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| 20:22 Uhr

Großbrand
Starker Wind entfacht erneut Glutnester

Der brennende Kohleflöz im Tagenbau Reichwalde am Mittwoch.
Der brennende Kohleflöz im Tagenbau Reichwalde am Mittwoch. FOTO: Feuerwehr
Reichwalde. Der am Mittwoch ausgebrochene Brand im Tagebau Reichwalde wird am Donnerstag weiter bekämpft. Von Gabi Nitsche

 Donnerstagvormittag hat die Leag Entwarnung gegeben: Der Mittwochnachmittag auf einer Fläche von zehn mal zehn Meter ausgebrochene Brand auf der Arbeitsebene der Kohleförderung im Tagebau Reichwalde konnte gelöscht werden. Er hatte sich auf einer Länge von 2000 Metern ausgedehnt. Auch die Bandanlage zum Transport der Kohle war auf einer Länge von 700 Metern betroffen.

Doch schon wenige Stunden später nach der guten Nachricht durchkreuzte das Wetter mit dem erneut aufkommenden stürmischen Böen die Hoffnung der Bergleute. „Unsere schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden. Der starke Wind hat die Glutnester wieder entfacht und nun brennt erneut ein größerer Teil einer Sprosse vom Kohleflöz“, bestätigte Leag-Sprecherin Kathi Gerstner gegen 13.30 Uhr auf RUNDSCHAU-Anfrage. Denn seit etwa 12 Uhr waren erneut mehrere Löschfahrzeuge in Richtung Tagebau Reichwalde unterwegs. „Unsere Werksfeuerwehr hat zwölf freiwillige Wehren aus dem Umland um Unterstützung gebeten.“

Dazu gehört auch die Feuerwehr Weißwasser, die Donnerstag um 12.10 Uhr den erneuten Einsatzbefehl bekam. Hinter diesen Kameraden und rund 200 Einsatzkräften von über 30 Feuerwehren aus Sachsen und Brandenburg lagen zu diesem Zeitpunkt heftige Einsatzstunden seit dem Ausbruch des Feuers. Mehrere Wehren waren am Morgen auch vor Ort geblieben, um im Falle wieder aufglimmender Glutnester eingreifen zu können.

Aus der Luft gab es Unterstützung von Hubschraubern der Bundespolizei und Bundeswehr mit Wasserbehältern. Einer fasst bis zu 5000 Liter Wasser. Wieder und wieder wurden diese über dem brennenden Kohleflöz entleert, derweil die Kohle vor sich hin brennt und alle Anstrengungen darauf gerichtet sind, die Flammen zu ersticken und die Glutnester zu töten. Die Wasserversorgung für die Löscharbeiten ist sichergestellt, berichtete am Nachmittag Kathi Gerstner. Fünf Tankwagen seien permanent im Einsatz. Außerdem wurden zusätzliche Löschwasserentnahmestellen eingerichtet.

Werksfeuerwehrleiter Hartmut Bastisch ist auch am Donnerstag mit allen verfügbaren Leag-Kameraden vor Ort. „Wir hoffen, den Brand jetzt endgültig im Griff zu haben. Ein Übergreifen auf noch intakte Teile der Bandanlage oder der Antriebsstation konnten wir verhindern. In jedem Fall werden wir heute Nacht hindurch weiter vor Ort sein und Glutnester bekämpfen“, kündigte der erfahrene Floriansjünger an.

Mit seinen Leuten im Einsatz war auch der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser, Marcel Nestler. Braucht man, um einen solchen Brand zu bekämpfen, eine Spezialausbildung? „Man sollte sich mit Staubbränden auskennen. Aber das gehört eigentlich zur Grundausbildung eines Feuerwehrmannes“, sagt der Berufsfeuerwehrmann. „Und es schadet auch nicht, Waldbranderfahrung zu haben.“

Die hat Weißwasser. Das, was da im Tagebau Reichwalde abgegangen ist, habe sehr daran erinnert. Nur Bäume fehlten. „Da ist der starke Wind, du stehst auf heißer Kohle, Reifen von Fahrzeugen sind wohl abgebrannt. Die Thermik, die sich gebildet hat und dazu der Funkenflug – das ist ein riesiges Problem. Der Wind hat dafür gesorgt, dass sich die Stäube massiv ausweiteten. Du haust Wasser drauf, aber die Glut schwimmt oben.“ Deswegen setzt man in solchen Situationen Netzmittel ein, die Floriansjünger nennen es Fit. Bewährt hat sich auch, viel Wasser auf die Glutnester zu geben, sodass das Wasser immer tiefer eindringen kann und sich mit der glühenden Menge vermischt.

Marcel Nestler ist stolz auf seine Truppe. Mittwoch war diese in zwei Schichten im Tagebau. Um 14.37 Uhr wurde Weißwasser alarmiert. Mit dem Tanklöschfahrzeug Wald und dem LF 16 machten sich hauptamtliche und freiwillige Kräfte auf den Weg. Um 15.40 Uhr, so Nestler, wurde ein weiteres Tanklöschfahrzeug nachgefordert. „Zu diesem Zeitpunkt hatten wir 13 Kameraden dort und die Wache besetzt.“

Der Einsatzleiter der Leag-Werkswehr ordnete die herbeieilenden Unterstützungskräfte verschiedenen Abschnitten zu. Die Weißwasseraner kämpften zum Beispiel mit Boxberger, Bautzener und Zittauer Kameraden Seite an Seite. Aus dem Landkreis Görlitz und Bautzen waren Löschkräfte dabei.

„Die Rauchbelastung war enorm. Wir haben uns je nach Bedarf mit Maskenfilter geschützt.“ Oberste Priorität hatte es, die Kohlebandanlage, denn Fahrweg im Tagebau und das Kohleflöz zu löschen. Um 19.52 Uhr gab es den nächsten Vollalarm für Weißwasser. Elf Kameraden lösten die erste Schicht ab. Um 1 Uhr waren diese wieder auf der Wache, berichtet Marcel Nestler Donnerstagvormittag. Zu dieser Zeit gießt es wie aus Kannen. Der 31-Jährige winkt ab: „Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die entscheidene Frage ist, ob der Wind wieder so aufkommt wie gestern.“

Viele der Kameraden haben sich da bereits in den Bereitschaftsplan eingeschrieben, hauptamtliche und freiwillige richten gemeinsam die Einsatzfahrzeuge wieder her. „Das hätten wir eigentlich heute Abend im Dienst gemacht. Aber wer weiß, was noch passiert.“ Kurz darauf „passierte“ es tatsächlich.

Der Brand dehnte sich Mittwoch auf zwei Kilometern Länge aus.
Der Brand dehnte sich Mittwoch auf zwei Kilometern Länge aus. FOTO: Feuerwehr
Hartmut Bastisch ist Chef der Leag-Werksfeuerwehr und koordiniert die Einsatzkräfte.
Hartmut Bastisch ist Chef der Leag-Werksfeuerwehr und koordiniert die Einsatzkräfte. FOTO: Leag