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| 17:18 Uhr

Touristischer Leuchtturm in der Lausitz
Unterstützung für den Findlingspark Nochten

 Der Findlingspark ist auch dafür bekannt, dass die Anlage sehr schön gepflegt ist. Dafür braucht es aber auch Mitarbeiter. Diese kosten Geld. Geld, das verdient werden muss.
Der Findlingspark ist auch dafür bekannt, dass die Anlage sehr schön gepflegt ist. Dafür braucht es aber auch Mitarbeiter. Diese kosten Geld. Geld, das verdient werden muss. FOTO: Regina Weiß
Nochten. Der Findlingspark Nochten hat viele Bewunderer. Aber er braucht auch Hilfe aus der Politik. Das Kleinod im Landkreis Görlitz lotet mit Bund, Land und Kreis aus, wie es sich für den Strukurwandel wappnen kann. Von Regina Weiß

Der Lausitzer Findlingspark Nochten ist ein Symbol für den ersten Strukturwandel, den die Region durchlebt hat. Nach der Kohle ist am Ortsrand von Nochten in Sachen Rekultivierung ein großes Zeichen gesetzt worden.

Findlingspark Nochten als touristischer Leuchtturm

Für Thomas Bareiß ist der Park  ein Leuchtturm in Sachen Tourismus. Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium ist gleichzeitig Tourismusbeauftragter des Bundes und besucht die Region zum ersten Mal. Zwei Themenfelder, für die sein Posten steht, sind Energiewende samt Strukturwandel sowie Tourismus. Passender geht es für den Findlingspark nicht.

 CDU-Landtagskandidat Tilmann Havenstein, Ulrich Klinkert und Thomas Bareiß (v.ln.r.) schauen sich nach der Gesprächsrunde im Findlingspark um.
CDU-Landtagskandidat Tilmann Havenstein, Ulrich Klinkert und Thomas Bareiß (v.ln.r.) schauen sich nach der Gesprächsrunde im Findlingspark um. FOTO: Regina Weiß

In dieser Woche war Thomas Bareiß in Nochten neben Vertretern des Freistaates Sachsen sowie des Landkreises und der Kommune zu Besuch. Gemeinsam ist über das Thema „Chancen und Risiken des Lausitzer Findlingsparks Nochten in der im Umbruch befindlichen Braunkohleregion Lausitz“ diskutiert worden. Fördervereinschef Ulrich Klinkert kann nach der Gesprächsrunde vor der Presse einschätzen, dass es eine konstruktive Debatte war. Er habe nicht erwartet, dass Bareiß mit dem Geldkoffer aus Berlin anreise. „Es ging vielmehr um eine Sensibilisierung für das Thema“, so Klinkert. Und da habe man nicht nur für den Park, sondern für die gesamte Region gesprochen.

Findlingspark Nochten spielt in einer Liga mit Hohenzollern-Schloss

Bareiß erklärt, dass der Tourismus oft unterschätzt werde. Aber mit drei Millionen Beschäftigten gibt es so viele wie in keiner anderen Branche. 105 Milliarden Euro Wertschöpfung verberge sich dahinter. Der Findlingspark Nochten spiele mit seinen durchschnittlich 60 000 Besuchern in der gleichen Liga wie beispielsweise das Hohenzollern-Schloss Sigmaringen in Bareiß’ Heimat. Beim Thema Strukturwandel bitte er um Vertrauen und dämpft aber gleichzeitig auch die Erwartungen. „Das Ganze ist eine Mammutaufgabe“, so der Staatssekretär. Da könne nicht in zwei Monaten alles fertig sein. „Wir machen es lieber langsam, aber dafür richtig und gut.“

 Mit einer großen Pflanzenbörse hat der Findlingspark seine Gäste überzeugt.
Mit einer großen Pflanzenbörse hat der Findlingspark seine Gäste überzeugt. FOTO: Anita Schwitalla

Mit einer ordentlichen, gepflegten Anlage zu überzeugen, ist seit Jahr und Tag das Credo des Parkteams. 21 Mitarbeiter zählt der Nochtener Betrieb derzeit. „Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen“, unterstreicht Klinkert. Dieses werde von einem Förderverein mit rund 50 Mitgliedern geführt. Auf Dauer ein schwieriges Unterfangen, nimmt Klinkert kein Blatt vor den Mund. Noch dazu, wenn Wetterunbilden so hart zuschlagen. „Dabei war der Auftakt verheißungsvoll“, so der Fördervereinschef mit Blick auf den Saisonstart 2019. Ostern habe es mit 5700 Besuchern einen Rekord gegeben.

Zu kalt und viel zu heiß für Besucher im Findlingspark Nochten

Doch die Euphorie von Ulrich Klinkert machte der kalte Mai zunichte, und dann sollte es noch schlimmer kommen. An jenem 30. Juni mit kurz vor 40 Grad Celsius wurden gerade mal fünf Besucher gezählt. Bei 20 Grad sieht es mit 200 Gästen an diesem Julitag schon wieder besser aus. Doch alle erinnern sich an den vergangenen Sommer. Mit 53 000 Besuchern ist man am Jahresende in den roten Zahlen gelandet. „Glücklicherweise haben wir noch ein finanzielles Polster aus anderen Zeiten.“

Doch auch so ein Polster hält nicht ewig. Dem gegenüber stehen Lohnentwicklung und Preissteigerungen. Da helfe es schon, wenn man bei der Projektförderung über die Sächsischen Mitmachfonds über fast 20 000 Euro verfügen kann. Genauso hilfreich sind deutsch-polnische Förderprojekte. Vielleicht könne man diese Unterstützung auch bekommen, wenn man seine Standbeine erweitere.

Neue Ideen für den Findlingspark Nochten

Ulrich Klinkert denkt da in zwei Richtungen. Bildung/Ausbildung in mehreren Sprachen (Sorbisch, Polnisch) in Verbindung mit dem Park. Da bieten sich Biologie, Heimatkunde und Geologie geradezu an. Außerdem will man beim Erlebnistourismus noch eine Schippe drauflegen. Denn die kulturellen Höhepunkte, die der Park anbietet, finden immer mehr Zuspruch. Thomas Bareiß regt noch eine weitere Option an. Die Erinnerung an den Tagebau könnte in einer Ausstellung im Findlingspark wach gehalten werden. Da könne dann der Opa seinem Enkel erzählen, wie das mal war mit der Braunkohle...

Findlingspark Nochten hofft auf finanzielle Hilfe

Aber ohne Geld werde auch das nicht funktionieren. Deshalb wirft Landkreis-Dezernentin Heike Zettwitz ein, dass man über die frei verfügbaren Mittel, die es künftig in Sachen Strukturentwicklung geben wird, die Region selbst entscheiden lässt. „Dann wäre vielleicht auch so etwas wie eine institutionelle Förderung mal drin“, so Zettwitz. Außerdem sieht sie eine Selbstverpflichtung der Region: Wann, wenn nicht jetzt, sollte man endlich über den Tellerrand schauen und sich als Touristiker noch besser vernetzen.