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| 01:40 Uhr

Tolle Juhnke-Erinnerungen beim Treffen in Skerbersdorf

Treffen ehemaliger Wendisch-Mustaer in Skerbersdorf
Treffen ehemaliger Wendisch-Mustaer in Skerbersdorf FOTO: Alexander Mader
Skerbersdorf. Manfred Weise hat's nicht leicht. Zumindest kurz vor seiner Rede. am

Ein bisschen Ruhe? Das dauert wohl noch etwas. Schon jetzt sind viele Gäste nämlich emsig in Gespräche vertieft. Fotos lassen Erinnerungen wach werden. Erinnerungen an die Heimat. Ihr Wendisch-Musta, das im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde. Kurze Zeit später ergreift Manfred Weise das Wort. Begrüßung zum nunmehr fünften Treffen der ehemaligen Wendisch-Mustaer. Diesmal sind es über 30 Teilnehmer. Rekord. „Aber wir haben ja auch ein kleines Jubiläum“, freut sich Manfred Weise.

Zusammen mit Walter Petro aus Sagar und Brigitte Lachmann aus Bayern hat der heutige Pecherner die Zusammenkunft wieder organisiert. Wunderschöne Stunden folgen. Und so manche Überraschung. „Wussten Sie, dass Harald Juhnke kurze Zeit in Wendisch-Musta zur Schule ging? Ich habe es auch gerade erfahren. Der Mann dort drüben hat es mir erzählt“, ist Walter Petro begeistert. Das wollen wir natürlich genauer wissen. Der Mann dort drüben – das ist Rudolf Liebisch.

Eine tolle Geschichte

Sekunden später lauschen wir seiner tollen Geschichte. Die beginnt irgendwann im Jahr 1943. Berlin erzittert unter Luftangriffen, Kinder werden in ländlichen Gegenden in Sicherheit gebracht. Auch nach Wendisch-Musta. Darunter ein Junge namens Harald. „Ein paar Tage besuchte er unsere Schule. Dann war er auch schon wieder weg“, erinnert sich Rudolf Liebisch. Eine kurze Zeit, die beim heutigen Dresdener prägende Eindrücke hinterließ.

Er erzählt: „Auf Deutsch gesagt, war er ein richtiger Schlumich. Als wir einmal an der Neiße baden waren, kam er an. Trotz Arrestes. Da sagte er nur: ‚Ick bin abjehauen'.“ Noch einmal traf Rudolf Liebisch den späteren Schauspieler und Entertainer – 1945 in der Gegend von Waldheim. „Er erkannte mich und wir haben kurz miteinander gesprochen.“ Der letzte direkte Kontakt. Jahrzehnte später, die Wendezeit. „Als ich Juhnke da im Fernsehen sah, fragte ich meinen Bruder, ob das der Juhnke ist, der bei uns kurz in der Schule war. Und er bestätigte es mir“, blickt Rudolf Liebisch zurück.

Nur eine von vielen Geschichten, die am Sonnabend in der Gaststätte „Zur Eiche“ erzählt wurden. Erstmals beim Wiedersehen ist Melitta Kallenbach aus Rietschen, Tochter von Fritz Graf, dem letzten Besitzer des Wendisch-Mustaer Brauhauses. „Mein Sohn Christian hat mich auf das Treffen aufmerksam gemacht“, meint sie.

Blitzen in den Augen

Kein Wunder, dass am Samstag auch der 28-Jährige selbst dabei ist. „Ein paar Geschichten habe ich früher von Opa gehört. Aber als Kind begreift man das ja noch nicht so“, bemerkt Christian Kallenbach. Dafür heute um so mehr. „Für mich ist es wichtig zu wissen, wo man herkommt. Aus diesem Grund beschäftige ich mich auch sehr mit unserer Familiengeschichte“, ergänzt er.

Deshalb ist ihm das Samstag-Treffen so wichtig: „Es ist sehr spannend. Wenn die älteren Leute Geschichten erzählen, sieht man richtig das Blitzen in ihren Augen“, ist Christian Kallenbach begeistert. Schnell hat er ein Foto zur Hand. Ein Familienporträt in Schwarz-Weiß. „Ich habe mir schon manchmal vorgestellt, hier gelebt zu haben“, meint Christian Kallenbach. Nur Sekunden später zeigt er ein weiteres Bild. Der ehemalige Gasthof. Wieder fällt der Name Harald Juhnke. Die Geschichte will sich Christian Kallenbach gleich noch erzählen lassen. Eine von vielen, welche die Gemeinde Wendisch-Musta nie in Vergessenheit geraten lassen werden. am