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Strafe für ein blaues Auge

Rietschen/Weißwasser. Mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung und einer empfindlichen Geldstrafe ist für Marko T.* der Schlag ins Gesicht seines ehemaligen Nachbarn Tino B.* in dessen Wohnung in Rietschen bestraft worden. Marlies Tieke / mtk1

Der daran beteiligte Paul G.* ist mit einer Verwarnung und einer Geldstrafe noch einmal glimpflich davongekommen. Hintergrund der Körperverletzung sei eine Drogengeschichte gewesen. Aber von Anfang an.

An einem Junitag des vergangenen Jahres wurde die Polizei in den frühen Morgenstunden nach Rietschen gerufen. Zwei Frauen hatten eine lautstarke Auseinandersetzung in der Nachbarwohnung mitbekommen und die Polizei verständigt. Als die Beamten ankamen, hätten sie eine ganze Weile warten müssen, bis Tino B. die Tür öffnete. "Er wirkte benommen und war äußerlich im Gesicht verletzt", schildert der Beamte jetzt vor Gericht und betont, dass der Geschädigte zuerst nicht sagen wollte, was vorgefallen war und woher er das blaue Auge hatte.

Kurze Zeit später seien zwei Männer erschienen, die von den Nachbarinnen als diejenigen erkannt wurden, die zuvor in den Räumlichkeiten des mutmaßlichen Opfers Tino B. gewesen waren. Beide seien stark alkoholisiert gewesen. Und einer der beiden, Marko T., habe gleich zugegeben, dass er dem Geschädigten "eine reingedrückt hat".

Der Alkoholtest, den die Polizei durchgeführt hatte, ergab bei dem 30-jährigen Tino B. einen Wert von 2,84 Promille und bei dem 20-jährigen Paul G. 2,08 Promille. Das bestätigt das Gutachten, welches dem Gericht vorlag.

Auch vor Gericht gesteht Marko T. gleich zu Beginn seiner Aussage: "Das blaue Auge hat er von mir!" Er fügt aber hinzu, dass der andere zuerst zugeschlagen habe. In jener Nacht sei er mit seinem Kumpel Paul auf einer Feier gewesen, "als mir die blödsinnige Idee kam, zu Tino zu gehen, um ihn wegen seiner Drogengeschichten zu warnen". Als ehemaliger Nachbar von Tino B. habe er ihn deswegen nur zu gut gekannt.

Inzwischen aber habe Tino B.s jüngerer Bruder die Wohnung übernommen, habe laut Marko T. ebenfalls Drogenprobleme. Allerdings habe Tino B. nicht gewollt, dass sich Marko T. mit seinem Bruder unterhält. Das habe er trotzdem gemacht: Vom Alkohol "gestärkt", habe er ihn aufsuchen wollen, um ihn die Drogen auszureden. In der Wohnung sei es dann aber zur Auseinandersetzung gekommen, weil Tino B. gleich ausgetickt sei, "als ich ihm damit drohte, seine Drogengeschäfte auffliegen zu lassen und die Polizei darüber zu informieren". Nach einem Schlag auf die Schulter "schlug ich zurück und traf ihn am Auge", danach hätten sie die Wohnung wieder verlassen.

Marko T.s Kumpel, Paul G., sei an den Schlägen nicht beteiligt gewesen. Paul G. bestätigt den Tathergang vor Gericht und erklärt, er habe Tino B. nur festgehalten, als dieser aus seiner Wohnung fliehen wollte.

Tino B. selbst schildert die Ereignisse in seiner Wohnung etwas anders: Er habe geschlafen, als es morgens gegen drei Uhr an seiner Wohnung klingelte. "So wie die Tür auf war, waren sie in meiner Wohnung drin. Was sie von mir wollten, weiß ich nicht." Von Marko T. sei er gleich angegriffen und in die Wohnung bis zur Couch gedrückt worden. Dort habe er versucht, auf ihn einzuschlagen. Durch seine Abwehrversuche seien beide auf den Couchtisch gefallen. "Als ich mich losgemacht hatte und aus meiner Wohnung abhauen wollte, hielt mich Paul fest." Die anschließenden Schläge durch Marko hätten ihn mehrmals im Gesicht getroffen. "Ich habe nicht zugeschlagen", unterstreicht Tino B..

Das Gericht folgt in der Urteilsfindung der Aussage von Tino B.. Die Angreifer hätten das Überraschungsmoment ausgenutzt und so Tino B. in seiner Wohnung überwältigt. Auch wenn beide vor der Urteilsverkündung betonten, dass ihnen die Sache leidtue und so etwas nie wieder vorkommen werde, war diese gemeinschaftliche Handlung eine schwere Körperverletzung, die im Erwachsenenstrafrecht grundsätzlich mit einer Freiheitsstrafe geahndet wird, so das Gericht in seiner Begründung.

Marko T. wurde zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung für zwei Jahre und einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt. Paul G., als Heranwachsender, hatte sich der Beihilfe schuldig gemacht und erhielt dafür eine Verwarnung sowie eine Geldstrafe von 300 Euro. Außerdem tragen beide die Kosten des Verfahrens.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. *Name geändert