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| 17:53 Uhr

Heimattreffen
Über den Hof fährt jetzt die Kohlebahn

Gruppenfoto der Tzschellner während ihres Treffens vor der Krauschwitzer „Linde“. Dieter Pannach befindet sich nicht auf dem Bild.
Gruppenfoto der Tzschellner während ihres Treffens vor der Krauschwitzer „Linde“. Dieter Pannach befindet sich nicht auf dem Bild. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Krauschwitz. 80 Tzschellner treffen sich in der Krauschwitzer „Linde“. Von Torsten Richter-Zippack

Traditionell im Oktober finden die ehemaligen Einwohner von Tzschelln in der Krauschwitzer Gaststätte „Zur Linde“ zusammen.

Dazu lädt der Heimatverein ­Tzschelln ein. Nach Angaben der Vorsitzenden Christina Wolsch sind dieses Mal 80 Menschen dabei, darunter viele Gäste. Der Verein zählt 85 Mitglieder. Das Dorf Tzschelln musste in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre dem Tagebau Nochten weichen.

Wenn einer den Ort und vor allem dessen landschaftlich reizvolle Umgebung wie seine eigene Westentasche kennt, dann ist es Dieter Pannach. Der gebürtige Boxberger, der Ende Oktober seinen 67. Geburtstag begeht, kam im Alter von einem Jahr in den Ort am grünen Strand der Spree, wie Tzschelln auch bezeichnet wird.

„Meine Eltern hatten in der Streusiedlung Kittainza, die sich südlich des Kernortes erstreckte, gebaut. Von den dort zehn Gehöften bewohnten wir das dritte Grundstück von Süden her gesehen.“ Das Kuriose: „Vier Anwesen der Kittainze, wie die Siedlung von den Einheimischen gern bezeichnet wird, wurden durch die Grube nicht überbaggert. Noch immer erinnern hier und dort uralte Obstbäume an die einstigen Höfe“, berichtet Pannach. Über seinen Hof fährt heute die Kohlebahn, deren Schienenstrang sich parallel zur Spreestraße erstreckt. Im Jahr 1974 musste die Familie ihr Grundstück verlassen und zog nach Boxberg, rund zwei Jahre vor der Hauptumsiedlung des eigentlichen Dorfes.

In seinen Kinder- und Jugendjahren war Dieter Pannach mit gleichaltrigen Kumpels gern und oft in den riesigen Wäldern rund um Tzschelln unterwegs. Besonders reizvoll findet der fast 67-Jährige die Laubwaldinseln inmitten der ansonsten ziemlich eintönigen Kiefernheide.

Vor allem das Schlosstal, ein mehrere hundert Meter langes, zwischen Dünenzügen leicht eingeschnittenes Gebiet nördlich des sagenumwobenen Nelkenberges hat es ihm angetan. „Die dortigen uralten Roteichen und Rotbuchen faszinieren mich noch immer.“

Ebenso die mysteriöse Geschichte dieses Kleinods. Denn der Sage nach sollen dort im Mittelalter die Raubritter derer von Hundt gehaust haben. Im 19. Jahrhundert ließ der Grundbesitzer Friedrich Hermann Rötschke, der Begründer des Kromlauer Parks, ein Jagdhaus errichten. Das existiert zwar nicht mehr, wohl aber ein uralter Brunnen im Schlosstal. Dieser, so sagt Dieter Pannach, ist allerdings nur mit außerordentlich detaillierten Ortskenntnissen auffindbar. Heute befindet sich das Schlosstal auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz-West und ist somit für Besucher tabu.

Dieter Pannach wäre am liebsten Forstmann geworden. „Ich hatte bereits an der Tharandter Forsthochschule vorgesprochen. Allerdings waren damals die Studienplätze sehr rar“. So musste der Tzschellner mit einer Ausbildung als Maschinist im Kraftwerk Boxberg vorliebnehmen. Dennoch ist der natur- und heimatverbundene Oberlausitzer zumindest ehrenamtlich in der grünen Branche heimisch. „Ich betreue das Boxberg-Reichwalder Wald- und Wiesengebiet, das als Landschaftsschutzgebiet deklariert ist“, berichtet er.

Zwar sei diese Gegend einerseits durch den Bergbau mehr oder weniger auf den Kopf gestellt, doch gebe es hier und dort Ecken, in denen sich eine ursprüngliche Natur präsentiert. Auch heute, mittlerweile als Senior, würde Dieter Pannach in beruflicher Hinsicht den Wald dem Kraftwerk vorziehen.

Übrigens gab es in Tzschelln einst ein Forsthaus. „Dort als Forstmann zu arbeiten, das war einst mein Traum“, sagt Dieter Pannach im Rückblick auf sein Berufsleben.