprache“ von Kevin hilft. Derzeit wird das Mädchen mit Chemotherapie und Bestrahlung behandelt.

Kevin leistet auch in Bezug auf Weißwasser Überzeugungsarbeit. Allerdings leiden alle unter der zweistündigen Fahrt: Julia schimpft die ganze Zeit, wie ein Rohrspatz. Nur um wenig später mit den Worten zu ringen.

Der Alternativarzt entpuppt sich nämlich als Sebastian Hackl, der auf dem Fernsehsender ProSieben Maxx Wrestling-Shows kommentiert. Per Video-Botschaft teilt er dem Mädchen mit, dass sie am 13. November live in Erfurt dabei ist, wenn die Stars des Showkampfs in den Ring steigen. Julia ist Fan dieses Formats.

Das ist Silko Hoffmann, Vorsitzender des Vereins Herzenswünsche Oberlausitz, gesteckt worden. Kathrin Hoffmann, eine Lehrerin von Julia, wusste um die vielen Belastungen der Familie Kreienberg im Allgemeinen und mit Julia im Besonderen. Sie hat den Kontakt hergestellt. „Ich finde es generell toll, dass es diesen Verein gibt“, lobt sie. Sie wisse nun auch, wen sie unterstützt, wenn sie spende. Silko Hoffmann kann verkünden, dass Mutti und Tochter nach Erfurt fahren und dort drei hoffentliche, entspannte Tage verleben können. Ein großer Traum wäre es, dort Roman Reigns zu treffen. Der Amerikaner leidet an Leukämie und ist in seinem Kampf gegen die Krankheit ein Vorbild für die Schülerin.

Diese ist trotz des Schicksalsschlags weiterhin vielfältig interessiert und bejaht das Leben. Gedichte schreiben und Musik liebt sie. Doch beides hat nichts mit ihrem Berufswunsch zu tun: Sie will Feuerwehrfrau werden.