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| 12:41 Uhr

Biosphärenreservat
Tadschike wird in Förstgen Schäfer

Am 1.März hat Vladislav Bosert mit seiner Lehre zum Schäfer in der Naturschutzstation Östliche Oberlausitz begonnen. Dass das Tausende Kilometer von seiner Heimat möglich wurde, verdankt er  vor allen der Leiterin der Station Annett Hertweck (l.) sowie Schäferin und  Ausbilderin Meike Biskop (r.).
Am 1.März hat Vladislav Bosert mit seiner Lehre zum Schäfer in der Naturschutzstation Östliche Oberlausitz begonnen. Dass das Tausende Kilometer von seiner Heimat möglich wurde, verdankt er vor allen der Leiterin der Station Annett Hertweck (l.) sowie Schäferin und Ausbilderin Meike Biskop (r.). FOTO: Bernhard Donke
Förstgen . Eigentlich wollte Vladislav Bosert Dolmetscher werden. Nun arbeitet er seit eineinhalb Jahren in der Naturschutzstation „Östliche Oberlausitz“. dort hat er jetzt eine Lehre begonnen. Von Bernhard Donke

Vladislav Bosert aus der zentralasiatischen Republik Tadschikistan ist ein aufgeschlossener, fröhlicher Mann. Der 22-Jährige hat am 1. März dieses Jahres eine dreijährige Lehre zum Schäfer in der Naturschutzstation „Östliche Oberlausitz“ in Förstgen begonnen.

Hierher ist Vladislav Bosert, der in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe geboren wurde und aufgewachsen ist, im Jahr 2016 gekommen. In der Naturschutzstation absolvierte er ein   Freiwilliges Ökologisches Jahr – das ging allerdings eineinhalb Jahre. Das ermöglichten der Internationale Bund Löbau und das Engagement der Leitung der Naturschutzstation.

Eigentlich wollte Vladislav Bosert Dolmetscher werden. Deshalb studierte er Germanistik in seiner Heimatstadt. „Um meine  Deutsch-Sprachkenntnisse  zu verbessern und um auch einmal  das Land dieser Sprache  kennenzulernen, meldete ich mich für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr nach Deutschland“, sagt er. Dafür musste er aber seine Familie mit seinen drei jüngeren Schwestern in Duschanbe zurücklassen. Ein Schritt, den er trotzdem bis heute nicht bereut hat. „Nein wirklich, hier in Förstgen bin ich sehr freundlich und aufgeschlossen aufgenommen worden. Ich habe schnell den Kontakt zu meinen Mitarbeitern  gefunden und auch die Unterkunft im Schüler-Hostel-Mücka ist sehr gut“, sagt er.

  Schnell lebte er sich hier ein, sicher auch, weil er nicht der einzige junge Tadschike in Förstgen war. Zwei weitere  junge Männer aus seinem Heimatland sind hier seine Mitstreiter, die wie er besonders in der Landschaftspflege im Biosphärenreservat arbeiteten.

„Die Arbeit hat mir gefallen. Es lebt sich gut hier, auch wenn  in Förstgen und Mücka nicht so viel los wie bei uns in Duschanbe.“ Klar, Duschanbe ist die größte Stadt im Lande, der politisch-kulturelle und wirtschaftliche Mittelpunkt.

Zudem liegt die tadschikische Hauptstadt im herrlich grünen His­sartal in circa 840 Meter Höhe am Rande des Hissargebirges mit seiner 4643 Meter höchsten Erhebung. „Wir haben in Dushanbe Kontinentalklima, dass heißt im Sommer ist es heiß und trocken, im Winter dagegen feucht-kalt. Also ein bisschen ein anderes Wetter als hier in Deutschland. Aber ich habe mich sehr gut daran gewöhnt, dass es hier etwas kühler ist – wie auch an die meist sehr üppige und waldreiche Natur und das etwas andere Essen“, erzählt der 22-Jährige.

Während seiner  Arbeit in der Landschaftspflege ist Vladislav Bosert häufig auch mit der Moorschnucken-Herde der Naturschutzstation, die von Schäferin Meike Biskop betreut wird und ebenfalls in der ökologischen Landschaftspflege im Biosphärenreservat eingesetzt wird, beschäftigt gewesen.

„Mir hat die Arbeit in der Landschaftspflege sehr gut gefallen. Noch besser gefiel mir aber, wenn ich bei Meike Biskop in der Schäferei mitarbeiten konnte. Die Arbeit mit den Tieren in der freien Natur hat mir gefallen. Auch zu den Tieren habe ich eine besondere Beziehung gewonnen. So kam in mir der Wunsch auf, das Schäferhandwerk hier zu erlernen. Dabei ist mir bewusst, dass dieses kein leichtes ist. Es besteht nicht nur aus dem Hüten der Schafe in freier Natur, sondern oft aus körperlich schwerer Arbeit“, sagt Vladislav Bosert. Und fügt an: „Schafe und Schafzucht sind auch in meiner Heimat sehr präsent.“

„Wir waren sehr überrascht, dass sich Vladislav für diesen Beruf entschied und hier bei uns eine Lehre zum Schäfer aufnehmen wollte“, sagt Annett Hertweck die Leiterin der Naturschutzstation Östliche Oberlausitz. Sie hat sich sofort mit den zuständigen Behörden in Verbindung gesetzt, die ihr Anliegen auch sehr unterstützten. „Ja, es wurde uns sehr schnell und vor allen unbürokratisch geholfen, sodass Vladislav am 1. März eine dreijährigen Lehre zum Schäfer beginnen konnte. Dabei hat er sicher sehr gute Voraussetzungen  und eine sehr gute Ausbilderin mit Meike Biskop, die ebenfalls bei uns das Schäferhandwerk erlernt hat“, sagt  Annett Hertweck.

So wird er bei Schäferin Meike Biskop und ihrer Herde den praktischen Teil seiner Lehrausbildung absolvieren. Und sie benötigt tatsächlich gleich dringend seine Hilfe:  „Jetzt ist Lammzeit bei den Schafen,  da wird jede Hand dringend gebraucht. Da kommt seine Hilfe gerade zur rechten Zeit und er bekommt gleich den richtigen Einblick in das Handwerk eines Schäfers. Wobei ich schon nach den ersten Tagen seiner Ausbildung  sagen kann, dass er sich sehr talentiert anstellt und keine Arbeit scheut“, sagt Meike Biskop.

Den theoretischen Teil seiner Ausbildung wird der junge Tadschike an  der Berufsbildenden Schule „Carl Wentzel“  in Halle absolvieren. Wie es dann nach seiner Lehre weiter geht, das kann Vladislav Bosert noch nicht sagen. „Ich hoffe ja, dass ich die Lehre erfolgreich abschließen werde. Dann werde ich weiter sehen, ob  es hier für mich Arbeit gibt oder ob mich das heimatliche Hissartal und die  Berge des Hissargebirges mit ihren grünen Weiden locken werden“, sagt er gelassen.