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| 14:16 Uhr

Heimatgeschichte
Strommangel ließ Grubenbaue absaufen

Die Verladeanlage der Grube Hermann mit dem Gleisanschluss in den dreißiger Jahren. Hier befindet sich heute das Museum der Waldeisenbahn.
Die Verladeanlage der Grube Hermann mit dem Gleisanschluss in den dreißiger Jahren. Hier befindet sich heute das Museum der Waldeisenbahn. FOTO: Friedemann Tischer
Weißwasser. Die Grube Hermann bei Weißwasser als größte der Arnimschen Kohlewerke begann vor 110 Jahren ihre Arbeit. Friedemann Tischer

Im Jahr 1908, also vor nunmehr 110 Jahren, begann die Grube Hermann nördlich von Weißwasser mit den ersten Erschließungsarbeiten ihre Tätigkeit. In der sogenannten Hermann-Mulde erfolgte dann ab 1910 der Abbau der Braunkohle im Tage- und Tiefbau. Dieser Mulde folgten im Laufe der Zeit noch acht weitere, die ihre Namen nach Repräsentanten der von Arnimschen Familie, nach den angrenzenden Baumbeständen oder in Form von Nummern erhielten. So gibt es die Adolf-Mulde, die Alexandra-Mulde, die Birken- und die Erlen- Mulde und auch die Mulden IV und V, welche man heute noch bei einer Waldbahnfahrt nach Kromlau einsehen kann.

Die Grube Hermann war die größte der Graf von Arnimschen Kohlewerke, zu denen ab 1913 auch die Grube Caroline II nordöstlich von Weißwasser, ab 1921 die Grube Adolf bei Halbendorf und ab 1928 die Grube Sophie bei Groß Düben gehörten.

Der Abbau erfolgte bis zu einer Tiefe von 20 Meter im Tagebau und bis maximal 80 Meter im Tiefbau. Die vier Gruben förderten Anfang der 1930er-Jahre zusammen jährlich 453 000 Tonnen im Tage- und Tiefbau, wobei der Anteil der Grube Hermann am größten war.

In der seit 1911 betriebenen Brikettfabrik nördlich von Weißwasser konnte die Rohbraunkohle zu Briketts weiterverarbeitet werden. Gleis­anschlüsse zum Bahnhof Weißwasser und an die Waldeisenbahn am heutigen Museum wurden in dieser Zeit geschaffen.

Eine Reihe von Werkshäusern für die Bergleute und Angestellten prägen noch heute das Stadtbild vom alten Weißwasser.

Einschneidend waren die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges, an dessen Ende der Grubenbetrieb fast völlig zum Erliegen kam. Bedingt durch den Strommangel konnten die Grubenbaue nicht mehr entwässert werden und ersoffen. In mühevoller Arbeit wurde nach Kriegsende und nach der Enteignung der Arnimwerke der Betrieb teilweise wieder aufgenommen, bis dann im April 1946 die Reparationskommandos kamen und die Gruben, die Bahnen und die Brikettfabrik nahezu vollständig demontierten.

Durch diesen herben Schlag war es umso schwieriger, die Förderung der für die hiesige Industrie so wichtigen Braunkohle am Leben zu erhalten. Dies gelang mit höchster Anstrengung der Bergleute und die Mulden IV und V förderten noch bis 1959. Die mittlerweile zum Braunkohlenwerk Frieden gehörenden Grubenbaue stellten dann die Förderung der Tage- und Tiefbaue der ehemaligen Grube Hermann ein, da im Bereich der Trebendorfer Felder effektiver abgebaut werden konnte.

Noch heute sieht man die Restlöcher der Grube Hermann im Bereich zwischen der Straße Weißwasser-Bad Muskau bis hin zum Kromlauer Weg. Diese Restlöcher bergen nach wie vor große Gefahren, da insbesondere an deren Nordseite die ehemaligen Tiefbaubereiche liegen, wo auch heute noch Tagesbrüche nicht auszuschließen sind. Der jetzt so benannte Smaragdsee ist übrigens keine Braunkohlengrube. Hier wurde für die Ziegelei in Weißwasser Ton abgebaut.

Empfehlenswert sind ein Besuch der sehr guten Sonderausstellung zum Wirken der Familie von Arnim im Schloss von Bad Muskau und auch des Waldbahnmuseums in Weißwasser in der Teichstraße, wo auch weiterführende Literatur zur Geschichte des hiesigen Braunkohlenbergbaus erhältlich ist. Das Museum der Waldeisenbahn ist an diesem Sonnabend und Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.