| 03:01 Uhr

Telekom findet schwer zu Neukunden

Laubusch. Der "Rosa Riese" tut sich schwer. Seit fast drei Monaten will Brigitta Micklich aus Laubusch zur Telekom wechseln, weil sie mit ihrem alten Anbieter unzufrieden ist. Jens Dettlaff

Doch seit mehr als 80 Tagen heißt es für sie: Kein Anschluss unter dieser Nummer.

Am 5. Januar beginnt für Brigitta Micklich eine Odyssee. Sie kündigt den Vertrag mit ihrem Telefonanbieter, will zur Telekom wechseln. Telefon- und Internet-Anschluss braucht sie. Und sie hat eine Bitte: "Ich möchte meine Rufnummer behalten." Die Hoffnung, die sie mit dem Anbieterwechsel verbindet, ist, dass sie endlich Telefongespräche führen kann, bei denen sie den Gegenüber auch versteht. "Das war in den vergangenen zwei Jahren nicht der Fall", erzählt Brigitta Micklich.

Drei Wochen nach der Anmeldung will die Telekom den Anschluss installieren und schickt einen Techniker. Doch der verläuft sich im Dschungel der Karl-Marx-Straßen in Lauta. Die gibt es gleich drei Mal im Stadtgebiet. Den Weg zu Brigitta Micklich nach Laubusch findet er nicht. Ein Irrtum des Technikers, den auch die 75-jährige entschuldigen kann. Doch die Reaktion der Telekom entschuldigt sie nicht. Denn die reagiert gar nicht.

Frau Micklich muss weiter die Geduld ihrer Nachbarin Gisela Kliemann strapazieren und von deren Anschluss aus telefonieren. Sie ruft Anfang Februar erneut bei der Telekom an und hört ein Versprechen. In Kürze werde die Telekom die telefonlose Zeit für Micklichs beenden. Und das ist dringend nötig. Denn Brigitta Micklich und ihr Mann Heinz sind auf Medizin und eine möglichst schnelle Hilfe im Ernstfall angewiesen. "Ich habe Zucker und mein Mann keinen Magen mehr. Wie schnell kann mal etwas sein und wir brauchen dringend einen Arzt?", gibt die 75-Jährige zu bedenken.

Am 10. Februar kommt wirklich Bewegung in die Sache. Die Telekom möchte den Anschluss installieren. Jedoch an dem Apparat, von dem aus Brigitta Micklich den Netzbetreiber angerufen hatte - also bei Nachbarin Gisela Kliemann. Ein folgenschwerer Fehler des Unternehmens. Micklichs bleiben abgeschnitten, schreiben Briefe statt Telefonate zu führen. Denn auch die Kommunikation mittels Mobilfunk ist in Laubusch nicht die beste. "Bei schönem Wetter habe ich Empfang am Misthaufen, bei anderen Wetterlagen kaum", sagt Brigitta Micklich.

Nun schaltet sich Sohn Frank in den Hickhack ein. Er konfrontiert mehrfach Mitarbeiter des T-Punkts im Hoyerswerdaer Lausitzcenter mit dem Problem. Freundlich, aber wenig hilfreich heißt es: "Das ist in Arbeit."

Die RUNDSCHAU hakte bei der Telekom nach und wurde ebenfalls auf eine Geduldsprobe gestellt. Mehr als eine Woche dauerte es, bis das Unternehmen antwortete. Recherchegründe wurden für die "lange Leitung" bis zur Antwort angeführt. Pressesprecher Markus Jodl verweist auf technische Probleme bei der Bereitstellung des Anschlusses. Die lösten sich offenbar in Luft auf, nachdem die RUNDSCHAU Druck in der Telekom-Leitung aufgebaut hatte. Noch am gleichen Tag schaltete die Telekom am Donnerstag den Telefonanschluss für Familie Micklich frei. Das gewünschte Komplettpaket mit Internet soll es ab 2. April geben, sagt der Pressesprecher.

Brigitta Micklich freut sich über die neue Telefonfreiheit. Billigend in Kauf muss sie aber nehmen, dass sie nun eine neue Rufnummer hat.