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"Tagebau-Lärm ist extrem"

Der aktive Tagebau Nochten. Ob nach dessen Auskohlung Schluss ist mit dem Bergbau oder Braunkohle auch aus dem Abbaufeld II gefördert wird, will die Leag im zweiten Quartal 2017 entscheiden. Die potenziellen Umsiedler in den Dörfern wollen endlich Klarheit.
Der aktive Tagebau Nochten. Ob nach dessen Auskohlung Schluss ist mit dem Bergbau oder Braunkohle auch aus dem Abbaufeld II gefördert wird, will die Leag im zweiten Quartal 2017 entscheiden. Die potenziellen Umsiedler in den Dörfern wollen endlich Klarheit. FOTO: ni
Trebendorf. Lärm kann krank machen. Gemeinderat Uwe Radtke fürchtet sich genau davor. Der Krach, der Tag und Nacht vom nahen Tagebau Nochten in die Ohren der Anwohner vom Waldweg dringe, sei extrem. Gabi Nitsche

"Die Schutzpflanzungen zeigen wenig Wirkung, das habe ich schon zig Mal kritisiert, und die Abholzungen sind sehr weit fortgeschritten." Aber nichts passiere, um die Trebendorfer Bürger, die an der Tagebaukante leben, wirklich zu schützen. Seit etlichen Jahren fordern die Anwohner Hilfe, machen auf die Situation aufmerksam, aber es würde nicht wirklich Abhilfe geschaffen werden. Ratskollege Frank Gärtig, der ebenfalls in dem Bereich in Trebendorf zuhause ist, kann das nur bekräftigen. "Am Wochenende stand der Wind vermutlich so ‚gut'. Ich hab bei mir jedes Wort, das in der Grube gesprochen wurde, verstanden." Das könne und wolle niemand akzeptieren. Jeder Mensch müsse irgendwann zur Ruhe kommen, so Radtke weiter, ob Erwachsene oder Kinder. Aber das gelinge ihm nicht in etwa anderthalb Kilometer Entfernung zum Tagebau, sagte dieser am Mittwochabend in der Trebendorfer Ratssitzung. Die Situation sei einfach unerträglich.

In Klein Trebendorf sei es zum Teil noch krasser, empfindet Tilo Niemz. "Ich verlasse mich nicht mehr auf die Messergebnisse der Leag, und bezweifle, dass die 45 Dezibel eingehalten werden", kritisierte er. Denn noch im April 2016 bei der letzten Einwohnerversammlung hieß es seitens Leag (damals Vattenfall): "Die gesetzlichen Richtwerte werden eingehalten." Die RUNDSCHAU bezog sich auf Aussagen von Fachmann Jens Höhna, und der hatte die Ergebnisse ausgewertet, die die bundesweit agierende externe Firma Akustik Labor aus Berlin nach ihren Messungen vorgelegt hatte.

Niemz plädierte am Mittwochabend dafür: Die Gemeinde sollte sich eigene Messtechnik anschaffen. "Ob wir damit durchkommen?" Diesbezüglich werde sich Bürgermeisterin Kerstin Antonius (Wählervereinigung) an das Sächsische Oberbergamt werden, sagte sie. Denn es sei fraglich, ob diese Messergebnisse dann überhaupt anerkannt werden. Im Technischen Ausschuss soll das weitere Vorgehen beraten werden. Für den Zeitraum April/Mai kündigte sie die nächste Einwohnerversammlung an zu verschiedenen Themen, die die Trebendorfer beschäftigen. Die Leag würde dann auch die aktuellen Lärmschutzmessungen vorstellen. Sie erwartet von Leag-Verantwortlichen, dass diese den Einwohnern auch Rede und Antwort stehen.

Zum Thema:
An sieben Punkten am Tagebau Nochten wird der Lärm überwacht, davon an je einer Stelle in Trebendorf und MühlroseDie 2014 gemessenen Werte in Mühlrose betrugen 40,6 und 36,6 dB(A), im Jahr darauf 43,1 und 34,3. Am Waldweg: 35 und 29,4 dB in 2014 sowie 35,6 und 33,4 dann 2015. Um den Lärm zu mindern, seien 2014 und 2015 verschiedene technische Maßnahmen ergriffen worden: Zum Beispiel wurden Antriebe von Vorschnittbaggern und Antriebsstationen der Bandanlagen gekapselt, gemäß dem Stand der Technik neue Getriebe an der Abraumförderbrücke eingesetzt oder auch lärmgeminderte Tragrollen an Bandanlagen eingebaut. Akustische Kommandos und Signale werden auf Forderung der Weißwasseraner zwischen 21 und 6 Uhr weitgehend vermieden. Ausgenommen ist aus arbeitsrechtlichen Gründen der Grubenbetrieb. In diesem Jahr soll ein neues Kopfband, das in Betrieb geht, ebenfalls mit lärmgeminderten Tragrollen ausgestattet werden.