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| 02:49 Uhr

Therapie- und Pflegezentrum erfindet sich neu

Am "Schwarzer Adler" am Königsbrücker Marktplatz sollen noch in diesem Jahr Dach, Fassade und Fenster erneuert werden.
Am "Schwarzer Adler" am Königsbrücker Marktplatz sollen noch in diesem Jahr Dach, Fassade und Fenster erneuert werden. FOTO: Uwe Menschner/ume1
Kamenz/Königsbrück. Das Therapie- und Pflegezentrum Westlausitz mit mehr als 100 Mitarbeitern vollzieht derzeit einen tief greifenden Strukturwandel. Er soll sich allerdings nur nach innen und nicht nach Außen manifestieren. Uwe Menschner / ume1

Als Norman Lindemann im Juli 2007 seine Praxis für Physiotherapie und Ergotherapie eröffnete, ahnte er sicher nicht, welche Ausmaße seine Firma einmal annehmen würde.

Der Reha-Therapeut hatte jahrelang in Kreischa Erfahrungen mit Patienten gesammelt, die schwerste gesundheitliche Einschränkungen aufwiesen. Mit Frank Wessela fand er einen Kompagnon, der aus dem Pflegebereich kam. "Wir sind schnell gewachsen, haben mehrere Standorte eröffnet und mehr als 100 Mitarbeiter eingestellt. Was dabei auf der Strecke blieb, war eine adäquate Struktur unseres Unternehmens", sagt Norman Lindemann rückblickend.

Fünf Teilfirmen, unter anderem für die Bereiche Pflege, Therapie und Service, wollten einzeln geführt und abgerechnet sein - ein immenser buchhalterischer und kaufmännischer Aufwand, der viele Kräfte und Kapazitäten band.

"Wir sahen die Notwendigkeit zur Umstrukturierung und gründeten eine einzige große Firma - die Therapie- und Pflegezentrum GmbH. Diese vereint jetzt alle Leistungen unter ihrem Dach", erklärt Norman Lindemann. Zusammen mit Frank Wessela leitet er nunmehr als Geschäftsführer und nicht mehr als Inhaber das Unternehmen. Therapie- und Pflegezentrum - unter diesem Namen waren bereits die Vorgängerfirmen auf dem Markt aufgetreten.

Freilich ist ein solch grundlegender Umbau nicht zum Nulltarif zu haben. Als Partner holte sich Norman Lindemann die Sib Innovations- und Beteiligungsgesellschaft - eine Tochter der Ostsächsischen Sparkasse Dresden - an Bord. Deren Geschäftsmodell besteht darin, "mittelständische Unternehmen, bei denen eine klassische Bankfinanzierung zu riskant wäre, mit Eigenkapital auszustatten", erklärt Geschäftsführer Christian Müller. Die Summen bewegen sich im Regelfall im sechsstelligen Bereich. Christian Müller: "Wir gehen ein höheres Risiko ein, als bei einem normalen Kredit, haben aber auch höhere Ertragschancen." Einfluss auf die Unternehmensführung, so versichert er, nehme die Sib als "stille Gesellschafterin" nicht.

Durch die Umstrukturierung in der Praxis ändert sich für Patienten nichts. "Sie erhalten wie zuvor ihre Therapien und Betreuungsleistungen von ihren gewohnten Ansprechpartnern", versichert Frank Wessela.

Die Mitarbeiterzahl ändere sich auch nicht unmittelbar, möglicherweise aber in Zukunft, denn die Therapie- und Pflegezentrum Westlausitz GmbH plant eine moderate Expansion. "Ein zu schnelles Wachstum ist nicht unbedingt erstrebenswert, das haben wir gelernt", betont Norman Lindemann.

"Es geht uns nicht darum, die Größten zu sein. Wir wollen da sein, wo unsere Patienten uns brauchen." Beispielsweise in Kamenz, Königsbrück, Schwepnitz und Steina, wo das Therapie- und Pflegezentrum über Standorte verfügt.

Und noch ein Projekt kann jetzt wieder forciert werden, das im Zuge der Umstrukturierung in die Warteschleife geraten war: der Umbau des früheren Gasthofs "Schwarzer Adler" am Königsbrücker Marktplatz. "Auch ich bedauere, dass es dort so lange gedauert hat, aber es waren eben erst einmal andere Dinge zu klären", wie Norman Lindemann unterstreicht.

Noch in diesem Jahr sollen Dach, Fenster und Fassade erneuert werden, um die Substanz zu sichern. In den zwei Folgejahren erfolgt dann sukzessive der Ausbau für die ab 2018 vorgesehene Nutzung als Therapiezentrum sowie für das betreute Wohnen. Der Saal war für eine bessere Baufreiheit bereits vor drei Jahren abgebrochen worden. Die Kosten für den reinen Ausbau beziffert der Geschäftsführer auf etwa zwei Millionen Euro.