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| 17:34 Uhr

Teichlausitz
Teichwirten droht ein Desaster

Die Teichlausitz ist ein bemerkenswerter Landstrich.
Die Teichlausitz ist ein bemerkenswerter Landstrich. FOTO: Joachim Rehle
Petershain/Rietschen. Dramatisch ist die Lage in der Teichlausitz. Die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen gefährden das Leben der Fische. Von Torsten Richter-Zippack

Den Petershainer Teichwirt Armin Kittner bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Doch nun ist alles anders: „So schlimm wie jetzt war es noch nie“, sagt er. Zwei seiner 46 Petershainer Teiche mussten bereits notabgefischt werden. Normalerweise ernten die Fischer erst ab September. Aber der Wasserstand ist dramatisch gesunken. „Um 50 bis 70 Zentimeter“, so Kittner. Zu normalen Zeiten sind die Teiche im Schnitt um einen Meter tief.

Anlass bilden die anhaltende Trockenheit sowie die hohen Temperaturen. Bereits seit Anfang April präsentiert sich das Wetter in der Oberlausitz als viel zu warm und viel zu trocken. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes war es in Sachsen im Frühjahr 2,6 Grad zu warm. Der Juni als Frühsommermonat schließt sich diesem Trend nahtlos an. Bislang ist er fast drei Grad zu warm gegenüber dem 30-jährigen Bezugszeitraum von 1981 bis 2010, hat die Station Bad Muskau gemessen. Zudem ist bis zum 19. Juni erst ein Drittel des durchschnittlichen Niederschlages vom Himmel gekommen. An der Messstation Hoyerswerda tröpfelte immerhin fast die Hälfte des Juni-Monatssolls in die Teiche. Der Juni war in der Elsterstadt bislang 3,2 Grad zu warm.

Heiße, trockene Monate sind für die Lausitzer Teichwirtschaften zwar nichts Ungewöhnliches. Doch in diesem Jahr hat sich diese Witterung  sehr zeitig eingestellt. Und der Hochsommer steht erst bevor. „Wenn ich mir den mittelfristigen Wetterbericht ansehe, habe ich kein gutes Gefühl“, resümiert Armin Kittner. Denn ein mehrtägiger Landregen, wie er jetzt zwingend vonnöten wäre, ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: „Nächste Woche gehen die Temperaturen wieder auf 30 Grad hoch. Und wir können nichts machen“, sagt der Teichwirt. Immerhin: Die Kiemenatmer aus den beiden notabgefischten Gewässern seien in andere Teiche umgesetzt oder verkauft worden. Dennoch sei für alle Fische vor allem die Gefahr des Sauerstoffmangels sehr groß. Selbst wenn die Sonne nicht scheint, gibt es für die Fischer keine Entlastung. „Dann können die Wasserpflanzen keinen Sauerstoff produzieren“, weiß Armin Kittner.

Ähnlich präsentiert sich die Situation bei der Fischzucht Rietschen. Durch die Verdunstung, so sagt Geschäftsführer Helmut Tusche, gehen den Teichen jeden Tag drei bis vier Zentimeter Wasser verloren. „Da mag man nicht daran denken, was in zwei bis drei Wochen sein wird, wenn der ersehnte Regen ausbleibt. Teilweise müssen wir unter diesen Bedingungen bereits die Fütterung der Fische einschränken, um keinen zusätzlichen Sauerstoffmangel zu erzeugen“, erklärt Tusche. Immerhin seien die Zuwächse bei den Karpfen bislang sehr ansprechend. Bleiben aber die Niederschläge aus, besteht das Risiko, alles zu verlieren, was bisher herangewachsen ist. Mehr noch: „Ich bin 46 Jahre in der Teichwirtschaft tätig, aber an solch eine frühe und lang anhaltende Trockenperiode kann ich mich nicht erinnern.“

Ebenfalls dramatisch präsentiert sich das Bild in der Teichwirtschaft Ringpfeil südöstlich von Hoyerswerda. Betreiber Karsten Ringpfeil rechnet in manchen Teichen mit dem baldigen Notabfischen, sollte es nicht bald und viel regnen. Vor einem Jahr sah es ganz anders aus. Damals gab es reichlich Wasser.

Auch die Landwirte leiden unter der Dürre. Patricia Sickert von der Viereichener Rindfleisch e.G aus Rietschen rechnet mit 50 Prozent Ernteverlusten. Etwas entspannter sieht es dagegen bei der Weißkollmer Agrarproduktions GmbH aus. Laut Geschäftsführer Lukas Beukelmann halten sich die Pflanzenverluste noch im Rahmen. „Wir hatten hier Schauer mit Niederschlagsmengen von über 40 Liter pro Quadratmeter.“ Allerdings sei die Gerste zwei Wochen früher reif als sonst. In dieser Woche haben daher die Druscharbeiten begonnen. „Wir rechnen mit kleineren Körnern“, resümiert Beukelmann.

Das trockene heiße Wetter macht auch den Lausitzer Wäldern zu schaffen. Das automatische Waldbrand-Früherkennungssystem in Hoyerswerda hat zwischen dem 1. April und dem 20. Juni sechs Rauchentwicklungen aus dem Landkreis Görlitz gemeldet. Drei Rauchentwicklungen betrafen nach Angaben von Kreissprecherin Julia Bjar Waldflächen eine Gesamtfläche von 172 Quadratmetern.