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| 16:47 Uhr

Dürre und Hitze
Stress-Bäume werfen ganze Äste ab

Aufgrund der extremen Trockenheit ist von diesem Silberahorn ein gewaltiger Ast abgebrochen. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden.
Aufgrund der extremen Trockenheit ist von diesem Silberahorn ein gewaltiger Ast abgebrochen. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Bad Muskau/Kromlau/Nochten. Besondere Vorsicht sollten Parkbesucher jetzt walten lassen. Denn an durstigen Gehölzen können dicke Äste abbrechen. Von Torsten Richter-Zippack

Der Knall muss laut gewesen sein. Von einem stattlichen Silberahorn unweit der Bad Muskauer Orangerie ist vor Kurzem ein dicker Ast abgebrochen. „Einfach so, ohne jede Vorwarnung“, sagt Parkdirektor Cord Panning. „Es handelt sich um Trockenheitsabbrüche“, erklärt der Experte. „Die gestressten Gehölze amputieren sich quasi selbst. Damit reduzieren sie ihre Laubmasse.“ Wahrscheinlich, so sagt Panning ironisch, müsse man Baumpsychologe sein, um zu verstehen, wann welcher Ast abbricht. Dieses Phänomen, das sich nicht auf eine Baumart beschränkt, sei wissenschaftlich noch nicht vollständig erforscht. Wind sei dafür jedenfalls nicht erforderlich. Es reiche eine lang anhaltende Trockenheit, um die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses zu erhöhen. Pro Monat gebe es Muskauer Park zwei bis drei solcher Fälle.

„Wir haben an den Infotafeln Hinweise angebracht, welche auf die Gefahren hinweisen“, sagt Cord Panning. Er empfiehlt allen Besuchern, stets auf den Wegen zu bleiben. Die Astabbrüche würden vom Gesetzgeber als höhere Gewalt beurteilt. Mehr noch: Die allermeisten Altgehölze im Muskauer Park gelten ohnehin als vorgeschädigt. Grund bilden die bis heute vorhandenen Schäden durch die Kämpfe am Ende des Zweiten Weltkrieges.

Seit Kurzem weist die Parkleitung auf die drohenden Gefahren im Park hin. Besucher sollten die öffentlichen Wege nicht verlassen.
Seit Kurzem weist die Parkleitung auf die drohenden Gefahren im Park hin. Besucher sollten die öffentlichen Wege nicht verlassen. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Im Vergleich zu anderen Gegenden der Lausitz geht es dem Muskauer Park in Bezug auf das Wasserangebot allerdings noch relativ gut. Grund bildet die Lage auf feuchteren Standorten im Neißetal. Auch die von dichtem Laubwald bestandenen Hänge des Bergparks bieten noch ausreichend Nass. An weniger privilegierten Orten gibt es aber bereits Hitze- und Trockenschäden, wie Holger Daetz, Betriebsleiter des Parks, anmerkt. „Wiesen sehen vertrocknet aus und wachsen schlecht nach.“ Selbst die Wege litten unter den aktuellen Extrembedingungen. „Wenn Feuchtigkeit fehlt, wird das Splittermaterial quasi zermahlen, und es beginnt höllisch zu stauben“, erklärt Daetz.

Laut Cord Panning seien seine Mitarbeiter unermüdlich im Einsatz, um den Muskauer Park möglichst glimpflich über die Trockenheit zu bringen. Über die Verlagerung der Arbeitszeit können Blumen, Stauden und Gehölze regelmäßig gewässert werden. Und Holger Daetz ergänzt: „Die entsprechenden Wassermengen zählen wir nicht. Es sind aber drei Fahrzeuge unterwegs, die im Schnitt 1,3 Kubikmeter Wasser befördern und acht Mal pro Tag betankt werden. Das sind in Summe zwischen 30 und 35 Kubikmeter täglich. Hinzu kommen weitere zehn Kubikmeter durch die stationäre Bewässerung in der Schlossgärtnerei.“

Besonderes Augenmerk gilt auch den 30 bis 40 pro Jahr neu gepflanzten Bäumen, die die Parkverjüngung fortführen. „Schließlich definiert sich unser Ensemble durch diese Gehölze“, erklärt Cord Panning. Daher werden auch sie regelmäßig bewässert. Die Pflanzungen in der Schlossgärtnerei werden indes stetig gegossen. Nicht zu vergessen sind die vielen Kübelpflanzen, die ebenfalls wesentlich mehr Nass benötigen, da sie keinerlei Möglichkeit haben, Wasser außerhalb ihres Containers zu nutzen.

Übrigens: Die angenehmsten Parkbereiche während der großen Hitze sind für Cord Panning die Buchenbestände im Bergpark, in denen ein kühleres Klima herrscht. Darüber hinaus existieren auch im Schlosspark mehrere Bucheninseln, wo sich ähnliche Effekte einstellen.

Erstaunlich, so Cord Panning, sei, dass sich die Leute kaum von den hohen Temperaturen von Parkbesuchen abhalten ließen. „Vielleicht kommen sie gerade jetzt, weil es so reizvolle und etwas kühlere Orte bei uns gibt“, vermutet der Parkdirektor.

Im Kromlauer Park werden die neu gepflanzten Gehölze ebenfalls täglich gewässert. „Betroffen sind beispielsweise die Bereiche am Inselteich sowie die Gehölze am Springbrunnen“, sagt Silke Krüger von der örtlichen Tourist-Information. Sorgen bereite allerdings der Kromlauer Badeteich. „Dort ist das Wasser bereits um einen halben Meter zurückgegangen“, weiß Krüger. Sie berichtet von einem Besucherrückgang im Park. „Das ist im Hochsommer normal.“

Für das Team des Findlingsparks Nochten bedeutet die lange Trockenheit eine „echte Herausforderung“, wie es Sprecherin Anita Schwitalla formuliert.  Die Gärtner beginnen bereits um 4.30 Uhr mit dem Wässern. Daher konnten bislang größere Schäden verhindert werden. Da Not erfinderisch macht, haben die Gärtner eine zusätzliche Beregnungsanlage aus alten Feuerwehrschläuchen verlegt. Schließlich benötigt allein jeder Baum 30 bis 40 Liter Wasser täglich.

An den extremen Hitzetagen kommen zwar weniger Gäste nach Nochten. Dennoch haben in diesem Jahr bereits gut über 30 000 Menschen das Ensemble besucht. Diese Zahl sei ähnlich hoch wie in den vergangenen Jahren.

Eine runde Summe hat das Thermometer am Weißwasseraner Ärztehaus am Mittwochnachmittag in der Lutherstraße angezeigt. Diese Hitze bereitet der Vegetation erhebliche Probleme.
Eine runde Summe hat das Thermometer am Weißwasseraner Ärztehaus am Mittwochnachmittag in der Lutherstraße angezeigt. Diese Hitze bereitet der Vegetation erhebliche Probleme. FOTO: Torsten Richter-Zippack