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| 17:39 Uhr

Bergbau
Trebendorf trennen nur noch 1600 Meter vom Tagebau-Betrieb

Der Eimerkettenbagger ist im Einsatz im Tagebau Nochten.
Der Eimerkettenbagger ist im Einsatz im Tagebau Nochten. FOTO: Leag Christian Bedeschinski
Trebendorf. Anwohner: Geräuschpegel ist zu hoch. Leag: Lärm und Staub liegen unter den Grenzwerten. Von Gabi Nitsche

Vor einem Jahr in der Einwohnerversammlung in Trebendorf regte die damalige Bürgermeisterin Kerstin Antonius die Bildung einer Arbeitsgruppe (AG) Immissionsschutz an. Es sei besser, darin mitzuarbeiten, als nur zu schimpfen, lautete ihr Standpunkt. Die AG gibt es inzwischen, in sie bringen sich sowohl Vertreter beider Tagebau-Anrainer-Gemeinden ein als auch die Fachleute des Tagebau-Betreibers Leag. Wie Jens Höhna, Immissionsschutz-Beauftragter des Unternehmens, am Dienstagabend in Trebendorf berichtete, würden dort schon einige Probleme diskutiert worden sein. „Wir haben dort als Leag vorgeschlagen, das Lärm-Überwachungsnetz zu entscheiden. Jetzt muss die AG entscheiden, ob das gewollt ist.“ Wenn, dann hole sich das Unternehmen die Genehmigung beim Sächsischen Oberbergamt ein und nehme den Waldweg 13 und die Kita als neue Messpunkte auf. Derzeit gibt es je einen Lärm-Messpunkt in Trebendorf und Mühlrose.

Die Messungen erfolgen seit 2017 durch ein externes Büro und einmal im halben Jahr. In Trebendorf am Waldweg 30 – den Ort trennen derzeit nur noch 1600 Meter vom Tagebaubetrieb, wie Jens Höhna erklärte – ergaben die Messungen 35,8 und 41,7 Dezibel und in Mühlrose am Nochtener Weg – 2000 Meter sind es derzeit bis dort - 37 und 35,5 Dezibel. Wobei der Wert vom zweiten Halbjahr so niedrig war, weil ein Schaufelradbagger wegen Reparaturarbeiten außer Betrieb war. Gemessen werde „zur lautesten Nachtstunde zwischen 22 und 6 Uhr.“ Alles, was technisch möglich ist an Schutzmaßnahmen, würde der Bergbaubetreiber berücksichtigen; zum Beispiel an Bändern der F 60 und an der Vorschnittbandanlage neue Lärm mindernde Tragrollen einbauen. Sämtliche Geräte, auch im Grubenbetrieb, sind von 21 bis 6 Uhr morgens stumm geschalten, akustische Kommandos und Signale werden weitgehend vermieden. Die gemessenen Lärmimmissionen entsprachen den behördlich genehmigten Werten, hieß es am Dienstagabend.

So, wie im Juni 2017, sagte Marina Kowalick: „Die Richtlinien sind das eine, das Empfinden der Menschen etwas anderes. Der Geräuschpegel in Klein Trebendorf ist enorm.“ Jens Höhna stimmte der Trebendorferin zu: „Mit Werten kann man Empfinden nicht wiedergeben. Gerade auch die von Ihnen genannten Abwurfgeräusche. Das sind tief frequente Töne, und deswegen hören sie diese. Auch wenn die Pegelzahl unter 30 Dezibel liegt“, zeigte Höhna Verständnis. Christine Mäkelburg machte sich Gedanken, wohin das noch führen soll, wenn die Lärmwerte von einem Halbjahr zum anderen so steigen. „Das ist ja unvorstellbar“, sagte die Gemeinderätin. Laut Jens Höhna steige die Lärmbelastung nicht gleichmäßig um einen bestimmten Wert. „Wir versuchen, die Anlagen so leise wie möglich zu fahren. Aber wir können bei einer weiteren Annäherung nicht verhindern, dass es lauter wird.“

Einer, der nicht müde wird, immer wieder auf mögliche gesundheitliche Auswirkungen der Lärm-Belästigungen hinzuweisen, ist Uwe Radtke. Tag für Tag der Lärm, das verkrafte der Mensch nicht. Es sei Stress für diesen, so das Ratsmitglied und Mitglied in der AG Immissionsschutz. Wie weit denn das erste Haus am Waldweg von der Grubenkante entfernt sein wird, wenn der Tagebau Trebendorf am nahesten ist, wollte Frank Gärtig wissen. Laut Tagebau-Referant Mathias Kuhle knapp 300 Meter. Uwe Radtke bezweifelte das und erhielt das Angebot, die Entfernung in einer AG-Sitzung genau auszumetern. 300 Meter – aus Sicht von Bürgermeister Waldemar Locke (CDU) „grenzwertig“. Mühlrose sei 800 Meter weg und werde umgesiedelt, weil ein Leben unter diesen Umständen nicht lebenswert sein würde für die Bewohner, so Locke. Dem widersprach Martin Klausch, Leiter der Abteilung Bauwesen/Umsiedlung. Mühlrose werde umgesiedelt, weil die Leag die Kohle vom Teilfeld Mühlrose bergen wolle. Locke erinnerte an die Entscheidung der Mühlroser von 2008. Das Revierkonzept sei erst im März 2017 neu aufgestellt worden. Locke zeigte sich indes verwundert, warum für die Anwohner vom Waldweg nicht längst etwas gemacht wurde. Seit Jahren hätten die Anwohner darauf hingewiesen, so Frank Gärtig und seien immer nur belächelt worden – von den Bürgermeistern und von Vattenfall, dann Leag. Seit 2013 sei man im Gespräch, bestätigte Referent Mathias Kuhle, „aber wir haben sie nie belächelt, sondern uns bemüht.“ Kuhle stellte unmissverständlich klar: „Für Häuser außerhalb der Sicherheitslinie gab es noch nie eine Umsiedlung, und sie wird es auch nicht geben.“

Am Dienstagabend im Saal vom Kastanienhof wurden auch die Messergebnisse 2017 von Staubniederschlägen vorgestellt und erläutert. In beiden Ortsteilen erfolgte die externe Messung jeweils an drei Stellen. Der Jahresrichtwert für Staubniederschlag von 0,35 Gramm pro Quadratmeter und Tag wurde an den Messpunkten mit Werten zwischen 0,04 bis 0,07 eingehalten. Der höchste Wert in einem Monat lag einmal bei 0,15, so Höhna. Auf die Kritik eines Mühlrosers in der Einwohnerversammlung 2017 habe die Leag umgehend reagiert und einen Zusatzmesspunkt bei diesem eingerichtet. Hier zeigten sich im März und April 2018 etwas höhere Werte, berichtete der Fachmann anhand von Grafiken und Tabellen.

Auch das Messnetz für Staub soll um zwei Stellen in Klein Trebendorf erweitert werden. Auch hier sei die AG gefordert, zu entscheiden. Kritisch diskutiert wurde das Thema Schutzpflanzungen. Es soll nun in der AG Wald verstärkt thematisiert werden.

Derzeit ist die Leag dabei, den Sonderbetriebsplan Immissionsschutz fortzuschreiben für die Zeit von 2020 bis 2024. Dieser soll 2019 vorliegen. Dann könne man auch deutlich mehr sagen, was die künftigen Belastungen durch den Tagebau angeht, hieß es Dienstag.