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Trebendorf setzt auf Ex-Minister

Tagebau Nochten
Tagebau Nochten FOTO: Christian Köhler
Trebendorf. Sachsens ehemaliger CDU-Innenminister, Rechtsanwalt Klaus Hardraht, soll der neue Kommunalberater der Gemeinde Trebendorf werden. Das hat der Gemeinderat am Mittwochabend einstimmig entschieden. Gabi Nitsche

Damit folgte dieser den Empfehlungen des Ortschaftsrates und Beirates Bergbau Mühlrose sowie des Beirates Bergbau Trebendorf. Vor allem die Mühlroser versprechen sich von ihrem Wunschkandidaten, dass dieser als Moderator und Vermittler für die Interessen und Belange der Betroffenen und deren sozialverträgliche Umsiedlung eintritt. Aber es geht genauso um die indirekt betroffenen Einwohner der gesamten Gemeinde Trebendorf.

Gleiches trifft auf Schleife zu. Doch Bürgermeister Reinhard Bork favorisierte bis dato auf dem Kommunalberater-Posten Thomas Jansen, der die Verhandlungen der Kommunen mit der Leag fachlich versiert begleiten soll. Mit diesem hatten beide Gemeinden in den zurückliegenden Jahren sehr gute Erfahrungen gesammelt in den Verhandlungen mit Vattenfall, wie die Gemeindechefs immer wieder betonten.

Doch die Mühlroser lehnen Jansen ab, und die Leag übernehme nur die Kosten für einen Kommunalberater für beide Gemeinden. Das sei zumindest der jetzige Stand der Dinge, so Trebendorfs Bürgermeisterin Kerstin Antonius. Eine Entscheidung in Schleife steht noch aus. Wobei Bürgermeister Reinhard Bork am Dienstagabend auf Anfrage in der dortigen Ratssitzung informierte, Hardraht einzuladen. "Es gibt auch den Antrag dafür von einigen Gemeinderäten", erklärte Reinhard Bork. Ihres Wissens nach, sagte Kerstin Antonius, wolle sich Schleife im Oktober positionieren. "Nach unserem Beschluss heute weiß Schleife um unsere Position. Es geht ja um die Umsiedlung von Mühlrose", betonte die Trebendorferin und bedankte sich für das einhellige Votum der Räte.

Andreas Schneidewind vom Ortschaftsrat Mühlrose kritisierte, dass man nun auf Schleife warten müsse. "Was soll das? Es geht doch um unseren Ort, der umsiedelt."

Und neu ansiedeln will sich die Mühlroser Mehrheit in Schleife. Ob es dabei bleibt, werden die nächsten Wochen zeigen. Wie Bürgermeisterin Kerstin Antonius und auch Mühlroses Ortsvorsteher sowie Gemeinderat Waldemar Locke berichteten, fanden zum Thema Standort verschiedene Beratungen statt. Planer Ansgar Kaup habe den Mühlrosern verschiedene Varianten vorgestellt. Der bisher favorisierte Platz für Neu-Mühlrose in Schleife Richtung Groß Düben ist inzwischen gestrichen. Grund: die schlechten Bodenverhältnisse. Aktuell im Blick hat Mühlrose einen Bereich am Lieskauer Weg in Schleife. Hierfür soll die Planung vertieft werden, hieß es. Auch Trebendorf steht noch zur Diskussion, weil die Leag es so will, sagte Locke. Man habe sich infolgedessen auf eine letzte Befragung der Mühlroser verständigt. Michael Kossakowski vom Büro Intelligenz System Transfer wird dazu mit ins Boot geholt. Der Standpunkt der Leag ist laut Bürgermeisterin: "Einen gemeinsamen Ansiedlungsstandort gibt es nur, wenn sich 50plus Prozent der Mühlroser dafür entscheiden."

Wann die Umsiedlung erfolgt, ist unklar und hängt vom Standort für Neu-Mühlrose ab. Bleibt es bei Schleife, ist von mindestens fünf Jahren die Rede für die Vorbereitungen. Geht die Reise nach Trebendorf, wo 75 Bauplätze frei sind, dann wäre das in etwa zwei Jahren möglich, hieß es.

Zum Thema:
Die Leag will bekanntlich nicht mehr den kompletten Tagebau Nochten II in Anspruch nehmen, sondern nur noch das Sonderfeld Mühlrose. Deshalb ist dieser Trebendorfer Ortsteil mit etwa 200 Einwohner der einzige, der umsiedeln muss.