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| 13:40 Uhr

Aus dem Gericht
Frau provoziert auf Männer-WC Schlag ins Gesicht

FOTO: LR / Janetzko, Katrin
Weißwasser. Widersprüchliche Aussagen führen dazu, dass ein Verfahren gegen einen 19-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung eingestellt wird. Von Marlies Tieke

20 Stunden gemeinnützige Arbeit sind die Folgen einer tätlichen Auseinandersetzung während der Kneipennacht in Weißwasser im vergangenen Jahr. Das Gerichtsverfahren gegen ihn wurde eingestellt. Denn die Aussagen der Geschädigten Marie S.* stimmten mit denen der geladenen Zeugen und des Angeklagten Maik T.* nicht über.

Ort des Geschehens ist die Kentucky-Bar am Turnerheim gewesen. Der Angeklagte T. suchte gegen Mitternacht die Toilette auf, als ihm eine junge Frau auf dem Männer-WC begegnete. Seinem Hinweis, dass sie hier nichts zu suchen habe, folgte wenig später eine lautstarke Auseinandersetzung vor der Bar.

„Die Frau kam wütend auf mich zu und hat mich an die Brust gestoßen“, berichtet der 19-Jährige dem Gericht. Es sei dann alles so schnell gegangen, weil er sich gewehrt hat. Von den Verletzungen bei S. – eine leichte Schwellung im Gesicht durch den Schlag und Verletzungen im Innenbereich der Wange – habe er gehört und deshalb später versucht über einen Täter-Opfer-Ausgleich Kontakt zu ihr aufzunehmen. Bereits an dem Abend wollte er sich bei ihr entschuldigen, hatte sie aber danach nicht mehr gesehen.

Die Geschädigte war als Zeugin geladen und schildert dem Gericht ihre Version. Mit ihren Freundinnen war sie gerade mit dem Shuttle-Bus in der Kentucky-Bar angekommen, als sie sofort die Toilette aufsuchen wollte. Weil sie vor der Frauentoilette hätte warten müssen, ging sie schnurstracks eine Tür weiter. „Der Angeklagte hat mich angemacht, wieso ich aufs Männerklo gehe und mir in den Rücken getreten, als ich am Waschbecken stand“, so ihre Aussage.

Richterin Sibylle Adamsky weist an dieser Stelle die Zeugin darauf hin, dass es eine „Frage des Anstandes“ ist und man halt wartet, bis man auf die Frauentoilette kann. Außerdem bedeutet es eine gewisse Provokation für manche Männer, wenn auf der für sie vorgesehenen Örtlichkeite Frauen auftauchen, so die Richterin weiter. An jenem Abend aber fühlte sich die 22-Jährige offenbar angegriffen, sodass sie anschließend aufgebracht nach draußen ging und es dort zu dieser Auseinandersetzung kam.

Als weitere Zeugen kommen die Freundinnen von S. zu Wort. Sie bestätigen, dass S. bei der Ankunft in der Bar zur Männertoilette durchmarschierte und sie dort deswegen angesprochen worden sei. Auch den lautstarken Streit danach beschreiben sie. Doch keine hatte den Schlag ins Gesicht gesehen, auch nicht den Tritt in den Rücken, obwohl die eine Freundin vor der Toilette wartete und durch die offen stehende Tür Einsicht hatte.

Als der Angeklagte die eine Zeugin fragt, ob sie denn mitbekommen hatte, dass er sich bei S. entschuldigen wollte, antwortet diese eindeutig mit „Ja!“. Sie selbst hatte sogar versucht, ihre aufgebrachte Freundin zu beruhigen. Zu den Verletzungen befragt, bestätigen sie, dass S. an der Lippe verletzt war und blutete.

Aufgrund der verschiedenen Versionen zum Tathergang regte die Staatsanwaltschaft an, das Verfahren einzustellen. Das Gericht folgte diesem Vorschlag, weil der Angeklagte T. sich einsichtig zeigte und sich nach der Tat gleich entschuldigen wollte. Als erzieherische Maßnahme muss er 20 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

⇥*Namen geändert