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| 17:51 Uhr

Strukturwandel
Weißwasser wartet auf Entscheidungen

 Torsten Pötzsch
Torsten Pötzsch FOTO: Christian Köhler
Weißwasser. Weißwasser geht bei der Ansiedelung neuer Arbeitsplätze oder Institutionen wieder leer aus. Ein neues Ausbildungszentrum für Lehrer geht nach Löbau, Institute kommen nach Görlitz. Kohle wird dort aber nicht gefördert. Von Christian Köhler

Inzwischen kann Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) Emails, die er für die Landesregierung in Dresden vorbereitet hat, einfach erneut senden, ohne etwas daran zu ändern. „Die Unterlagen zum Bahnhof etwa habe ich schon gefühlt 50 Mal nach Dresden geschickt“, erzählt er. Allein, getan hat sich bislang noch nichts.

Seit Jahren wartet die Stadt auf Unterstützung für die Sanierung des Einganges zur Stadt. Die Eigenmittel, die Weißwasser für die Sanierung aufbringen muss, sind in der Zeit von 1,2 auf 1,8 Millionen Euro gestiegen. Hinter vorgehaltener Hand sagen einige Weißwasseraner, man werde dafür bestraft, den Bahnhof gekauft zu haben. Denn weil er im Eigentum der Stadt ist, ist es nicht mehr Sache der Deutschen Bahn, das Gebäude auf Vordermann zu bringen. Die Bahn hat aber immerhin angekündigt, 15 Bahnhöfe im Freistaat zu sanieren. Städte wie Zittau, Görlitz oder Löbau sind darunter.

Standort Görlitz soll gestärkt werden

Während Görlitz durch den Kreistagsbeschluss das zugesagte Kohlegeld zum Teil auch ins neue Landratsamt steckt – Kostenpunkt: mehr als 52 Millionen Euro –, ist erst Mitte Juli eine Absichtserklärung zwischen Siemens, dem Freistaat Sachsen und der Fraunhofer-Gesellschaft unterzeichnet worden. Ziel ist es dabei, den Standort Görlitz langfristig zu stärken und den Strukturwandel in der Lausitz zu unterstützen, heißt es aus Dresden. Dabei sollen auf dem Siemens-Werksgelände in Görlitz ein Innovationscampus und „Start-Up-Accelerator“ entstehen. Die Absicht dabei ist es, weitere Technologie- und Industrieunternehmen, Start-ups sowie Forschungsinstitute anzusiedeln.

Löbau erhält Ausbildungszentrum

Auch die Stadt Löbau kann sich noch über eine weitere Entscheidung des Sächsischen Kultusministeriums freuen: Minister Christian Piwarz (CDU) eröffnet am heutigen Donnerstag eine Lehrerausbildungsstätte in Löbau. „Die zukünftigen Grundschullehrer sollen in der Nähe ihrer Schule, wo sie gebraucht werden, lernen. Wir wollen damit junge Pädagogen frühzeitig an die Region binden“, begründet Piwarz die Entscheidung.

Im Leipziger Revier übrigens soll in Torgau ein Glascampus entstehen. Das vom Landkreis Nordsachsen initiierte Weiterbildungsprojekt will der Freistaat mit 420 000 Euro unterstützen. Einen entsprechenden Beschluss hat Anfang Juli das Kabinett gefasst. In Torgau sollen praxisnahe, an den Bedarfen der Unternehmen der Glas-,­ Keramik- und Baustoffindustrie ausgerichtete Weiterbildungsmaßnahmen angeboten werden.

Entschieden ist für Weißwasser noch nichts

Und in der Glasmacherstadt Weißwasser? „Wir sind immer noch in Wartestellung“, wiederholt Torsten Pötzsch gebetsmühlenartig. Bislang sei nichts Konkretes in Aussicht gestellt worden. „Wir haben etliche Gespräche geführt, vor Ort etwa die ehemalige Glasfachschule mit Interessenten besichtigt, die sich als Behörden- oder Bildungsstandort eignen würde“, erzählt Pötzsch. Das Objekt ist auch in die Maßnahmeliste der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung aufgenommen worden. Eine Behördenansiedlung sei dabei in Aussicht gestellt worden – eine erste Idee habe sich bereits zerschlagen, erfährt die RUNDSCHAU. Entschieden sei in der Sache aber noch nichts.

„Ich gönne den anderen ostsächsischen Städten die angekündigten Vorhaben“, sagt Torsten Pötzsch, „aber man muss auch an die Kernbetroffenheit des Lausitzer Reviers denken.“ Daran habe der Weißwasseraner Stadtchef erst Anfang der Woche im Gleichklang mit Landrat Bernd Lange (CDU) an die Verantwortlichen bei einer Sitzung in Hoyerswerda appelliert. Gemeinsam mit den Kreisen Bautzen und Görlitz sowie der Stadt Hoyerswerda will Weißwasser Mitsprache – und auch bedacht werden.

Vonseiten der Staatskanzlei hieß es auf Nachfrage, der Kohleausstieg sei ein langfristiges Projekt und bislang, so Bernhard Waldau, „gibt es noch nicht einmal ein Bundesgesetz“. Weißwasser müsse sich noch also noch gedulden.