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| 14:56 Uhr

Aus dem Gericht
Tatort Garten: Wenn der Nachbar mit dem Axtstiel zuschlägt

Weißwasser. Ein 76-Jähriger Weißwasseraner wird vom Gericht wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Von Marlies Tieke

Die zwei Gartennachbarn Egon K.* (73 Jahre) und der Paul Z.* (76 Jahre) aus Weißwasser sind sich spinnefeind. Schon oft haben sich die beiden Senioren wegen Nachbarschaftsstreitigkeiten vor dem Zivilgericht „getroffen“. Nun hat der Streit unter „Männern“ eine neue Eskalationsstufe erreicht. Beide haben sich vor der Strafgericht in Weißwasser gegenübergestanden. Paul Z. hatte seinen Nachbarn im Oktober 2017 während einer Auseinandersetzung mit dem Gerätestiel einer Axt gefährlich am Kopf und am Knie verletzt. Dafür wurde er vor dem Amtsgericht in Weißwasser zu einer Geldstrafe verurteilt.

Verteidigung mit Axtstiel

Zum Tathergang befragt macht der 76-Jährige vor Gericht seine Aussage. Er wollte an jenem Oktobertag mit seiner Lebensgefährtin den Nachmittag in seinem Garten verbringen, gibt er zu verstehen. Doch wie schon so oft, war die Zufahrt durch das offenstehende Tor des Nachbarn blockiert. Als dieser nicht erschien, um das Tor zu schließen, sei er ausgestiegen, um es selbst zu tun.

Plötzlich und unvermittelt sei der 73-jährige Nachbar erschienen und brüllte: „Nimm deine dreckigen Pfoten von meinem Zaun!“, soll er gerufen haben. Außerdem soll er die Fäuste gegen den Angeklagten erhoben und gegen sein Schienbein getreten haben. In seiner Not holt der Beschuldigte aus dem Kofferraum seines Autos einen Stiel, der eigentlich zu einer Axt gehört. Damit habe er sich gegen die Angriffe des Nachbarn wehren wollen. Seinen Angaben zufolge habe er den Angreifer mit einem gezielten Schlag gegen Oberschenkel von weiteren Tätlichkeiten abgehalten.

„In der Rangelei ging alles so schnell. Da lag er plötzlich auf dem Boden“, schilderte der Senior weiter. Er sah, als der Nachbar wieder aufstand, dass dieser am Kopf blutete. „Wie es zu dieser Kopfverletzung gekommen ist, kann ich nicht sagen. Ich habe nur gegen den Oberschenkel geschlagen“, versichert er dem Gericht. Als K. in sein Haus ging, habe er die Polizei gerufen.

Nicht der erste Nachbarschaftsstreit

Die beiden Polizeibeamten haben vor Gericht diesen Vorfall noch gut in Erinnerung. Nicht das erste Mal sind sie in der Gartensparte in jenem Herbst dienstlich zugange. Sie kennen die Örtlichkeit – und die beteiligten Streithähne. „Zunächst haben wir einen Krankenwagen gerufen, der den Verletzten zur Versorgung ins Krankenhaus brachte“, erklärt einer der Beamten. Zudem was vorgefallen war, hätten beide Parteien widersprüchliche Angaben gemacht.

Das bestätigte sich auch im Amtsgericht Weißwasser, als der 73-jährige Geschädigte als Zeuge aufgerufen wurde. Er sei an jenem Tag kurz zuvor mit seinem Auto auf sein Grundstück gefahren. Das Tor zu diesem lässt sich nur nach außen öffnen, so dass es immer erst den Weg versperrt. Gerade, als er den Torflügel schließen wollte, hab plötzlich Z. mit seinem Auto ganz dicht davorgestanden. „Ich habe gewartet, damit er mit seinem Auto zurück fährt, um das Tor schließen zu können“ schildert er die Situation weiter.

Kurze Ohnmacht

Und Z. sei zurückgefahren, sei dann ausgesteigen und habe das Tor mit voller Wucht zuschlagen wollen. Dabei wurde K. am Finger verletzt, als er Schaden am Tor verhindern wollte. Vor Schmerz trat er Z. gegen das Schienbein. „Ich wollte gerade rein gehen, da sah ich, wie K. mit einem etwa einen Meter langen Knüppel auf mich zukommt. Ich stand also am Tor, da haute er mit dem Knüppel voll auf den Kopf.“ so seine Erinnerungen.

Aus einer kurzen Ohnmacht erwacht, stand er auf und bemerkte Blut am Kopf. Er  wollte sich an der Tonne vor dem Tor das Blut abwaschen, als er einen Schlag gegen den Oberschenkel erhielt. Infolge seiner Verletzungen musste er vier Tage im Krankenhaus verbringen, wo die Kopfwunde mit mehreren Stichen genäht werden musste. Ein paar Tage später musste er erneut ins Krankenhaus, weil die Schmerzen im Knie nicht mehr auszuhalten waren. Was folgte waren eine Operation und weitere Tage in der Klinik.

Um festzustellen, welche der beiden geschilderten Versionen zu den Verletzungen von K. passen, wurde ein Rechtsmediziner beauftragt. Dieser erläutert vor Gericht, dass die Kopfverletzung eindeutig auf einen Schlag mit einem stumpfen Gegenstand zurückzuführen ist. An einem Ende des Stieles sind sogar Gewebespuren von K. nachgewiesen worden. Die Verletzungen am Knie sind eine Folge des Sturzes und eines Schlages. Deshalb passe die Aussage eher zu der des Geschädigten.

Anklage fordert Freiheitsstrafe

Die Anklage fordert wegen gefährlichen Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Die Verteidigung fordert Freispruch, weil der Angeklagte sich in einer Situation befunden hatte, die ihm aufgezwungen worden sei. Richter Thomas Bülter vertritt die Auffassung, dass die Situation viel einfacher hätte gelöst werden können. Er verurteilte Z. zu einer Geldstrafe von 2400 Euro. Außerdem trägt er die Kosten des Verfahrens. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. *Namen geändert