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Tagebau Reichwalde rückt nach Norden

Der Tagebau Reichwalde zieht weiter in Richtung Norden. Im Hintergrund ist das Kraftwerk Boxberg zu sehen. Dieses beliefert der Tagebau hauptsächlich mit seiner Kohle.
Der Tagebau Reichwalde zieht weiter in Richtung Norden. Im Hintergrund ist das Kraftwerk Boxberg zu sehen. Dieses beliefert der Tagebau hauptsächlich mit seiner Kohle. FOTO: Christian Köhler
Reichwalde/Boxberg. Seit einer Woche läuft der Vorschnitt im Tagebau Reichwalde auf Hochtouren. Auf bis zu sechs Kilometer Breite soll der Tagebau gen Norden bis nach Haide ziehen. Christian Köhler / ckx

Volker Hänsel, Operativ-Ingenieur im Vorschnitt, erinnert sich noch gut daran, wie 1985 der Tagebau Reichwalde aufgeschlossen wurde. "Wir haben mit dem Eimerkettenbagger Es3750 1302, dem Absetzer A2RsB8800 1078 und einer Bandanlage bei Reichwalde begonnen, an die Braunkohle heranzukommen", erzählt er. Immerhin lagert der braune Bodenschatz hier in bis zu 85 Meter Tiefe. Damals schätzte man die Kohlevorräte auf etwa 430 Millionen Tonnen, heute sind es noch gut 330 Millionen Tonnen.

Bereits 1987 wurde die erste Braunkohle ins etwa sechs Kilometer entfernte Kraftwerk Boxberg geliefert. Das ist auch noch heute so. Über 13,5 Kilometer kommt die Kohle über Förderbänder ins Kraftwerk.

Inzwischen ist der Tagebau - nach gut zehn Jahren Stillstand von 1999 bis 2009 - von Reichwalde bereits bis nach Rietschen gen Osten gewandert. Dabei, so erklärt Tagebaureferent Matthias Kuhle, haben der damalige Bergbaubetreiber Vattenfall und heutige Betreiber Leag zahlreiche Probleme bewältigt, um mit dem Abbau wieder zu beginnen und nun den Aufschluss des nördlichen Abbaufeldes vorzubereiten.

Kuhle ist für die Planung rund um den Tagebau Nochten und Reichwalde zuständig, kümmert sich unter anderem um den Lärm- und den Emissionsschutz. "Der Weiße Schöps und die Teiche bei Hammerstadt mussten verlegt werden, eine Dichtwand wurde gebaut", berichtet er. Das ist aber noch nicht alles: Technische Anlagen wie etwa neue Förderbänder, die die Kohle und den Abraum bewegen, die Überführung des Schaufelradbaggers 1571 vom Tagebau Nochten zurück in den Tagebau Reichwalde, wo er einst errichtet wurde, waren für die Vorbereitung für den Aufschluss des Nordfeldes des Abbaugebietes Reichwalde nötig. "Von 2006 bis heute wurde in den Tagebau Reichwalde insgesamt eine halbe Milliarde Euro investiert", berichtet Leag-Sprecherin Kathi Gerstner.

Ende 2017 soll der Tagebau ins Nordfeld einschwenken. Um die mächtige Deckschicht über der Kohle abzutragen, ist ein Vorschnitt nötig. Deshalb hat Leag seit vergangener Woche den Vorschnittbagger in Betrieb genommen.

Während 2016 knapp 14 Millionen Tonnen Kohle vom Abbaufeld Reichwalde ins Kraftwerk Boxberg, aber auch nach Schwarze Pumpe und in geringen Mengen nach Jänschwalde gingen, "haben wir bereits 15 Millionen Kubikmeter wieder im Südfeld verkippt", berichtet Matthias Kuhle. Ein gewaltiges Dreieck ist so vor den Toren von Rietschen entstanden. "Der Absetzer 1305Es3750 wird künftig das Südfeld kontinuierlich befüllen", so der Tagebaureferent. Ab Oktober, so der 35-Jährige weiter, wolle man auf etwa sechs Kilometer Strossenlänge die Brücke F60 nach Norden rücken lassen. "Nach derzeitigem Stand wird bis zum Jahr 2040 der Tagebau Reichwalde in seiner genehmigten Größe ausgekohlt sein." Dann wird das gut 1350 Hektar große Restloch vor dem Weißkeißeler Ortsteil Haide entlang der B 115 zwischen Weißkeißel und Rietschen geflutet.

Bis dahin liegen jedoch noch jede Menge Arbeiten vor den Bergleuten. Schließlich verläuft durch das Nordostfeld des Tagebaus die Bahntrasse zwischen Cottbus und Görlitz. "Die Bahnlinie wird in der Mitte der 20er-Jahre an die B 115 verlegt", erklärt Matthias Kuhle. Im Rahmen eines Genehmigungsverfahrens, welches unter Federführung der Deutschen Bahn vollzogen wird, soll bis dahin auch geklärt werden, welchen Verlauf die Schiene in der Ortslage Weißkeißel nehmen soll. "Es gibt mehrere Varianten, entschieden ist aber noch nichts."

Ferner rückt der Tagebau immer weiter in den Truppenübungsplatz Oberlausitz (TÜP) vor. Bis 2040 muss Leag deshalb etwa 2000 Hektar dem TÜP ersetzen. "Das ist in einem Flächentauschvertrag geregelt", erläutert Kuhle. Neue Flächen erhält die Bundeswehr auf bereits rekultivierten Gebieten des Tagebaus Nochten jenseits der B 156 an der Spreestraße zwischen Boxberg und Mulkwitz. "Wir werden am Ende auch ein Teil der jetzigen Kommandantur zurückbauen müssen."

Unterdessen baut Leag die ehemaligen Tagesanlagen des Tagebaus an der Betriebsstraße zwischen der B 156 und Reichwalde zurück, da sie nicht mehr gebracht werden. Die neuen befinden sich nun am Kraftwerk Boxberg.

Weitere Fotos aus dem Tagebau Reichwalde gibt es unter www.lr-online.de/weisswasser

Zum Thema:
Der Braunkohlenplan für den Tagebau Reichwalde wurde vom sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landesentwicklung am 31. Januar 1994 genehmigt. Für den Tagebau sind die Ortschaften Mocholz/Zweibrücken, Viereichen und Altliebel umverlegt worden. Bereits zu DDR-Zeiten musste die Gemeinde Wunscha weichen.Für den Aufschluss des Nordost-Abbaufeldes muss die Bahnstrecke Görlitz-Cottbus-Berlin an die B 115 verlegt werden. Damit wird die Ausdehnung des heutigen Tagebaus vervierfacht. Gleichzeitig soll die Dichtwand, die entlang der Hammerstädter Teiche errichtet wurde, in den kommenden Jahren noch weiter nach Norden gebaut werden. Geplant ist der Abbau der Kohle bis ins Jahr 2045. (ckx)