| 17:43 Uhr

Jugend und Freizeit
Stark wie ein Baum und fest verwurzelt

Weißwasser. Die Station Junger Naturforscher und Techniker in Weißwasser besteht 65 Jahre. Immer richtete sich der Blick nach vorn. Jetzt wird die Freizeiteinrichtung als „Zukunft(s)station“ fit gemacht. Von Gabi Nitsche

Neben der Kita Ulja sei die „Station“ der einzige Dinosaurier in der Weißwasseraner Landschaft, stellte Leiter Bernd Frommelt gegenüber den Geburtstagsgästen fest. „Ja, 65 Jahre, das ist schon eine gewaltige Zahl.“  192 Stationen gab es zu DDR-Zeiten. Doch nur wenige überlebten die Wendezeit. Ein Besucher verglich sie mit einem Baum, so stark und fest verwurzelt.

Vereinsvorsitzender Randolf Rotta.
Vereinsvorsitzender Randolf Rotta. FOTO: Gabi Nitsche / LR

Nach wie vor werden hier nicht nur begabte Schüler gefördert, sondern vor allem interessierte. Vereinsvorsitzender Randolf Rotta betonte das.  Wissen wird vertieft und völlig neue Sachen werden gelernt. Anfangs richteten sich unzählige Arbeitsgemeinschaften (AG) auf Naturwissenschaften und Technik, später kamen Kunst und Musik dazu. Naturkunde, Schiffsmodellbau, Computertechnik, Elektronik prägen noch heute die Angebote für Kinder und Jugendliche. Auch eine AG Schallplattenunterhalter gab es mal. Emsiges Mitglied war der heutige Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext), der auch Freizeit-DJ ist. „Die Station hat mich geprägt, ich war jede Woche mehrmals hier. Später dann auch in der AG Elektronik, der Höhepunkt war dann das Spezialistenlager“, teilte Pötzsch am Mittwoch seine Erinnerungen mit den Gästen.

Dem heutigen SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Jurk ging es nicht anders. „Wenn man sich mit der Technik beschäftigte, wurden bei so manchem Berufswünsche geweckt. Und die Bandbreite der Arbeitsgemeinschaften war immer enorm.“ In der DDR war längst nicht alles gut, räumte Jurk ein, aber die Station wohl. Es sei goldrichtig gewesen, nach der Wende 1992 einen Verein zu gründen. Denn die Station musste ja nun mit vielen anderen neuen Freizeitangeboten konkurrieren.

Was besonders lobenswert ist, so Jurk: „Die sozialen Kontakte kommen hier nicht zu kurz. Hier gibt es sie wirklich, man redet miteinander, und Ältere vermitteln glück­licherweise ihre Erfahrungen an Kinder und Jugendliche.“ Das Ehrenmitglied des Vereins, das Monat für Monat einen Teil seiner Diäten der Station zukommen lässt, dankte allen, die haupt- und ehrenamtlich an der Station tätig waren oder sind. „Auch in Zukunft ist es wichtig, die jungen Menschen zu begeistern“, ist Jurk überzeugt und will sich weiter für den Verein engagieren.

„Wenn ehemalige Kinder wie Pötzsch und Jurk erzählen, wie wunderbar ihre Freizeit hier war, und wenn aus dem Kind Randolf Rotta heute der Vereinsvorsitzende wurde, dann ist das ein wunderbares Zeichen für Kontinuität“, gratulierte Michael Hahn vom Landesverband sächsischer Jugendbildung zum Jubiläum. Der Verband habe der Station schon oft zur Seite gestanden und werde es auch weiterhin tun. „Mehrmals in der Vergangenheit wurde der Station der Tod prophezeit, aber wie sagt man: Totgesagte leben länger.“

Und genau das wollen Bernd Frommelt, Randolf Rotta & Co. erreichen. Sie wollen mit griffigen Konzepten die Einrichtung als „Zukunft(s)station“ fit machen. Claudia Müller und Andrea Platzk, die seit August den Bereich internationale Jugendarbeit im Verein betreuen, nahmen die Festgäste mit auf eine kleine Reise in die Zukunft. Der Apfelbaum, ein Geschenk des Jugendringes Oberlausitz, sei das passende Symbol dafür – „wir wollen stetig wachsen und gedeihen“. Die Angebote der ständigen Arbeitsbereiche Naturwissenschaften, Technik und Kunst greifen mehr denn je ineinander. Kinder, Jugendliche und Erwachsene bringen sich generations- und grenzübergreifend ein. Die Palette ist breit: Bildungs- und Umweltangebote für Kitas und Schulen, Lernwerkstatt Natur im Tierpark, die Arbeitsgemeinschaften an der Station und das Miteinander in der Stadt. „Wir wollen uns nicht auf dem Erreichten ausruhen, sondern uns weiterentwickeln. Unser Profil soll sicht- und erlebbar sein“, so Claudia Müller.

Zu diesem Ziel gehört auch der Wunsch, das alte Stationsgebäude am Prof.-Wagenfeld-Ring durch einen Neubau zu ersetzen. Dazu ist der Verein bereit, das ganze Areal in Erbbaupacht zu übernehmen. Doch hinter der Finanzierung steht ein großes Fragezeichen. Mit Thomas Jurk und Torsten Pötzsch fanden in Dresden dazu bereits Gespräche statt. Jurk ist sich sicher, es findet sich ein Weg, „aber ohne Partner und Sponsoren geht es nicht“. Die Stadt lasse indes die Sache mit der Erbbaupacht prüfen, so Pötzsch. „Ich finde, die Station muss erhalten bleiben. Wir heben uns damit ab von anderen Regionen. Gerade die internationale Jugendarbeit ist ein starkes Thema, wo wir noch intensiver nach Polen gucken sollten.“ Der OB hält dann eine 90prozentige Förderung für möglich. An die Gäste gerichtet bat er, dem Verein und der Arbeit des Teams, dem er herzlich dankte, gewogen zu bleiben.

Die Station Junger Naturforscher und Techniker in Weißwasser besteht seit 65 Jahren und ist vergleichsweise stark wie dieser Baum.
Die Station Junger Naturforscher und Techniker in Weißwasser besteht seit 65 Jahren und ist vergleichsweise stark wie dieser Baum. FOTO: Gabi Nitsche / LR
65 Jahre Station Junger Naturforscher un dTechniker in Weißwasser wurde mit einem Festakt gewürdigt.
65 Jahre Station Junger Naturforscher un dTechniker in Weißwasser wurde mit einem Festakt gewürdigt. FOTO: Gabi Nitsche / LR