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Torsten Pötzsch: Weißwasser braucht ein stärkeres Miteinander

Torsten Pötzsch (Klartext) tritt wieder zur OB-Wahl an.
Torsten Pötzsch (Klartext) tritt wieder zur OB-Wahl an. FOTO: Christian Köhler
Warum wollen Sie erneut Oberbürgermeister von Weißwasser werden?

In sieben Jahren konnte ich viel Gutes für Weißwasser auf den Weg bringen. Begonnene Aufgaben und Projekte möchte ich gern zusammen mit allen fortsetzen, denen Weißwasser genauso am Herzen liegt, wie mir, und das mit Stetigkeit, Engagement und Ehrlichkeit.Nichts ist für mich schlimmer, als Menschen mit falschen Versprechungen und Hoffnungen zu enttäuschen. Aufgebaute Kontakte zu Ministerien und Politik sind nötig, um Entwicklungen voranzubringen. Manche Prozesse brauchen lange Zeiträume und eine gewisse Vehemenz. Die sehr gute Kooperation mit dem Umland soll fortgesetzt werden, es soll noch stärker zusammengehen, um die strukturellen Herausforderungen zu lösen.

Wenn Sie gewählt werden, was sind Ihre wichtigsten vier Vorhaben?
Vorhandenes erhalten und stärken. Das betrifft die Wirtschaft genauso wie den Handel und die vielfältige Vereinslandschaft. Bezahlbare Trinkwasserpreise für alle Einwohner! Verlängerung der 2011 abgeschlossenen LEAG-Vereinbarung - weitere Mittel für die Allgemeinheit zur Abmilderung der Tagebaufolgen (Staub- und Lärmbelastung). Das Haushaltsstrukturkonzept öffentlich besprechen. Stadtentwicklungsprojekte wie den Bahnhof finanziell untersetzen. Ehemalige Ingenieurschule weiter beleben, noch mehr städtisches Bauland ausweisen, Gelände Gelsdorfhütte nach Erwerb revitalisieren und Breitbandausbau. Eigentlich sind es 40!

Für Ihre Vorhaben brauchen Sie die Unterstützung des Stadtrates. Dieser war in der Vergangenheit recht zerstritten. Wie wollen Sie diesen also überzeugen und wie soll die Zusammenarbeit mit ihm aussehen?
Die Mehrheit der Beschlüsse wurden einstimmig gefasst und bei anderen gab es Mehrheiten - das ist Demokratie.

Positiv waren immer die Diskussionsrunden im Vorfeld einer Ratssitzung, so, wie zu Beginn meiner Amtszeit. Jedoch wurden seit rund drei Jahren mit dem neuen Stadtrat diese Runden von einigen wenigen Räten abgelehnt. Seitdem wurde die Streitkultur leider anders gelebt, als es sein sollte. Wir haben hier keinen Bundestag, sondern einen Stadtrat, der mit seiner Arbeit Weißwasser voranbringen soll. Es gilt auch, den Stadtrat noch stärker in die Prozesse der Stadtentwicklung einzubinden.

Was braucht Weißwasser überhaupt nicht?
Uneinigkeit und Versprechen, die nicht haltbar sind. So ist es rechtlich derzeit ausgeschlossen, dass ein neues Sanierungsgebiet im Alten Dorf, wo jeder Eigenheimbesitzer eine Förderung von 30 000 Euro oder 30 Prozent erhalten kann, entsteht. Keine populistischen und unrealistischen Themen. Kein Auseinanderdividieren der vielen Akteure aus der Bevölkerung und der politischen Gremien, denn uns bringt nur die Zusammenarbeit aller Willigen weiter. Neid und Missgunst sind die Totengräber einer Kleinstadt. Eine negative Wahrnehmung, weitere Abwanderung, Schließungen von öffentlichen Einrichtungen.

Was braucht Weißwasser unbedingt?
Ein noch stärkeres Miteinander von denen, die Weißwasser mitgestalten wollen. Eine ordentliche Streitkultur, ohne Unterstellungen und Angriffe gegen Einzelne. Einen ausgeglichenen Haushalt. Weitere Investitionen in Straßen, Wege, Spielplätze und Gebäude. Viel persönliches Engagement, positive Wahrnehmung von außen und innen. Eine stabile Wirtschaft, vielschichtige Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Einwohner - Neugeborene und Zuzügler. Realistische Ziele, wie touristische Entwicklungen, Kooperationen und Zusammenarbeit innerhalb der Stadt und mit dem Umland. Netzwerke zu Kreis, Politik und Wirtschaft.

Im kommenden Jahr stehen Haushaltseinsparungen an. Wo lässt sich Ihrer Ansicht nach in Weißwasser sparen?
Mit den Personalstellen liegen wir bereits unter den gesetzlichen Vorgaben. Weniger Einwohner, weniger Personal, jedoch gleiche Aufgaben. Der Weg wird die Digitalisierung und Optimierung der Arbeitsprozesse sein. Gleiche Aufgaben der Umlandverwaltungen bündeln, Personalvertretungen aufbauen. Weitere Akquise von Förderungen für unsere Einrichtungen und gute Kooperationen der Träger derselben. Eigenmittel bei Investitionen senken durch Kombinationen von Förderung. Betrachtung der Einnahmen: mehr Einwohner gleich mehr finanzielle Mittel für Pflicht- und freiwillige Aufgaben.

Wo sehen Sie Weißwasser am Ende einer möglichen Amtszeit von Ihnen im Jahr 2024?
Eine Kleinstadt mit rund 16 000 Einwohnern, umringt von einer besonderen Natur, gewürdigt durch drei Unesco-Titel. Viele Kinderwagen in einer belebten, grünen Stadt. Die Vorbereitungen für eine Gartenschau oder den Tag der Sachsen laufen. Viele aktive Menschen beleben die vielfältigen Kulturangebote und sportlich sind wir weiter ein Aushängeschild der Lausitz. Die Region ist "enkeltauglich" und begeistert die Besucher und Einheimischen zugleich. Es wurden neue Arbeitsplätze für die Energiearbeiter geschaffen. Gute Arbeitsplätze für alle. Noch mehr Menschen sind in ihre Heimat zurückgekehrt. Wir sind zuversichtlich und stolz auf Weißwasser.

Zum Thema:
Alter: 47
Beruf: Bankkaufmann und Sparkassenbetriebswirt
Ich trete an für: die Einwohner von Weißwasser/O.L.
Familienstand: ledig
Kinder: Im Oktober werde ich zum ersten Mal Vater.
Hobby: Konzertbesuche, Musik hören, Volleyball, Tischtennis, Reisen, Fahrrad fahren, Tourismusentwicklung/Geopark, Motorrad
In welchen Vereinen sind Sie? Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser (Vorstand); Kindererholungszentrum Am Braunsteich, Förderverein Glasmuseum Weißwasser, TSG Kraftwerk Boxberg/Weißwasser, Mobile Jugendarbeit und Soziokultur, SV Stahl Krauschwitz, Tennisverein Krauschwitz.
Sie dürfen drei Leute zu einer Feier einladen - wen? Da ist es schwer, sich zu entscheiden. Ich würde gern mal mit dm-Drogeriemarkt-Gründer Götz Werner, dem Sänger Morrissey und Buchautor Gerald Hüther "Kommunale Intelligenz: Potenzialentfaltung in Städten und Gemeinden" ins Gespräch kommen.
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen? Jan Josef Liefers "Soundtrack meiner Kindheit"
Twittern oder facebooken Sie? Twitter (noch) nicht. Ich bin sehr aktiv auf meinem facebook-Profil, hauptsächlich zu den Themen von Weißwasser und der Region.
Urlaub - wo fahren Sie gern hin? Mit meiner Freundin mit dem Rucksack in verschiedene Länder auf der ganzen Welt - möchte andere Kulturen, Bräuche, Sichtweisen, Lebenseinstellungen kennenlernen, Anregungenaufnehmen. Ich bin auch viel in unserer Region und der Lausitz unterwegs, da wir hier eine so breite Vielfalt an Besonderem haben. Lieblingsessen? Asiatische Küche
Lieblingsplatz in der Lausitz? Im Bergpark des Muskauer Parks und an einem unserer bunten Seen um Weißwasser.
Geht ein Tag ohne Handy? Ja (Es könnten auch gern zwei sein.)