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| 17:43 Uhr

Weihnachtsmarkt
Teddybären, Dzecetko und Glühwein

Für das Abschiedsfoto winken der Weihnachtsmann und sein Wichtel mit ein paar ganz mutigen Kindern auf dem Adventsmarkt in Schleife in die Kamera. Im Hintergrund das Weihnachtsmann-Dienstfahrzeug, ein Feuerwehroldtimer.
Für das Abschiedsfoto winken der Weihnachtsmann und sein Wichtel mit ein paar ganz mutigen Kindern auf dem Adventsmarkt in Schleife in die Kamera. Im Hintergrund das Weihnachtsmann-Dienstfahrzeug, ein Feuerwehroldtimer. FOTO: Steffen Bistrosch
Schleife. Hunderte Besucher haben sich am Sonntag auf dem  Adventsmarkt in Schleife umgesehen. Von Steffen Bistrosch

Sogar der Regen hat am Sonntagnachmittag ein Weilchen Pause gemacht, damit die zahlreichen Gäste des Weihnachtsmarktes in Schleife trockenen Fußes das Festgelände zwischen Sorbischem Kulturzentrum (SKC) und Kirche erreichen konnten.

Derweil sich draußen die zahlreichen Besucher die Wartezeit auf das Dzecetko (Christkind) an den Grill- und Glühweinhäuschen oder den kleinen Ständen mit liebevollen Geschenkideen verkürzt haben, haben im SKC Erika Saecker und ihre Mitstreiterinnen vom jüngst gegründeten „Bärenfreunde Club“ aus Schleife ihren ersten großen Auftritt. Seit Juni dieses Jahres sind in emsiger Handarbeit kleine Kunstwerke aus Stoff und Plüsch entstanden, die jetzt hier im Rampenlicht stehen dürfen. So mancher Besucher staunt, wie professionell die sechs Frauen aus Schleife, Weißwasser und Umgebung inzwischen ihr Handwerk verstehen und in ungezählten Stunden mit fachkundiger Unterstützung der „Bärenmacherin“ Erika Saecker ihre eigenen Teddys basteln. Der Fantasie bei der Gestaltung der Kuscheltiere sind keine Grenzen gesetzt. Gern stehen die kreativen Damen den interessierten Betrachtern für eine Plauderei über ihr liebgewonnenes Hobby zur Seite.

Die Groß Dübenerin Erika Saecker, die im SKC einmal monatlich ihre „Puppendoktorsprechstunde“ durchführt, freut sich über das rege Interesse und hofft, dass der eine oder andere Anfang nächsten Jahres mit dabei ist, wenn sie den nächsten Workshop zur Herstellung der Teddys durchführt. Passend dazu strich das „Dzecetko“ schon einmal allen Bärenmacherinnen im SKC mit der Hand über das Gesicht. Eine stille Geste, die nach alter Tradition Gesundheit und Glück beschert. Die gleichen Wünsche empfangen die Gäste vor den Türen des SKC.

Erika Saecker und ihren Kolleginnen vom unlängst gegründeten „Club der Bärenfreunde“ in Schleife:  „Wir freuen uns, wenn wir mit Interessierten ins Gespräch kommen und über unser Handwerk berichten können“, berichtet Erika Saecker vor ihrem Besuch beim Schleifer Markt.
Erika Saecker und ihren Kolleginnen vom unlängst gegründeten „Club der Bärenfreunde“ in Schleife:  „Wir freuen uns, wenn wir mit Interessierten ins Gespräch kommen und über unser Handwerk berichten können“, berichtet Erika Saecker vor ihrem Besuch beim Schleifer Markt. FOTO: Joachim Rehle

Nach dem leisen Auftritt des Dzecetko und ihrer zwei Helferinnen warten vor allem die Kinder auf den Weihnachtsmann. So wie Eddy und Wesley, die mit ihren Eltern Sven und Cathleen Kowalick ganz gespannt sind, was der Weihnachtsmann und sein Helfer Wichtel wohl dieses Mal im Tausch gegen ein kleines Gedicht oder Liedchen in seinem Sack haben würde. Die junge Familie aus Rohne ist jedes Jahr dabei, sie findet den Weihnachtsmarkt hier im Dorf beschaulich und gemütlich. Das Wetter könnte sicher etwas weihnachtlicher sein, wünschen sie sich, aber man muss es nehmen, wie es kommt. Sie nehmen die Gelegenheit gerne wahr, um Freunde und Bekannte zu treffen und miteinander zu schwatzen.

Ähnlich empfinden Karsten Schur und seine Lebensgefährtin Nadine mit der gemeinsamen Tochter Helene. Der hier bestens bekannte Gemeindearbeiter kommt immer hierher, um das Bescherkind und den Weihnachtsmann zu sehen. Hier treffen die jungen Leute viele Bekannte aus dem Dorf, sie mögen das Flair des Marktes und nehmen es als gelungene Einstimmung auf die Weihnachtszeit. Einen ganz besonderen Wunsch haben die beiden dieses Jahr allerdings: Ihr nächstes Kind möge recht bald auf die Welt kommen. Nadine streicht sich über den runden Bauch. Wann ist denn Termin? „Gestern“, sagen die beiden wie aus einem Mund.

Als der Weihnachtsmann endlich mit seinem Dienstfahrzeug, der ehrwürdigen Traditionsfeuerwehr, anreist, bildet sich eine dichte Traube um die Hauptperson für die jüngsten Gäste, den Rauschebart. Und richtig, der Sack ist gut gefüllt, das Aufsagen eines kleinen Textes gar nicht so schwer und die Süßigkeiten sind leicht erworben. Wie nur der Weihnachtsmann die ganzen kleinen Familiengeheimnisse zu erfahren vermochte? „Der Weihnachtsmann weiß alles“, sagt er bedeutungsvoll zum Abschied und lässt die Kinder staunend zurück. Zur selben Zeit, als er mit seinem Wichtel langsam entschwindet, beginnt in der benachbarten evangelischen Kirche das alljährliche Adventssingen vor nahezu restlos gefüllten Zuschauerplätzen.

Eine Tradition in Schleife, die vom Chor und den Musikern der Kirchengemeinde unter Leitung des Kantors Björn Sobota fortgeführt wird. Der Kantor erinnert zwischen den einzelnen musikalischen Darbietungen die Anwesenden an den ursprünglichen Sinn des Weihnachtsfestes und fordert zur inneren Einkehr und Besinnlichkeit auf. Als dann draußen erneut der Regen einsetzt, tut das der weihnachtlichen Stimmung kaum Abbruch. Das Fest kann kommen, genau wie der nächste Adventsmarkt.