| 02:45 Uhr

Tieflandsfichten in der Bergbaufolge

Leag-Bergbau-Vorstand Uwe Grosser (m.), CDU-Landtagsabgeordneter Lothar Bienst und der Kommandant des Truppenübungsplatzes Oberlausitz, Oberstleutnant René Pierschel brachten die jungen Lausitzer Tieflandsfichten in den lehmigen Sandboden der Bergbaufolgelandschaft.
Leag-Bergbau-Vorstand Uwe Grosser (m.), CDU-Landtagsabgeordneter Lothar Bienst und der Kommandant des Truppenübungsplatzes Oberlausitz, Oberstleutnant René Pierschel brachten die jungen Lausitzer Tieflandsfichten in den lehmigen Sandboden der Bergbaufolgelandschaft. FOTO: Gabi Nitsche
Weißwasser. "Baum des Jahres 2017" wächst dreifach auf den neu angelegten Terrassen unterhalb des Turmes Am schweren Berg vor Weißwassers Toren. Gabi Nitsche

Zu den rund 13 Millionen Bäumen, die seit 1994 auf rekultivierten Flächen des Tagebaus Nochten gepflanzt wurden, sind am Montag drei besondere hinzugekommen. Es sind Tieflandsfichten, Baum des Jahres 2017. Diese fanden ihren Platz auf den neu angelegten Terrassen in der Bergbaufolgelandschaft vor den Toren der Stadt Weißwasser.

Als Gärtner erwiesen sich Leag-Bergbau-Vorstand Uwe Grosser, der sächsische CDU-Landtagsabgeordnete Lothar Bienst und der Kommandant des Truppenübungsplatzes Oberlausitz, Oberstleutnant René Pierschel. Die Regiefäden hielt Leag-Revierförster Olaf Hanspach in den Händen. Laut Urteil des Fachmannes handelt es sich bei den Fichten um spät treibende Exemplare, die erst zwei Jahre im Saatbeet und zwei weitere Jahre im Beet der Fürst-Pückler-Baumschulen heranwuchsen. "Eigens für die drei Fichten wurde dieser Standort hier ausgesucht mit dem lehmigen Sandboden. Das passt. Er kann Wasser speichern, und ab und zu greifen wir auch zu einem Eimer voll Wasser für die jungen Bäume", versicherte Hanspach.

Uwe Grosser wies auf diesen besonderen Ort innerhalb der Rekultivierung hin: "Auf diesen Terrassen haben wir die vielfältigen Elemente aus dem Naturschutzvorranggebiet auf kleiner Fläche komprimiert." Im Kleinen wird gezeigt, was im Großen rekultiviert wird. Auf dieser Fläche lässt sich das gut erklären. Es ist ein geeigneter Platz für Stubbenwälle, Waldsoden und um Heide zu etablieren und anderes mehr wachsen zu lassen. Dazwischen schlängeln sich die terrassenförmig angelegten Asphaltwege. Franziska Uhlig-May, Leiterin des Fachbereichs Rekultivierung und Naturschutz bei der Leag, erklärte, dass sich das Wegesystem in der Bergbaufolgelandschaft an dem orientiert von vor der Inanspruchnahme. "Mit den verschiedenen Baumarten und Gestaltungselementen entwickelt sich hier ein parkähnlicher Charakter, der in Verbindung mit dem Endbahnhof der Waldeisenbahn zu einem effektvollen Trittstein für die Stadt Weißwasser werden kann", betonte Uwe Grosser und spannte den Bogen noch etwas weiter: Von hier könne der interessierte Besucher nicht nur das Kraftwerk Boxberg und den Tagebau sehen, sondern auch, was dazwischen passiert. "Wir nehmen Landschaft in Anspruch, aber wir gestalten sie auch. Das kann man gut sehen, wenn man von hier zwölf Kilometer über den Hermannsdorfer Radweg zum Findlingspark Nochten fährt." Denn der Weg führt unmittelbar am Hermannsdorfer See vorbei, der ab 2017 geflutet wird. Ausnahmslos Fauna und Flora vorbehalten misst dieser 250 Hektar, soll nach vier bis fünf Jahren 24 Millionen Kubikmeter Wasser haben und mehr als 25 Meter tief sein. Inmitten einer 1000 Hektar großen Offenlandfläche soll dieser zum Rückzugsort für geschützte Tier- und Pflanzenarten werden und somit Lebensraum für die Neuen Jeseritzen, die Moorinseln. Angelegt wurden die Initiale 2012 mit Pflanzen, die vor dem Bergbau geborgen wurden. Inzwischen sind Glockenheide, Schnabelried, Sonnentau und Moorbärlapp nicht mehr zu übersehen.

Zu den Folge-Nutzern der rekultivierten Tagebauflächen gehört die Bundeswehr. Seit 2012 stehen dem Truppenübungsplatz Oberlausitz (TÜP) 1300 Hektar zur Verfügung. Das sind Flächen im Austausch mit welchen im Vorfeld des Tagebaus Reichwalde. Weitere 1700 Hektar folgen in den kommenden Jahren. Kommandant Oberstleutnant René Pierschel sprach gestern von rund 20 Prozent der Gesamtfläche, die vom Bergbau genommen werde. Fünf Schießbahnen und weitere Übungseinrichtungen seien betroffen, für die es einen Ausgleich geben wird. Aus Sicht der Bundeswehr ein einmaliges Projekt, welches sehr anspruchsvoll sei und einen langen Zeithorizont habe. "Es ist Chance und Herausforderung zugleich. Es bietet am Ende ein Mehr an Ausbildungsmöglichkeiten", betonte Pierschel.

Zum Thema:
Rund 30 Millionen Bäume und Sträucher sind laut Leag seit 1994 im Bergbaufolgeland der aktiven Tagebaue im Lausitzer Revier gepflanzt worden. Auf über 3000 Hektar wurden zukünftige Wälder aufgeforstet. Die Lausitzer Tieflandsfichte ist eine für die Muskauer Heide- und Waldlandschaft standortgerechte Baumart, wenn auch nicht typisch für große zusammenhängende Rekultivierungsbereiche. Die Fichte zählt zu den eher anspruchslosen Baumarten, bevorzugt aber feuchte Standorte. Mehr als die Hälfte der vom Bergbau in Anspruch genommenen Flächen werden standortgerecht aufgeforstet und zum naturnahen Wald entwickelt. Was den Tagebau Nochten angeht, sind inzwischen regelrechte Baumalleen gewachsen mit Ebereschen, Ahorn, Erlen, Kiefern und Birken oder Felsenbirnen, auch Ginster, Eichen und Fichten. Riesige Heideflächen entstanden und entstehen mit Hilfe von Mähgut.