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Kromlauer Park
Den Roteichen geht es an den Stamm

Der Einsatz von Technik ist bei diesem Seminar unerlässlich. Hat doch Sturmtief Xaver auch im Park seine Spuren hinterlassen.
Der Einsatz von Technik ist bei diesem Seminar unerlässlich. Hat doch Sturmtief Xaver auch im Park seine Spuren hinterlassen. FOTO: Ingolf Tschätsch / Tschätsch Ingolf
Weißwasser. 180 Helfer packen beim 15. Parkseminar in Kromlau zu. Das bedeutet neuen Teilnehmerrekord. Weil Sturmtief Xavier auch dort seine Spuren hinterlassen hat, war die Beseitigung der Schäden am Wochenende ein Schwerpunkt. Von Ingolf Tschätsch

Dorothea Treppe kriegt sich fast nicht ein. „Hier sind wieder neue Rhododendren gewachsen. Schaut mal , auch an dieser Stelle. Und auch dort. Ich bin begeistert. Unsere Arbeit hat sich also gelohnt.“ Sie meint das, was sie und die anderen im Vorjahr beim 14. Parkseminar in Kromlau geschafft haben. Am Freitag beginnt Auflage Nummer 15 dieser traditionellen Veranstaltung. Und die Dresdenerin ist wieder mit dabei. „Ich habe an allen 15 teilgenommen“ , fügt sie noch mit ein wenig Stolz  hinzu. Dorothea Treppe ist mit einer Gruppe Helfer auf dem Weg zur Nordseite des Rakotzsees. Er ist ein Schwerpunktbereich beim diesjährigen Seminar.

Rund 60 Teilnehmer sind gekommen. „Das ist schon mehr als im Vorjahr“, freut sich Uwe Horbaschk, Gemeinderat und Vorsitzender des Umweltausschusses. „Fünf Arbeitsgruppen haben wir gebildet. Weil aber Sturmtief Xavier auch unseren Park nicht verschont hat, müssen wir ein wenig umdisponieren. Die Beseitigung der Sturmschäden wird also breiten Raum im Programm einnehmen“, erklärt er. Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) hat die Helfer zuvor begrüßt und Prof. Siegfried Sommer  vom Sächsischen Heimatschutzverein – ein altbekanntes Gesicht beim Parkseminar genau wie Rudolf Schröter – sie fachlich eingewiesen.

Der Spaten ist für Dorothea Treppe und die anderen das wichtigste Arbeitsgerät. Die Gruppe ist gerade dabei, Neophyten auszugraben. Das sind fremdländische Bäume und Sträucher, die eingeschleppt wurden und die die einheimischen Arten verdrängen, erklären die Experten. Die Roteiche aus Nordamerika ist so ein übler Geselle. Ihr geht es mit vereinten Kräften an den Stamm.

Am Inselteich wird die erste von sechs Stieleichen gepflanzt: Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) widmet sich mit den anderen Helfern dieser Aufgabe. Wieslawa Kölzow von der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau assistiert dabei den Männern.
Am Inselteich wird die erste von sechs Stieleichen gepflanzt: Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) widmet sich mit den anderen Helfern dieser Aufgabe. Wieslawa Kölzow von der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau assistiert dabei den Männern. FOTO: Ingolf Tschätsch / Tschätsch Ingolf

An einer anderen Stelle des Parkes dringt das Kreischen einer Motorsäge aus dem dichten Buschwerk. Lutz Flöter und Sebastian Scholle aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind hier im Einsatz. „Wir beseitigen Totholz und schneiden die Azaleen frei“, so Lutz Flöter. Zwei Jungs gehen ihnen dabei zur Hand, die die abgesägten Äste aus dem Gesträuch ziehen - der 16-jährige Valentin Strauß und sein elfjähriger Bruder Simeon, einer der jüngsten Akteure beim Parkseminar.

Am Sonnabend ist das Gewimmel im Park noch größer. 120 Leute wollen helfen. Am Inselteich ist richtig Action. Viele bekannte Gesichter aus dem Ortsteil und aus Gablenz, so beispielsweise die Gemeinderäte Norbert Thorausch, Johannes Rackel, Dino Hoffmann, Jürgen Noack und Karl-Heinz Krahl, Vereinsmitglieder von Blau-Weiß, dem Heimatverein, dem Frauenverein, dazu Firmen aus der Gemeinde wie das Baugeschäft Hoffmann, das Unternehmen Halw oder die Kiesgrube Martin, die mit Technik zur Stelle sind.  Der gelbe Radlader letztgenannten Unternehmens transportiert gerade gewaltige Holzstämme von umgesägten Bäumen, die dem Sturm zum Opfer fielen, in seiner Schaufel. Im Erdreich sind sechs große Löcher ausgehoben worden, in die Stieleichen gesetzt werden sollen. Ihnen wird der Vorzug vor den ungeliebten Roteichen gegeben. Auch auf diesem Standort sind diese reichlich vertreten. Die Helfer sind bemüht, ihnen den Garaus zu machen. „Jetzt wird der erste Baum gepflanzt“, ruft jemand.

Ist er es oder ist er es nicht? Ja, er ist es. Im Pflanzloch steht Torsten Pötzsch (Klartext), der OB von Weißwasser. Am Donnerstag ist er glücklicher Vater eines Jungen geworden. „Ich bin nicht das erste Mal beim Parkseminar dabei“, entgegnet er auf die Frage der RUNDSCHAU. Eine kurze Kraftanstrengung und die Stieleiche hat ihren neuen Platz gefunden. Wieslawa Kölzow von der Stiftung Fürst- Pückler-Park Bad Muskau assistiert den Männern bei dieser Arbeit.

Uwe Horbaschk ist nach den zwei Tagen Parkseminar glücklich. „180 Leute, Teilnehmerrekord! Alle Firmen, die zugesagt haben, sind gekommen. Es ist alles perfekt gelaufen. Wenn ich nur an die Neupflanzungen am Inselteich und die behindertengerechte Treppe dort denke. Ich bin zufrieden“, sagt er.