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Tagebau Nochten beeinträchtigt Dorfleben

Trebendorf. Der Immissionseinfluss des Tagebaus Nochten auf Trebendorf und Mühlrose steigt, je näher der Bergbau den Ortschaften kommt. Derzeit macht die Entfernung zwischen Schaufelradbagger und Wohnbebauung 2100 beziehungsweise 2150 Meter aus. Gabi Nitsche

In vier Jahren ungefähr, wenn die Kohle unmittelbar vor Trebendorf abgebaut wird, trennen Grube und Waldweg lediglich 300 bis 350 Meter. Bei zwei Gehöften schmelze die Distanz auf gerade mal 200 Meter, räumt Tagebau-Referent Mathias Kuhle ein.

Eins davon bewohnt Familie Radtke. Uwe Radtke redet sich seit Jahren den Mund fusselig, fordert mehr Schutz. So wie es derzeit sei, könne nicht die Rede von Lebensqualität sein, hat er schon mehrmals betont. "Wir greifen die Idee von Bürgermeisterin Kerstin Antonius auf und bilden eine Arbeitsgruppe Immissionsschutz und haben uns als Unternehmen dazu bekannt", so Referent Kuhle. "Im kleinen Kreis wollen wir konstruktiv Möglichkeiten abwägen, sehen, was ist machbar, was nicht."

Uwe Radtke, der auch Mitglied des Trebendorfer Gemeinderates ist, sollte in diesem Gremium mitarbeiten. "Wir suchen den Konsens", so Leag-Umweltexperte Jens Höhna.

Er ist derjenige, der heute in der Trebendorfer Einwohnerversammlung die Messergebnisse der Lärm- und Staubimmissionen im Jahr 2016, die vom Tagebau Nochten auf Trebendorf und Mühlrose Auswirkungen hatten, vorstellt. Nach den Diskussionen in den vergangenen Ratssitzungen, als es um die aktuellen Beeinträchtigungen auf das Dorf ging, zu urteilen, könnte es heiß zugehen. Denn die Trebendorfer sind von bisherigen Messergebnissen nicht überzeugt. Ihr Empfinden, was Lärm und Staub angeht, sei anders als die bis dato präsentierten wissenschaftlichen Ergebnisse, die von externen Gutachterfirmen ermittelt wurden.

Hinzu komme, dass von 2017 noch keine aktuellen Lärm-Messergebnisse vorliegen und die vom zweiten Halbjahr 2016 verfälscht seien, wie Mathias Kuhle sagte. Denn im vorigen Jahr stand erst die Förderbrücke F 60, die lauteste Quelle im Tagebau, von Juli bis Oktober still wegen umfassender Reparaturarbeiten. Von Oktober bis Dezember gab der Vorschnittbagger keinen Ton von sich - ebenfalls wegen Reparaturen. Der Gutachter habe keine Chance gehabt, so Jens Höhna, beide Geräte und deren Auswirkungen während des Tagebaubetriebes zu messen. So stehen in Mühlrose am Nochtener Weg ermittelte 38,5 Dezibel (gemessen wird zu unterschiedlichen Zeiten in der Nacht) im ersten Halbjahr 32,2 im zweiten Halbjahr gegenüber. Für Trebendorf am Waldweg 18 waren das 39,5 und 38,2. Wobei Jens Höhna aufgrund seiner Erfahrungen annimmt, dass dort Werte um 40 Dezibel realistisch seien. Zum Vergleich führt Höhna Werte aus dem Alltag an: Blätterrascheln 20 dB, Unterhaltung 50 bis 60, Lärm an einer Hauptverkehrsstraße 70 bis 80, und wenn ein Lkw vorbeifährt 90 dB. In einer Disko seien es bis zu 110 dB. Wer einen Benzinrasenmäher bedient, dem dringe ein Schallpegel von 85 Dezibel ans Ohr.

Auf die Forderung von Trebendorf, es nicht bei zwei Lärm-Messstellen zu belassen, wolle die Leag eingehen. 2018 sollen zwei weitere eingerichtet werden, so Höhna. Mehr Informationen gibt es heute:

Einwohnerversammlung, 18 Uhr, Gaststätte Kastanienhof.