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| 01:00 Uhr

Thema der Woche: Tante-Emma-Läden „Die Älteren sind sehr dankbar“

Halbendorf/Daubitz.. Ob Brötchen, Wurst oder die neuesten Dorf-Nachrichten – das und viel mehr ist bei den „fliegenden“ Tante-Emma-Läden erhältlich. Im NOL haben derzeit 106 Händler ein Reisegewerbe. Von Gabi Nitsche

Bevor die „fliegenden“ Händler jeden Tag um 8.30 Uhr auf dem Parkplatz an der alten Schule ihre Verkaufswagen öffnen, stehen die ersten Halbendorfer schon da, nutzen die Zeit zum Erzählen und freuen sich auf frische Brötchen, knackiges Obst und Gemüse sowie Fleisch und Wurst.
„Ich finde das gut. Da muss man keine großen Umstände machen, geht schnell über die Straße und hat alles zum Frühstück da“ , nimmt Ilse Walter gern das Angebot an. Gerda Dubrawa geht es nicht anders: „Es ist mal was anderes, wenn man hier einkauft. Und man kauft ja nur das, was man gerade so braucht.“
Ja, Abwechslung ist garantiert, denn es sind nicht an jedem Tag ein- und dieselben Händler vor Ort. So wechseln sich zum Beispiel die Bäcker Merschank und Raddatz sowie Höfchen ab. Wurst und Fleisch kommt mal aus Terpe und mal von der Viereichener Fleisch- und Wurstwaren.
Außer mittwochs kommt Simone Berton täglich mit ihrem Obst- und Gemüsewagen. „Seit sechs Jahren habe ich das Reisegewerbe“ , berichtet sie. Die Ware bekommt die Weißwasseranerin von Marktfrisch Rothenburg. Immer ganz frisch, wie sie sagt. „Jeden Tag über die Dörfer zu fahren, das bei Wind und Wetter, ist schon anstrengend“ , weiß Daniela Gräßel von der Bäckerei Merschank in Forst. Damit spricht sie ihren Kolleginnen aus dem Herzen. Liesbeth Marusch nutzt auch gern das morgendliche Angebot, wie sie sagt. „Wir haben hier in Halbendorf so fünf bis sechs Stammkunden. Frau Marusch gehört dazu“ , so die Verkäuferin hinter der Wursttheke.
Für eine halbe Stunde etwa sind die ambulanten Händler vor Ort. Wer die Zeit verpasst, hat Pech. „Ja, man ist so sehr auf die Zeit angewiesen. Das finde ich nicht so gut, mir wäre ein ständiger kleiner Laden lieber“ , meinte Gerlinde Bertko.

Seit der Wende mit zwei Wagen
Einer, der schon seit der Wende darauf setzt, ist der Daubitzer Bäckermeister Lothar Höfchen. „Wir waren die ersten nach der Wende. Das zu einem Zeitpunkt, als die Konsumgeschäfte auf den Dörfern zumachten, weil entweder die Eigentumsfrage ungeklärt oder die Rentabilität nicht gewährleistet war“ , erinnert er sich. Die Entscheidung von damals heißt er auch heute noch gut. Zwei „supermoderne Wagen“ sind jeden Tag im NOL unterwegs. Vollgepackt mit allem, was die Leute so brauchen.
„Am Anfang waren es wirklich nur Bäckereiwaren. Dann haben wir aber gemerkt, dass vor allem die älteren Menschen auch anderes bei uns kaufen wollen. Im Grunde bekommen sie bei uns alles, vom Glas Marmelade über Schokolade bis hin zum Toilettenpapier. Und wenn mal was nicht dabei ist, wird es bestellt und kommt dann am nächsten Tag mit. Das regeln unsere Frauen auf den Fahrzeugen ganz individuell.“ Der Meister stimmt diesbezüglich ein Loblied auf seine Mitarbeiterinnen an, die, wie er berichtete, das notwendige glückliche Händchen für so einen Job mitbringen. „Sie wissen, dass der Umsatz stimmen muss, damit alles bezahlbar bleibt. Deshalb zeigen sie viel Eigeninitiative, um die Kundenwünsche zu erfüllen.“
Höfchens Fahrzeuge sind auf verschiedenen Touren unterwegs: die Dörfer hinter Daubitz in Richtung Rothenburg und Neiße gehören ebenso dazu wie die Rietschener Ecke, Kringelsdorf und Nochten sowie die Strecke von Sagar, über Weißkeißel, Krauschwitz bis Kromlau und Halbendorf. Lothar Höfchen wird auch künftig daran festhalten, denn „gerade die älteren Menschen, die oftmals niemanden mehr haben, kein Auto fahren, sind auf uns angewiesen und deshalb sehr dankbar, dass wir zu ihnen aufs Dorf kommen.“
Im Schlepptau hat der Daubitzer oft die Fleischerei Richter aus Niesky oder die Viereichener. „Da haben wir schon vor Jahren die Initiative ergriffen und uns an andere Einzelhändler gewandt. Die Kunden danken uns das.“

Zum Thema Anmeldungen im NOL
 Die Zahl der Händler mit Reisegewerbe wechselt ständig. Zurzeit gibt es 106 im NOL. Überwiegend bieten diese Lebensmittel an. Anträge dafür dürfen aber nur NOL-Bewohner im Landratsamt stellen.