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| 17:29 Uhr

Anradeln
Strampelnd durch die Kulturlandschaft

Der Pulk der rund 40 Radfahrer setzt sich vom Weißwasseraner Marktplatz aus in Richtung Rietschen in Bewegung. Ziel ist die Heide- und Teichlandschaft. Das Wetter ist für diese Tour geradezu ideal.
Der Pulk der rund 40 Radfahrer setzt sich vom Weißwasseraner Marktplatz aus in Richtung Rietschen in Bewegung. Ziel ist die Heide- und Teichlandschaft. Das Wetter ist für diese Tour geradezu ideal. FOTO: Ingolf Tschätsch
WEISSWASSER. Rund 40 Teilnehmer vollziehen mit einer Tour in den Geopark Muskauer Faltenbogen den Start in die diesjährige Fahrradsaison. Die Strecke führte von Weißwasser über Reichwalde nach Rietschen. Auch polnische Radler waren dabei.

Der Weißwasseraner Marktplatz am Sonnabend kurz vor 9 Uhr. In gut einer Stunde soll hier das große Anradeln starten. Die vier Partner – Stadt Weißwasser, Barmer, Zweiradfachhandel Schmogrow und der Unesco Global Park Muskauer Faltenbogen – haben zu einer knapp 40 Kilometer langen Tour in die Heide- und Teichlandschaft des Geoparks nach Rietschen eingeladen. Noch ist es ruhig. Aber halt, da taucht schon eine gute alte Bekannte von diversen Lauf- und Radveranstaltungen in der Region auf – die Gablenzerin Brigitte Zinke. Sie ist die erste Teilnehmerin des um 10 Uhr beginnenden Events. „Ich bin deswegen etwas eher gekommen, weil ich mir bei Schmogrow für mein Fahrrad noch eine Satteldecke und einen Gepäckhalter kaufen möchte“, erzählt die 77-Jährige. Die heutige Strecke nach Rietschen sei für sie überhaupt keine Problem, denn: „Ich bin es ja gewohnt, habe an fast allen Sternradfahrten des Landkreises teilgenommen. Mir macht es einfach Spaß.“

Der fitten Seniorin wird bei Schmogrow geholfen genauso wie den anderen Pedalrittern, die vor der Fahrt dort noch schnell ihren Drahtesel von den beiden Mechanikern Michael Eppendorf und Marcel Radisch kostenlos durchchecken lassen wollen. So wie Ehepaar Guse aus Weißwasser. „Mein Mann hat zwar mein Gefährt überprüft, aber wir wollen sicher gehen“, meint Monika Guse. Die beiden sind ausgesprochene Freizeitradler. Touren in der Region wie rund um den Bärwalder See, auf dem Frosch- oder Neißeradweg oder noch weiter weg, seien keine Seltenheit. Dann würden die Räder einfach auf den Auto-Heckträger geladen und los geht es. „105 Kilometer haben wir auch schon geschafft“, erzählt die Weißwasseranerin. Ihr Alter von 68 Jahren und das ihres Mannes Kurt von sogar 76 Jahren sieht man dem Paar nicht an. Radfahren hält offenbar jung.

Inzwischen treffen auf dem Marktplatz immer mehr Tourteilnehmer ein. Ernst und Eveline Döring sind aus Forst nach Weißwasser gekommen. „Bis 50 Kilometer, das schaffen wir noch“,  erklärt die Frau aus der Neißestadt. „Radfahren geht noch, Wandern eher nicht mehr“, fügt sie lachend hinzu. Die beiden sind wie Brigitte Zinke und viele andere, die dabei sein wollen, keine Anfänger im Sattel mehr. In der Mehrzahl sind es rüstige Senioren, die die Bewegung lieben und durch diese sportliche Betätigung etwas für ihre Gesundheit tun wollen. So wie auch der 69-jähriger Peter Sievers und der 66-jährige Bernd Verworner, beide aus der Großen Kreisstadt.

Ein Pkw mit polnischem Kennzeichen erregt die besondere Aufmerksamkeit. Der junge Mann, der gerade die Fahrräder vom Heckträger hebt, ist Robert Szczepaniak. Wie er auf Deutsch erzählt, haben er und seine Frau Katarzyna auf der Homepage des Geoparks Muskauer Faltenbogen – der sich bekanntlich zu gut einem Drittel auch östlich der Neiße erstreckt – von dieser Veranstaltung erfahren und wollten mitmachen. Deshalb haben sie sich ins Auto gesetzt und sind die 50 Kilometer von ihrem Wohnort Ruszów nach Weißwasser gefahren. Beide sind ebenfalls keine heurigen Hasen in Sachen Radeln. Der junge Pole Robert lobt hier seine Katarzyna, die 3000 Kilometer in den letzten Jahren - oder war es gar in einem Jahr ? - in den Radfahrer-Beinen hat.

Mittlerweile sind auch Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) und Nancy Sauer, Leiterin der Geschäftsstelle des Unesco Global Geoparks Muskauer Faltenbogen in Döbern, eingetroffen. Sie begrüßt die Gäste  und informiert sie über die Einzelheiten der Tour, die über Reichwalde nach Rietschen entlang des Tagebaues Nochten führt. Dabei geht es hinein in das in der Saalekaltzeit entstandene Urstromtal des Oberlausitzer Heide- und Teichgebietes.

Dann setzt sich der Pulk von rund 40 Radlern in Bewegung. Eine mehr als 1000 Jahre alte Kulturlandschaft erwartet sie. Dazu lacht die Sonne vom Himmel - ein gelungener Start in die diesjährige Fahrradsaison ist vollzogen.

Michael Eppendorf (l.) und Marcel Radisch von Zweirad Schmogrow checken auf Wunsch kurz vor der Tour die Fahrräder von Tourteilnehmern durch.
Michael Eppendorf (l.) und Marcel Radisch von Zweirad Schmogrow checken auf Wunsch kurz vor der Tour die Fahrräder von Tourteilnehmern durch. FOTO: Ingolf Tschätsch