Von Christian Köhler

Noch im vergangenen Jahr ist für die „Grubenflitzer Nochten“ ein Traum wahr geworden: Als Meister der sächsischen Inlinehockeyliga ging es in die Winterpause. „Das war schon etwas ganz Besonderes für uns“, sagt Christian Noack, der bei dem Team mitspielt. Für die diesjährige Saison aber haben sich schon dunkle Wolken am Horizont aufgetan, denn die Stadtverwaltung schließt über den Sommer die Eisarena. „Eine Nutzung durch Vereine ist nicht vorgesehen“, erklärt Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) auf Nachfrage. Der Stadtrat habe, so Pötzsch weiter, 2018 im Rahmen der höheren Gebührenfestsetzung und der Einsparungsdiskussion die Schließung der Arena über den Sommer befürwortet.

„Wir betteln jedes Jahr, damit wir in die Eisarena zum Training reinkönnen“, berichtet Philipp Kother von den Grubenflitzern. Gemeinsam habe der Verein mit Eisarena-Leiter Milton Tauche versucht, Lösungswege auf den Weg zu bringen. Immerhin kostet eine Stunde Inline-Hockey im Sommer 60 Euro, die in die Stadtkasse fließen. „Und die Kabinen haben wir zumeist selbst gereinigt“, erinnert sich Kother an vergangenes Jahr.

Der Verein habe aber nun den Eindruck, „dass in Weißwasser Gründe dafür gesucht werden, dass die Halle im Sommer nicht genutzt werden soll, anstatt an Lösungen zu arbeiten“, so Christian Noack. Ferner haben die Grubenflitzer jährlich zum Stadtfest ein Inline-Hockey-Turnier organisiert. „Das war immer ein Riesenspaß – und brachte natürlich auch jede Menge Leute in die Stadt, die dann beim Fest waren“, beschreibt Christian Noack.

Das aber wird es wohl 2019 – trotz des stattfindenden Stadtfestes – nicht geben. „Wir haben uns aufgrund der unklaren Verhältnisse dazu entschlossen, den Trainingsbetrieb nach Niesky zu verlegen“, erklärt Noack weiter. Noch immer hoffen die Weißwasseraner, dass sich doch noch eine Lösung abzeichnet, und man in Weißwasser bleiben kann. Christian Noack: „In der Konsequenz geht es uns um eine vernünftige Lösung, wie wir dort rein kommen.“ Denn man glaube nicht daran, dass die Stadt Nutzer verprellen will.

Darauf hofft auch der Eissport Weißwasser (ESW). Der nämlich steht im Sommer laut Vereinsführung mit mehr als 200 Kindern und Jugendlichen ohne entsprechende Trainingsmöglichkeiten da – wenn die Eisarena tabu bleibt. „Wir haben bei der Stadtverwaltung einen Antrag gestellt, dass wir die Eisarena doch nutzen können“, erklärt ESW-Chef Bernard Stefan. Seit mehreren Wochen schon warte er auf eine Antwort der Stadtverwaltung. „Wir hätten uns gewünscht, dass wir zu der Sitzung der AG Eisarena, die es ja gibt, eingeladen werden, damit wir über Lösungen diskutieren können“, argumentiert Stefan weiter. Das aber sei nicht erfolgt. So haben die Probleme im Vorhinein nicht aus der Welt geschafft werden können.

Denn: Der ESW wolle nicht, oder zumindest „sehr selten“, auf die Eisfläche. Vielmehr gehe es um den Kraftraum, dessen Gerätschaften „wir immerhin allein angeschafft haben“, betont Bernard Stefan. „Wir machen in Weißwasser Leistungssport und bieten ganzjähriges Training“, erklärt auch Jan Garreis vom ESW-Vorstand, „und da können wir nicht nur im Freizeitpark ein paar Klimmzüge machen.“

Ausweichmöglichkeiten auf städtische Turnhallen seien ebenfalls schwierig. Einerseits sind diese während der Sommerferien ohnehin geschlossen, andererseits „zahlen wir ja dafür auch noch einmal Miete“, so Bernard Stefan. Und bei der Eisarena gehe es beim ESW „nur um einige Stunden am Nachmittag“ und nicht um einen ganztägigen Betrieb.

Die Stadtverwaltung wiederum wartet mit mehreren Argumenten auf, warum die Eisarena geschlossen bleiben muss: „Es werden umfangreiche Umbauarbeiten ab Mai beginnen“, erklärt Torsten Pötzsch. Hierbei handle es sich um nötige Reparaturen, die noch von der Inbetriebnahme der Kälteanlage stammen – und besonders die Eisaufbereitung betreffen. Der Stadt entstünden hierbei keine Kosten, da es sich um eine Versicherungsleistung der Planer handelt. Die hatten offenbar die Technik nicht ordnungsgemäß geplant. Man arbeite nun aber konstruktiv mit den Architekten zusammen, hieß es aus dem Rathaus.

Und: „Außerdem schreibt die Versammlungsstättenverordnung vor, dass immer ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung vor Ort sein muss, wenn ein Verein die Arena nutzt“, erklärt Milton Tauche. Denn die Eisarena in Weißwasser ist als Versammlungsstätte eingestuft und muss deshalb bestimmten Anforderungen genügen – etwa, dass eine Evakuierung im Ernstfall durch Eigner vorgenommen werden muss.

Und so spielt letztlich auch das Thema Personal der Stadtverwaltung eine Rolle: Über den Sommer sei nämlich nur einer der Eismeister vor Ort, „der schon mit den Umbauarbeiten genug zu tun hat“, so Tauche. Jüngst erst hatte der Oberbürgermeister auf die Situation bei den Eismeistern hingewiesen – dass es nämlich zu wenige sind und vor allem die DEL-Statuten Vorschriften machen, die bislang auf ehrenamtlicher Basis der gesamten Verwaltung umgesetzt werden, erläutert Torsten Pötzsch.

Ferner sei aus technischen Gründen auch keine Nutzung der Eisarena möglich. Die Lüftungsanlage werde in den Sommermonaten nämlich komplett ausgeschaltet. Damit sei ein Duschen in den zum Teil unterirdischen Kabinen nicht möglich, um Feuchtigkeit im Mauerwerk zu verhindern. „Es muss dort keiner duschen“, hält Bernard Stefan entgegen. Es sei klar, dass man tageweise die Eisarena nicht nutzen könne – und bei schönem Wetter auch im Freien trainieren könne. „Aber es muss doch möglich sein, für eine Nutzung des Kraftraumes zu sorgen“, bleibt der ESW-Vorstand bei seiner Meinung.

Die Stadtverwaltung und Oberbürgermeister aber bleiben wiederum bei ihrer Haltung. „Auch künftig wird die Eisarena im Sommer nicht genutzt werden, denn wann sollen die Wartungsarbeiten durchgeführt werden?“, fragt Torsten Pötzsch. Ferner führe die Abschaltung aller Anlagen zu einer Kosteneinsparung, „die der Haushalt der Stadt gut vertragen kann“.

Ohnehin, so Milton Tauche, könne ein Millionenobjekt der Stadt schon aus Sicherheitsgründen nicht von Vereinen ohne Aufsicht betreten oder gar genutzt werden.