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Tierquälerei bleibt ungeklärt

Weißwasser. Es war eine angespannte Verhandlung. Fünf Zeugen wurden am vergangenen Donnerstag vor das Amtsgericht Weißwasser geladen.

Sie alle sagten für oder gegen den 76-jährigen Detlef W. aus (*alle Namen sind geändert), der aus einem Ortsteil der Gemeinde Schleife kommt. Der Vorwurf: schwere Tiermisshandlung. Der Angeklagte selbst erschien nicht zur Verhandlung. Er ließ sich von seinem Anwalt vertreten.

Am 9. September 2008 soll er ein Tellereisen an der Grundstücksgrenze zu seinem Nachbarn Michael M. aufgestellt haben, um dessen Hund zu verletzen. Eine halb verweste Wildschweinschwarte soll dabei als Lockvogel gedient haben. Es war bekannt, dass der Rüde öfters ausbüxte. Dabei hatte er auch einmal die Schäferhündin von Detlef W. gedeckt. Sowohl er, als auch seine Frau waren darüber erbost. Als der Rüde erneut versuchte, die Hündin auf deren Grundstück zu schwängern, habe Frau W. Michael M. telefonisch gedroht: “Wenn der Hund nochmal kommt, wirst du sehen, was mit ihm geschieht.„ Das war zwei Wochen vor dem Vorfall. Heute bestreitet sie die Drohnung.

Michael M. und sein Schwager erinnern sich, wie sie den Rüden vorfanden: jaulend, sich vor Schmerzen windend, versuchte das Tier, die Eisenfalle durchzubeißen, um seine Pfote zu befreien. Dabei brach er sich mehrere Zähne ab. Detlef W. selbst habe die Szenerie von seinem Grundstück aus passiv mit entsetztem Gesicht beobachtet. Erst durch mehrfaches Auffordern holte er Werkzeug, damit die Falle geöffnet werden konnte.

Für die Staatsanwaltschaft war der Fall klar: Detlef W. ist schuldig. Zwar könne er gesundheitsbedingt schlecht laufen, doch sprächen viele Indizien gegen ihn. Nicht zuletzt, weil der Hund ihm und seiner Frau längere Zeit ein Dorn im Auge war und er mit Familie W. zerstritten sei. Zudem sei die Falle direkt vor seinem Grundstück aufgestellt worden. Genau dort, wo der Laufpfad des Hundes ist. Außerdem ist der Angeklagte selbst Jäger und habe Michael M. nach dessen Aussage bereits zu DDR-Zeiten ein Tellereisen angeboten, damit dieser seine Hühner vor Fuchsangriffen schützen könne. Michael M. habe abgelehnt.

Sowohl Detlef W., als auch seine Frau bestritten vor Gericht, jemals eine derartige Falle besessen zu haben. Frau W. will auch nichts von der Rettungsaktion mitbekommen, geschweige denn das Hundegejaule gehört haben. Und das, obwohl es durch die ganze Nachbarschaft hallte. Eine Aussage, die in den Zuschauerreihen für Rumoren sorgte.

Letztlich sprach das Gericht den Angeklagten jedoch wegen mangelnder Beweise frei. Und das mit schwerem Herzen, wie Richter Stefan Bachmann bei der Urteilsverkündung betonte: “Es sprechen sehr viele Indizien dafür, dass Detlef W. der Täter ist.„ Laut Bachmann und Staatsanwalt hätte auch sein Sohn, ebenfalls Jäger, die Tat für ihn ausüben können. Vermutet wird, dass der Sohn den Köder durch heimliches Jagen besorgt habe.

Belastende Beweise gibt es aber laut Aussage eines Polizisten nicht. Auch für ihn sei Detlef W. tatverdächtig. “Eine Schüssel mit verwestem Fleisch stand neben der Falle. Beides konnte man von seinem Grundstück aus sehr gut sehen. Sprechen wollte Detlef W. an dem Tag aber nicht mit uns.„

Für Michael M. ein frustrierendes Urteil. “Mein Hund kann zum Glück wieder laufen, aber gerecht ist das nicht.„ Vivien Czepok