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| 17:26 Uhr

Eishockey-Standort Weißwasser
Füchse fordern Leistungszentrum vom zugesagten Kohlegeld

 Das Torwart-Training von Sebastian Elwing (hier im Jahr 2017), hat immer großen Zulauf an Nachwuchstalenten.
Das Torwart-Training von Sebastian Elwing (hier im Jahr 2017), hat immer großen Zulauf an Nachwuchstalenten. FOTO: Christian Köhler
Weißwasser/Dresden. Der Geschäftsführer der Lausitzer Füchse, Dirk Rohrbach, befürchtet sonst, sich vom leistungsorientierten Nachwuchseishockey in Weißwasser verabschieden zu müssen. Von Christian Köhler

Dirk Rohrbach ist umtriebig. Mit dem Eishockey in Weißwasser ist er so eng verbandelt, wie viele andere in der Stadt. Gern wird der Sport in Weißwasser genutzt, um die Stadt zu präsentieren. Die Füchse sind auch Botschaftter der Lausitz. In Weißwasser selbst ist Eishockey aber auch ein Reizthema. Viele befürchten – das ist im Kommunalwahlkampf deutlich geworden, dass der Eishockeysport die Stadt zu viel kostet, andere Sportarten und Vereine hinten runterfallen.

Immer mehr Talente verlassen den Fucksbau

Trotzdem treibt die jüngste Entwicklung dem Füchse-Boss die Sorgenfalten auf die Stirn. Immer mehr Talente verlassen den Eissport Weißwasser (ESW). Ein Trend, der sich in den vergangenen Jahren anbahnte, sich nunmehr fortsetzt und wohl nur noch schwer zu stoppen ist. „Wir können die jungen Talente aus der Stadt nicht halten, weil sie anderswo, etwa in Dresden, Chemnitz oder Crimmitschau, viel bessere Rahmenbedingungen haben“, sagt Rohrbach. Sportschule, Internat, Betreuer und mehrere Eisflächen bieten Möglichkeiten der Nachwuchsförderung, die Weißwasser nicht hat – aber einstmals hatte. Nur mit Hilfe der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (WBG) ist es gelungen, zumindest Wohnungen für den Nachwuchs bereitszustellen. 100 000 Euro hat sich das der Verein kosten lassen.

Rohrbach: „Wir fordern ein Leistungszentrum für den Eishockeysport in Weißwasser.“

„Nur weil wir im ländlichen Raum sind, darf das kein Nachteil für die Jugend sein“, argumentiert Dirk Rohrbach. Er fordert: „Im Zuge des Strukturwandels muss in Weißwasser ein Eissport-Leistungszentrum aufgebaut werden.“ Kommt dies nicht, „müssten wir dann in absehbarer Zeit unsere Satzung ändern und uns vom leistungsorientiertem Nachwuchseishockey verabschieden.“ Das wolle niemand in Weißwasser, weshalb sich Rohrbach und der gesamte Vorstand des ESW für das Vorhaben einsetzen wollen. Das sei freilich nicht von heute auf morgen umsetzbar, „aber mir ist lieber, es spielen Weißwasseraner im Profiteam und wir halten die Jugend in der Stadt, als Spieler von anderswo ins Profiteam zu holen“, unterstreicht Rohrbach.

Viele Argumente sprechen für die Lausitzer Füchse

Und die Argumente für ein solches Zentrum nennt Rohrbach auf RUNDSCHAU-Nachfrage postwendend: „Wir sind ein riesen Image-Faktor für die Stadt und die Lausitz. In der vergangenen Saison besuchten 75 000 bis 80 000 Fans, Gäste und Zuschauer die Eisarena. Unser Club ist damit auch ein Wirtschaftsfaktor und Steuerzahler für die Stadt.“ Außerdem könnte so ein Weg gefunden werden, mehr Jugendliche in der Stadt und der Region zu halten. Ferner könnte gemeinsam mit der bestehenden Museumslandschaft kooperiert und ein Eishockeymuseum aufgebaut werden. „Denn es schauen sich jetzt schon viele Touristen in der Arena um“, erklärt der Füchse-Geschäftsführer.

Kontakt zur Staatsregierung aufgenommen - die ist aufgeschlossen

Schon vor Monaten habe Rohrbach und der Vorstand vom ESW deshalb Kontakt zur sächsischen Landesregierung aufgenommen, ein grobes Konzept vorgestellt. Und immer wieder auf die zugesagten Strukturhilfen verwiesen. Das Bundeskabinett immerhin hatte in dieser Woche einen entsprechenden Gesetzesvorschlag auf den Weg gebracht. Laut Rohrbach habe der Revierbeauftragte der Staatsregierung, Dr. Stephan Rohde, das Konzept vorliegen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) findet den Vorschlag für ein Leistungszentrum sehr interessant. Der Eishockeysport begeister viele tausend Menschen in der Region. Nur durch das große Engagement vieler Unternehmen und Ehrenämtler ist der große sportliche Erfolg möglich. „Wie ein Leistungszentrum aussehen kann, muss im Detail besprochen werden. Aber die Idee ist gut und Unterstützenswert“, erklärt Regierungssprecher Ralph Schreiber auf Nachfrage.

Eisarena ist Weißwasser derzeit nicht nutzbar

Was aber könnte das Leistungszentrum in Weißwasser kosten? „Zahlen kann ich noch nicht nennen, aber Fakt ist, es muss etwas passieren.“ Denn die derzeitigen Bedingungen sind alles andere als gut. Den Sommer über ist die Eisarena wegen Wartungsarbeiten geschlossen. Die Stadtverwaltung hatte nach der Errichtung der Arena 2013 einen Planungsfehler festgestellt, der nun behoben wird. „Eine Nutzung durch Vereine ist nicht vorgesehen“, erklärte Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) auf Nachfrage. Der Stadtrat habe, so Pötzsch weiter, 2018 im Rahmen der höheren Gebührenfestsetzung und der Einsparungsdiskussion im Haushalt die Schließung der Arena über den Sommer befürwortet. ESW-Chef Bernhard Stefan erklärt dazu gegenüber der RUNDSCHAU: „Wir stehen nun mit mehr als 200 Kindern und Jugendlichen ohne entsprechende Trainingsmöglichkeiten da.“ Und das sei ein „Unding“. ESW-Vorstand Jan Garreis betont, dass man schließlich Leistungssport betreibe, „und da kann man nicht im Freizeitpark nur ein paar Klimmzüge machen.“

Entsprechend Abhilfe könne da ein Leistungszentrum schaffen, was mittels Strukturhilfen errichtet wird. „Wir benötigen dringend ein richtiges Internat. Wir haben keine eigene Sporthalle, Athletiktraining findet mitunter im Ring der Eishalle statt“, so Rohrbach. Der Strukturwandel gebe dem Verein und der Stadt finanzielle Möglichkeiten, weiter zu investieren. „Einmal abgesehen von einer Sporthalle würde zum Beispiel eine zweite Eisfläche nicht nur unserem Nachwuchs helfen, sondern allen: Hobbyteams und Freilauf bekämen attraktiver Eiszeiten.“

 Dirk Rohrbach ist Geschäftsführer der Lausitzer Füchse
Dirk Rohrbach ist Geschäftsführer der Lausitzer Füchse FOTO: Thomas Heide