Das Thermometer zeigt 1004 Grad Celsius an. Der Holzbrandofen hat also schon ordentlich Fahrt aufgenommen. Doch so richtig glücklich ist Töpfermeister Udo Hirche nicht. Es ist zu regnerisch, einfach zu feucht. Der Ofen zieht nicht richtig, kritisiert der erfahrene Handwerker.

Der Ofen ist ein bisschen wie eine Diva. Nur wer ihn richtig behandelt, der kommt auch zum Ziel... Dafür darf man das zehn Jahre alte Stück auch nicht allzu lange aus den Augen lassen, ständig braucht er Futter. Am besten einheimische Kiefer. „Schön trocken muss sie sein, dann brennt es auch“, erzählt Udo Hirche.

Denn es fehlt noch ein Bisschen was, bis der Ofen seine richtige Betriebstemperatur erreicht hat. Bei 1320 Grad Celsius fallen die „Haifischzähne“. So sehen zumindest die Segerkegel aus. Es sind Prüfkörper zur Bestimmung der Feuerfestigkeit. Sie sind im gesamten Ofen verteilt. „Deshalb ist auf sie mehr Verlass, als auf das Thermometer, das nur an einem Punkt misst“, weiß Juniorchef Kurt Hirche.

Nicht umsonst wird bei der Arbeit am Ofen sehr aufgepasst. Darin steht die Produktion von rund drei Wochen. Geht irgendwas schief, war alles umsonst. Viel Arbeit, aber kein Geld.

Zeit der Märkte beginnt wieder

Wenn es aber klappt, dann müssen sich Hirches selbst überraschen lassen. Denn im Ofen passieren Dinge, die die Handwerker nicht beeinflussen können. So gebe es jedes Mal neue Muster bei den Glasuren. „Alle Stücke sind Unikate“, erklärt Udo Hirche. Diesmal stehen besonders viele Pflanzschalen im Ofen. Schließlich klopft der Frühling an die Tür und die Handwerker hoffen, somit den richtigen Absatz erreichen zu können.

Denn Zeit wird’s , dass die Saison der Märkte wieder beginnt, wo auch Hirches ihr Geld verdienen müssen. Mit dem Tag der offenen Töpfereien, an dem sich sachsenweit 70 Betriebe beteiligen, starten die Selbstständigen sozusagen in ihr neues Verkaufsjahr. Wer an diesem Samstag und Sonntag (14./15. März) die Keramikwerkstatt an der Schulstraße ansteuert, der kann den Männern über die Schultern sehen, wie sie die Holzofenkeramik auspacken. Bis dahin ist der Ofen gut verschlossen und hat hoffentlich sein Werk erfolgreich beendet.

Handwerk verwandelt Ton

Derweil die Pizza auf dem Holzofen warm gehalten wird, weil noch Holz nachgelegt werden muss, entstehen nur einen Steinwurf weiter in der Werkstatt die Markenzeichen Hirches: Das Feldblumendekor kommt auf die Töpfchen, Vasen und Tassen. Das schlesische Dekor wie es auch oft heißt, sei aber nichts Altbackenes, findet Udo Hirche, auch wenn es sein Vater von damaligen Chef zur Hochzeit geschenkt bekommen hat. „Die Feldblumen sind zeitlos. Die Kundschaft weiß das zu schätzen.“ Auch die aus Wernigerode oder Bautzen oder Görlitz oder Rietschen – nur einige der Stationen von rund 20 Märkten, bei denen Hirches präsent sind. Geht die Arbeit am Holzofen zwischen Vater und Sohn auch ohne viel Worte vonstatten, braucht es auf dem Markt das Gegenteil

„Aus nüscht machen wir was“, sagt Udo Hirche und meint damit, dass die Arbeit mit einem unscheinbaren Klumpen Ton beginnt. Dieser stammt übrigens vom Großhändler aus dem Westerwald. Hirches geht es dabei um die gleichbleibende Qualität. Schließlich sollen ihre Waren lange halten, den Frost und den Geschirrspüler überstehen.

Die Töpfer laden Samstag und Sonntag ein


Töpferei im Pücklerpark, Claudia und Gordon Gran im Schlossvorwerk: Kinderbasteln, Schnupperkurs an der Töpferscheibe, Kaffee und Kuchen, Grammophon-Musik.

Keramikwerkstatt Hirche in Sagar: Kaffee und Kuchen, Führung, Vorführung von Scheibentöpfern und Bemalung in Feldblumendekor.

Töpferei Kathrin Najorka in Krauschwitz: Führung durch die Werkstatt, dabei wird der Weg des Tones bis zum fertig gebrannten Topf gezeigt.

Töpferhof Severine Meißner in Trebus: Schlesisches Braunzeug wird auf der Töpferscheibe gedreht, lehmglasiert und im Freifeuerofen gebrannt. Führungen durch die Töpferei.

Töpferei Ines Herack in Horka: Führungen, Vordrehen

Der Töpfermarkt am 29. März auf dem Erlichthof in Rietschen ist der erste in Sachsen im Jahreslauf.