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| 12:05 Uhr

Zur Jahreshauptversammlung der Feuerwehr in Weißwasser
Strukturwandel trifft die Wehr hart

 Gerd Preußing, stellvertretender Kreisbrandmeister, und Frank Loff sind seit 40 Jahren aktiv in der Feuerwehr.
Gerd Preußing, stellvertretender Kreisbrandmeister, und Frank Loff sind seit 40 Jahren aktiv in der Feuerwehr. FOTO: Christian Köhler
Weißwasser. Der neugewählte Wehrleiter sieht die Tagesbereitschaft in Gefahr. Die Weißwasseraner Wehr feiert 130. Geburtstag. Von Christian Köhler

Nachdem bereits am Ende des vergangenen Jahres Marcel Nestler ganz offiziell zum Leiter der Feuerwehr Weißwasser ernannt und als Mitarbeiter der Stadtverwaltung eingestellt wurde, haben die Kameraden der Weißwasseraner Wehr ihn nun auch zum Wehrleiter gewählt. „Ich freue mich über das mir entgegen gebrachte Vertrauen“, sagt Marcel Nestler nach seiner Wahl in Richtung der freiwilligen und hauptamtlichen Kameraden. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Sven Müller hofft er nun, dass die Wehr nach einem bewegten Jahr 2018 wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt.

2018 nämlich ist gerade für Sven Müller ein Auf und Ab gewesen. Nachdem Marcel Nestler Anfang des Jahres kommissarisch die Wehrleitung von Gerd Preußing – er ist nun beim Landkreis stellvertretender Kreisbrandmeister – übernommen hat und sein Engagement Mitte des Jahres ohne Nachfolge auslief, stand Sven Müller alleine da. „Ich möchte mich ausdrücklich bei ihm und bei Marcel Nestler bedanken“, richtet sich Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) an die Kameraden. Der OB hatte nämlich ein gutes halbes Jahr qua Amt die Wehrleitung in Weißwasser inne.

Trotz dieser schwierigen Bedingungen auf Führungsebene sind die Weißwasseraner Feuerwehrleute im vergangenen Jahr 253 Mal ausgerückt und haben dabei 1668 Einsatzstunden abgeleistet. „Der Schwerpunkt lag bei Hilfeleistungen, immerhin 153 Einsätze“, zählt Marcel Nestler auf. Neben 15 Verkehrsunfällen und sieben Wasserschäden rückte die Stadtwehr aber auch 37 Mal wegen Sturmschäden aus. Zudem stehen 41 Brände im Bericht zum Einsatzgeschehen, wovon neun als Großbrände bezeichnet werden müssen. „Zu den wohl spektakulärsten Einsätzen gehört sicher der Großbrand im Tagebau Reichwalde“, hält Marcel Nestler fest. Über vier Tage beteiligten sich die Weißwasseraner mit teilweise drei Einsatzfahrzeugen am Löscheinsatz. „Es ist wichtig, dass wir unsere hauptamtlichen Käfte haben“, konstatiert der Wehrleiter, „denn sie sind es, die das Tagesgeschäft für die Ehrenamtlichen übernehmen“. Zu den Kameraden mit den meisten Einsätzen und Stunden gehören Hans-Dieter Fuchs als Zentralist und Robert Ehmann, Andreas Hanl sowie Ronny Hentschel als ausrückende Kräfte.

„Ihr macht hier oben im Landkreis einen wichtigen Job und zählt zu den fünf Säulen im Kreis“, stellt auch Kreisbrandmeister Björn Mierisch klar. Vorbildlich sei seiner Ansicht nach die Leistungen im vorbeugenden Brandschutz – was vor allem Armin Freitag verantwortet – „sowie auch die Dienste und die Zusammenarbeit mit den umliegenden Wehren“, ergänzt Gerd Preußing, der nur zu gut die Zerreißproben von 2018 der Wehr kennt, die er einst verantwortete.

Trotz des Lobes bleiben aber enorme Herausforderungen, denn der in diesen Wochen allgegenwärtige Strukturwandel macht auch vor der Feuerwehr nicht halt – und das seit Jahren. Strukturwandel, so Marcel Nestler, findet nämlich seit 1990 in der Region statt. Wenn es nämlich keine Lösungen für neue, tarifgebundene Arbeitsplätze nach der Kohle gibt, „wird es so sein, dass wieder fähige Kameraden abwandern müssen, die wir mit Herzblut ausgebildet haben“, konstatiert er. Schon jetzt sei es so, dass junge Kameraden nach der Lehrzeit weggingen. „Wir sind als Feuerwehr an unserer Leistungsgrenze“, konstatiert der Stadtwehrleiter. Der Personalstamm sei seit Jahren unter der geforderten Mindestbesetzung. Zwar zählt die Wehr 60 aktive Mitglieder, allerdings sind nur 45 davon im Ausrückedienst. Davon wiederum sind 43 Einsatzkräfte in der Woche verfügbar, 33 davon arbeitsbedingt nur teilweise. Ständig und sofort zur Verfügung stehen der Wehr im Ernstfall 16 Einsatzkräfte, davon sind fünf hauptamtlich und fünf als Mitarbeiter der Stadtverwaltung beschäftigt.

Es gibt aber auch Positives zu vermelden: 2018 konnten sieben neue Kameraden aufgenommen werden, nur vier sind ausgeschieden. Die Jugendfeuerwehr ist mit 35 Mitgliedern ebenso wie die Alters- und Ehrenabteilung mit 15 Mitgliedern stabil geblieben. In Sachen Ausbildungen konnten im vergangenen Jahr 3227 Stunden gezählt werden, „besonders aktiv dabei waren Andreas Hanl, Sven Müller, André Warmschmidt und Markus Kania“.

Und auf ein Jubiläum in diesem Jahr macht Jörg Lübben, Vorsitzender des Fördervereins der Wehr aufmerksam: „Wir feiern in diesem Jahr 130 Feuerwehr Weißwasser“, berichtet er. Das sei etwas ganz Besonderes, „denn keine andere Einrichtung in Weißwasser hat so vieles überstanden wie die Feuerwehr“.