Ein hartes Stück Arbeit hat vor dem Jugendschöffengericht in Weißwasser gestanden. Der 19-Jährige Martin K.* hat gleich in mehreren Fällen die Görlitzer Staatsanwaltschaft auf sich aufmerksam gemacht. Einige Verfahren gegen ihn, so führt es die Vorsitzende Richterin Sibylle Adamsky während der Verhandlung in Weißwasser aus, „sind ja noch gar nicht eröffnet“.

Zunächst aber hat sich K. wegen drei Anklagen zu verantworten. Die wohl schwerwiegendste dreht sich um einen Vorfall in Bad Muskau, der sich im März in den nächtlichen Stunden abgespielt haben soll. Stark alkoholisiert soll der Angeklagte die Wohnung des Vaters und der Stiefmutter betreten und dort herumgebrüllt haben, führt Oberstaatsanwältin Peggy Brosin aus. K. habe die Herausgabe des elterlichen Autos gefordert, um seine Schwester und seine Mutter in Chemnitz zu besuchen.

Angeklagter 19-Jähriger hat große Erinnerungslücken

„Ihm fehlen große Teile in der Erinnerung“, erklärt Verteidigerin Doreen Lohnhardt. Der Angeklagte selbst will sich zunächst nicht äußern. „Er hat das ganze Haus zusammen gebrüllt“, berichtet die Stiefmutter im Zeugenstand. Sie war es auch, die in jener Nacht die Polizei gerufen hatte, weil sich K. einfach nicht beruhigen ließ und nach dem Verlassen der Wohnung erneut zu später Stunde klingelte. „Wir haben nur sehr schwer verstanden, was er überhaupt wollte“, berichtet sie weiter, „aber die Autoschlüssel haben wir ihm nicht gegeben.“

Der Polizist, der in jener Nacht vor Ort gewesen war, berichtet, „dass eine normale Gesprächsführung überhaupt nicht möglich war“. Schon beim ersten Besuch hatten die Beamten dem Alkoholisierten einen Platzverweis ausgestellt. „Beim zweiten Besuch haben wir ihn dann mitgenommen, um den Verweis auch durchzusetzen“, erinnert sich der Polizist.

Noch im Polizeirevier in Weißwasser hatten die Beamten Mühe, den 19-Jährigen in die Zelle zu bringen. Mit geballter Faust soll er die Ordnungshüter bedroht haben. „Deshalb haben wir Pfefferspray eingesetzt“, schildert der Polizist die Vorgehensweise. „Ich denke, er hat genau verstanden, wo er sich befindet“, sagt ein weiterer Polizist, „und ehrlich gesagt, nüchtern hatten wir bislang noch nichts mit ihm zu tun.“

19-Jähriger springt unvermittelt vor ein Auto

Nüchtern haben ihm zwei Polizisten auch nicht nach dem Park- und Blütenfest in Kromlau angetroffen. Weil er ohne Licht mit dem Fahrrad in Gablenz unterwegs gewesen war, haben ihn die Ordnungshüter angehalten und kontrolliert. „Er war aggressiv“, berichtet ein Beamter im Zeugenstand, „also eigentlich wie immer.“ Was sich aber während der Kontrolle abspielte, habe der Ordnungshüter so noch nicht von dem Jugendlichen erlebt. Unvermittelt nämlich sei K. auf den zweiten Beamten gestürmt. Habe ihn schlagen wollen, was der zweite Polizist nur durch einen Schubser verhindern konnte.

Noch während ihn die Beamten zur Rede stellen, rennt der Angeklagte plötzlich auf die Straße. „Nur mit Glück konnte der Kraftfahrer noch bremsen und ausweichen“, so der Polizist. Auch dazu wollte sich K. nicht äußern. „Tatsächlich aber, das muss ich schon sagen, ist er einige Tage später auf dem Revier erschienen, um sich bei uns zu entschuldigen“, erklärt der Polizist dem Gericht.

Nach Unfall mit dem Fahrrad blutüberstömt geflüchtet

Ein drittes Vergehen des Beschuldigten hatte sich im September des vergangenen Jahres zugetragen. Damals ist ein Pkw über die Bahnhofsbrücke in Weißwasser gefahren. K. hatte sich zu diesem Zeitpunkt mit dem Fahrrad auf dem Fußweg befunden. „Er fuhr auf die Straße und ich überholte ihn. Als ich an der Ampel hielt, hörte ich einen lauten Knall“, berichtet der Autofahrer vor Gericht. Offenbar ist K. mit voller Wucht auf das Auto aufgefahren, hat dort nach Angaben einer Autowerkstatt rund 800 Euro Schaden am Firmenwagen hinterlassen.

Blutüberströmt soll er sich in einem anliegenden Imbiss kurz gewaschen haben, um dann mit seinem Fahrrad von dannen zu fahren. „Noch während wir den Unfall aufgenommen haben, hat er sich vom Rettungsdienst nicht helfen lassen und sich aus dem Staub gemacht“, erzählt ein hinzugerufener Polizist.

Einige Tage später hat ein Ladeninhaber an der Bautzener Straße das Fahrrad und K. wiedererkannt und die Polizei verständigt. So sind die Beamten überhaupt nur des Unfallverursachers habhaft geworden. Offenbar soll K. auf sein Handy geschaut und keine funktionstüchtigen Bremsen gehabt haben, hieß es.

Staatsanwaltschaft fordert ein Gutachten über den 19-Jährigen

Während K. die ganze Verhandlung über kaum etwas zu den Vorwürfen sagt, berichtet seine Verteidigerin, darüber, dass ihre Mandant unter Defiziten leide – wie etwa ein Aufmerksamkeitsdefizit und eine Hyperaktivitätsstörung. Auch die Staatsanwaltschaft fordert ein Gutachten zum Angeklagten. Dem wiederum folgt das Jugendschöffengericht. Schließlich, so die Richterin, stünden noch weitere Verfahren gegen K. an.

* Name von der Redaktion geändert