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| 15:58 Uhr

Kurtaxe
Wie weiter mit dem Kurort?

Brauerei und Niederländischer Hof sind zwar vom Wildwuchs befereit, aber noch nicht aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Kann das in Zusammenhang mit der künftigen Kurentwicklung in Bad Muskau passieren?
Brauerei und Niederländischer Hof sind zwar vom Wildwuchs befereit, aber noch nicht aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Kann das in Zusammenhang mit der künftigen Kurentwicklung in Bad Muskau passieren? FOTO: Regina Weiß / LR
Bad Muskau. Bad Muskauer Stadtrat stellt Hausaufgaben für die künftige Entwicklung auf. Von Regina Weiß

„Der Kurort Bad Muskau ist klinisch tot, aber eben noch nicht ganz tot“, so Michael Lang, Stadtrat des Bürgervereins, bei der jüngsten Ratssitzung. Um das bisschen, was noch da sei, müsse gekämpft werden. Seine Kollegen sehen es offensichtlich genauso. Sie legen per Beschluss, bei einer Enthaltung, einen Maßnahmeplan für die kurörtliche Entwicklung fest.

In die Diskussion zum Thema hatte mit einem Grundsatzreferat Wilfried Bartholomäus (Die Linke) eingeführt. Er hatte sich die Mühe gemacht und verglichen, wie es um Burg und Bad Muskau bestellt ist. Beide Orte trennen nur 60 Kilometer, aber eigentlich Welten, wie die Zahlen belegen sollten. Rund 50 000 Übernachtungen konnte Bad Muskau für 2016 zählen. Die Gäste blieben im Durchschnitt 2,1 Tage. Hinzu komme ein Vielfaches an Parkbesuchern. In Burg kamen im gleichen Zeitraum rund 718 000 Übernachtungsgäste zusammen. Die Aufenthaltsdauer dort 3,17 Tage. Dass solche Zahlen eine wirtschaftliche Relevanz haben, belegte Bartholomäus. Aus den nicht unerheblichen Einnahmen konnte Burg Geld für Veranstaltungen, Kur­ortmarketing, als Personalkostenzuschuss für das Haus des Gastes oder für den Bauhof für Leistungen an touristischen Einrichtungen ausgeben oder überweisen.

Solche Visionen gab’s 1994 in Bad Muskau auch, als Leitbild sowie Zielsetzungen zur Heilbad- und Kurortentwicklung beschlossen wurden. Kur, Fremdenverkehr und Tourismus sollten zum Hauptwirtschaftsfaktor werden. Dabei sollte an die alte Bädertradition angeknüpft werden. Der sanfte Tourismus war Ziel, man wollte die Heilmittel Moor, Eisenvitriol und Sole nutzen beziehungsweise erschließen, aber nicht das Wachstum um jeden Preis forcieren. Klein aber fein, so das Motto.

„Aus der Sicht unserer Fraktion ist zu entscheiden: Verfolgen wir die grundsätzliche Zielstellung des Beschlusses aus dem Jahr 1994 weiter, dann aber bitte tatsächlich, intensiv und mit aller Konsequenz und nicht nur als Slogan – oder heben wir den Beschluss auf, weil die Rahmenbedingungen unterschiedlichster Art eine Umsetzung unrealistisch erscheinen lassen oder sie tatsächlich unrealistisch machen?“, so Bartholomäus. Dazu gehöre aus seiner Sicht auch, dass überprüft werden sollte, warum Burg erfolgreich war und woran Bad Muskau gescheitert ist. Er machte aber klar, dass er für eine Fortschreibung der damaligen Zielstellungen ist. „Ob Kur richtig oder ein bisschen oder gar nicht – darüber sollten wir diskutieren und uns dann entscheiden“, so der Stadtrat.

Bürgermeister Andreas Bänder (CDU) fand die Denkanstöße gut. Allerdings sei es für die Ursachenforschung der falsche Zeitpunkt. Er warf nur ein: „Der Mann aus Burg war hier gewesen.“ Burg und Bad Muskau zu vergleichen, sei wie der Vergleich zwischen Äpfel und Birnen, so Stadtrat Thomas Baum (SPD), Bei den ganzen Zahlen fehlte ihm zum Beispiel die Auflistung, wie viel Geld Brandenburg nach Burg gegeben habe. Jetzt müsse man nach vorn gucken. „Hoffen wir, dass der Zug noch nicht abgefahren ist“, so Baum. Dazu brauche man aber auch einen Investor, so Siegmar Nagorka (CDU). Er zog den Vergleich mit dem Fußball. „Warum ist denn RB Leipzig so gut? Weil die einen guten Investor haben.“ Heidi Knoop (Die Linke) forderte in Richtung Räte, sich intensiver zu dem Thema zu bekennen. Das habe schließlich auch das Ministerium der Stadt ins Stammbuch geschrieben.

Im September hatte Bad Muskaus Stadtchef aus den Händen des Vertreters des Wirtschaftsministeriums die Reprädikatisierungs-Urkunde zum „Ort mit Moorkurbetrieb“ erhalten. Auch wenn in der Phase der Begutachtung der Stadt bescheinigt wurde, dass sich in den letzten zehn Jahren infrastrukturell einiges getan habe, braucht es beim Thema Kur oder besser Gesundheitstourismus eine Schippe drauf. Fünf Aufgaben schreibt sich die Stadt nun selbst ins Hausaufgabenheft. Dazu gehören: Sicherung der natürlichen Heilmittel (Moor/Sole) mit Errichtung einer zentralen Mooraufbereitungsanlage; Schaffung eines bedarfsgerechten Angebotes für den ruhenden Verkehr (Parkhaus etc.); Anlage und Sanierung von Wanderwegen (Terrainkurwege); Konzeptentwicklung für ein Kurmittelhaus am Standort Niederländischer Hof/Brauerei mit maßgeblicher öffentlicher Beteiligung und Optimierung der Effiziens des gemeinsamen Marketings. Zudem werde der Bürgermeister verpflichtet, zweimal im Jahr über den Sachstand zu berichten.

In Bezug auf den Niederländischen Hof/Brauerei bestand Einigkeit, dass dies die einzige Kulisse und  letzte Chance sei, um Heilmittelanwendung im größeren Umfang als bis dato im Kulturhotel Fürst-Pückler-Park möglich, in die Tat umzusetzen. Wobei Andreas Bänder noch immer auf den Slogan „klein, aber fein“ setzt. Daran hätte sich aus seiner Sicht zum Papier aus 1994 nichts geändert, sagte er der Heimatzeitung.