ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:45 Uhr

ich kaufe regional
Stoffbeutel und Kisten gegenden Verpackungswahn

Schleife/Weißwasser. Händler und Kunden in Schleife und Weißwasser stellen sich dem Thema Umweltschutz pragmatisch.

Das Thema Verpackungswahn beschäftigt Ingrid Roßmej (64) in ihrem Landwarenhaus Schleife schon lange. „Ich finde, ich müsste den Umweltpreis von Sachsen bekommen. Denn ich vermeide doppelten Müll. Ich sammle alle Plastiktüten von Bekleidungsware, in der meist auch noch ein Blatt Papier zwischen gelegt ist. Fein säuberlich werden Plastiktüten und Papier unter dem Ladentisch deponiert. Meine Verkäuferinnen sind auch schon davon angesteckt und machen mit. Auf Wunsch könnten die Kunden auch eine Plastiktüte bei mir kaufen. Doch meistens möchten sie die Verpackung vom Ladentisch, die ich dort horte. So hatte ich früher sechs gelbe Säcke und heute nur noch einen mit Plastikmüll“, sagt Ingrid Roßmej. Beipackzettel werden bei ihr zerschnitten und so hat sie immer Notizzettel.

Gekaufte Ware verstauen Kunden öfters auch im eigenen Stoffbeutel, ohne Verpackung. „Oft wird die Ware einfach zu viel verpackt. Wenn es beispielsweise sechs Teile sind, dann reicht eine Verpackung für alles und nicht jedes Stück einzeln verpackt. Das ließe sich sparen“, ist Ingrid Roßmej überzeugt.

Auch im Schreibwarengeschäft Schreib-Chic von Simone Blasek ist Verpackungsmüll immer wieder Thema. „Wir sprechen unsere Kunden an, ob sie die Verpackung mitnehmen möchten. Oft haben sie einen Beutel dabei und verzichten auf Plastik oder Pappe. Die guten Füller zum Beispiel sind schon einzeln verpackt, aber das ist auch wichtig, damit sie nicht kaputt gehen. Ansonsten klappt das Verpackungsmüllsparen bei uns gut, wir haben sehr verständnisvolle Kundschaft“, erzählt Karin Kürth aus dem Geschäft an der Saschowa-Wiese.

„Diesem Umweltwahnsinn müssen wir entgegenwirken, so weit wir es können. Wir kaufen beispielsweise Gemüse und nehmen meist keinen Beutel dazu. Ansonsten haben wir immer einen Rucksack oder einen Stoffbeutel dabei. So wird auch zu Hause der Müll weniger, jeder sollte dazu beitragen, der Umwelt zuliebe“, sagen Stefanie Rodig (26) und Susanne Lemke (33) aus Weißwasser.

Anja Gebert (37) aus Weißwasser hat jederzeit ihr Auto mit Tragetaschen voll und eine große Handtasche, sodass sie neuen Plastikmüll vermeidet. Sie arbeitet beim Bäcker und auch dort halten Kunden meist schon ihren mitgebrachten Stoffbeutel für die Brötchen auf. Auf Wunsch können Kunden eine Plastiktüte für zehn Cent erwerben. Doch immer seltener wird eine Tüte gekauft.

Auch für die gebürtige Trebendorferin Anja Seyfarth (28) ist das Thema Umwelt und Plastikmüll wichtig: „Es gibt Dinge, die lassen sich ohne Tüte nicht transportieren. Ansonsten habe ich immer eine Kiste im Auto oder Beutel im Gepäck, damit nicht noch mehr Plastikmüll anfällt. Manchmal klemme ich mir die Ware unter den Arm. Dem Verpackungswahnsinn muss Einhalt geboten werden. Die Weltmeere sind voll mit Plastikmüll und die Tiere leben dort gefährlich. Ich habe schon Horrorvideos mit Schildkröten und Plastiktüten gesehen, ganz furchtbar. Zu diesem Umweltthema kann jeder etwas beitragen“, sagt Anja Seyfarth.

(mat)