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| 22:56 Uhr

Breitbandausbau im Raum Weißwasser
Kreistag Görlitz macht Millionending klar

 Glasfaserkabel sollen für ein schnelles Internet in Ostsachsen sorgen. Der Kreistag Görlitz hat dafür die nächsten Baulose vergeben.
Glasfaserkabel sollen für ein schnelles Internet in Ostsachsen sorgen. Der Kreistag Görlitz hat dafür die nächsten Baulose vergeben. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Görlitz. Die Görlitzer Ratsrunde vergibt neun Bau-Großaufträge für den Breitbandausbau. Das Volumen ist 70 Millionen Euro schwer. Jetzt läuft die Widerspruchsfrist der unterlegenen Mitbieter. Von Uwe Menschner und Christian Köhler

Die Energieversorgung Sachsen Ost AG (Enso) und die Deutsche Telekom AG teilen sich weitgehend in den Breitbandausbau im Landkreis Görlitz hinein. Der Görlitzer Kreistag hat auf seiner Sondersitzung am Mittwoch beiden Unternehmen jeweils vier von insgesamt neun Ausbaulosen zugesprochen. Während die Enso im Zittauer Gebirge und Zittau, in Bernstadt und Reichenbach, in Löbau sowie in den Gemeinden rings um den Stausee Quitzdorf zum Zuge kommt,  erhielt die Telekom den Zuschlag für Rothenburg/Hähnichen, Boxberg/Kreba-Neudorf, Weißwasser, Bad Muskau und Umgebung sowie Niesky.

Eine Ausnahme bildet das so genannte „Cluster 8“, zu dem die Gemeinden Kodersdorf, Horka, Neißeaue und Schöpstal gehören: Hier darf die in Görlitz ansässige Netcommunity GmbH den Breitbandausbau vorantreiben. Der Vollzug des Beschlusses hängt allerdings noch von der „Erfüllung vergabe- und zuwendungsrechtlicher Voraussetzungen“ ab: Die unterlegenen Bieter können Widerspruch einlegen, zudem müssen noch die endgültigen Fördermittelbescheide abgewartet werden.

Weißwassers Oberbürgermeister bewertet es als Positiv, dass einerseits endlich die Vergabe erfolgt ist. Als Kreistagsmitglied für die Freien Wähler ist er an der Vergabeentscheidung beteiligt gewesen. „Andererseits stehen wir bereits mit der Telekom in Kontakt und hoffen, dass wir in den nächsten Monaten sichtbare Erfolge erzielen“, so Pötzsch auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Bei der Vectoring-Technologie nämlich – die unabhängig vom Landkreis in Weißwasser ausgebaut wird – hatte das Unternehmen den selbstgesteckten Zeitplan, im Oktober 2018 in Weißwasser fertig zu sein, nicht eingehalten. Es habe Probleme beim Tiefbau gegeben, hieß es. Nun soll bis zum zweiten Quartal mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde gesurft werden können, erklärte Ende 2018 ein Telekomsprecher (RUNDSCHAU berichtete).

Der Breitbandausbau in den neun vergebenen Clustern des Landkreises Görlitz beinhaltet insgesamt ein Vergabevolumen von knapp 70 Millionen Euro. An dem Verfahren beteiligten sich nur die Enso, die Telekom und die Netcommunity. „Mit Fiber to the Building – also der Verlegung von Glasfaserkabeln bis ins Haus – setzt der Landkreis Görlitz in den beteiligten 31 Kommunen auf die Zukunftstechnologie und schafft so gigabitfähige Netze“, betont Landrat Bernd Lange (CDU). Neben Privathaushalten und Unternehmen kommen auch Schulen und Krankenhäuser in den Genuss dieser Investition. Hierfür müssen auf circa 800 Kilometern 4200 Kilometer Glasfaserkabel verlegt werden, um 6650 „Adresspunkte“ anzuschließen. Einen konkreten Zeitplan für die Ausführung nannte die Kreisverwaltung noch nicht.

Die jetzt vergebenen Ausbaucluster decken allerdings noch nicht den gesamten Landkreis ab. Deshalb soll bis zum 3. Quartal ein zehntes Cluster, das die Gemeinden Beiersdorf, Ebersbach-Neugersdorf, Großschönau, Großschweidnitz, Herrnhut, Jonsdorf, Kottmar, Lawalde, Markersdorf, Oderwitz, Ostritz und Rietschen  umfasst, vergeben werden. „Dabei handelt es sich um Städte und Gemeinden, in denen im Zuge des eigenwirtschaftlichen Ausbaus Lücken verblieben sind, oder es bestehen in ihnen noch nicht versorgte Schulen, die zu einem Cluster zusammengefasst werden sollen, um die Attraktivität für Anbieter zu erhöhen“, erläutert die für Kreisentwicklung zuständige Dezernentin Heike Zettwitz.

Schon die Vergabe im Landkreis Bautzen war im wesentlichen auf ein Duell zwischen Deutscher Telekom und Enso hinausgelaufen. Dort hatte die Telekom acht von neun Clustern gewonnen, lediglich in Bischofswerda und Umgebung kam dank bereits geleisteter Vorarbeiten die Enso zum Zug. Beide Konkurrenten hatten sich daraufhin gegenseitig eine Zusammenarbeit angeboten. Enso-Vorstandschef Frank Brinkmann sprach in diesem Zusammenhang davon, dass der weltweit agierende IT-Riese den regionalen Anbieter „als ernst zu nehmenden Mitspieler wahrgenommen“ habe. Dieser Effekt dürfte sich aufgrund des Ausschreibungsergebnisses im Landkreis Görlitz wohl noch erheblich verstärken.