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| 18:45 Uhr

Kommunalpolitik
Stadtfest Weißwasser wird zum Opfer knapper Kassen

Erinnerungen an das gelungene Stadtfest 2017 in Weißwasser. Der Nachwuchs vom TSC Kristall begeistert auf der großen Bühne.
Erinnerungen an das gelungene Stadtfest 2017 in Weißwasser. Der Nachwuchs vom TSC Kristall begeistert auf der großen Bühne. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Weißwasser. Stadtvereinsvorsitzender Frank Schwarzkopf verweist auf die Auswirkungen wegbrechender finanzieller Zuschüsse. Auch das Hexenfeuer ist noch nicht beschlossene Sache. Von Gabi Nitsche

Wenn nicht noch ein finanzielles Wunder passiert, gibt es in diesem Jahr definitiv kein Stadtfest in Weißwasser. Das betont Frank Schwarzkopf, Vorstandsvorsitzender des Stadtvereins Weißwasser. In Zeiten knapper Kassen sei so ein Fest absolut nicht aus der Portokasse zu stemmen. Schwarzkopf unterstreicht: Die gegenwärtige und künftige Haushaltslage der Stadt werfe die Frage auf, ob sich Weißwasser derartige Veranstaltungen künftig noch leisten könne und wolle. Die Entscheidung liege in erster Linie beim Stadtrat. Denn der befindet ja letztlich über den Haushalt.

Schwarzkopf will niemandem Raum für weitere Spekulationen lassen, ob es nun ein Fest gibt oder nicht. Deswegen betont er: „Unter unserer Führung wird es 2018 kein Stadtfest geben. Wenn sich jemand anderes findet, der sich der Verantwortung stellt, ist der Stadtverein gern bereit mitzuarbeiten.“ Denn Verantwortung tragen bedeutet, die finanzielle Seite und die damit verbundenen Risiken nie aus dem Blick zu verlieren. Die bereits beschlossenen und voraussichtlichen Streichungen im Stadthaushalt zwingen den Verein, sein Engagement den aktuellen Bedingungen anzupassen, so der Weißwasseraner.

Schwarzkopf geht ins Detail: Der in der Stadtratssitzung Ende Januar beschlossene Arbeitsplan 2018 zur Zusammenarbeit zwischen Weißwasser und der Leag zum Beispiel sieht keinen Cent mehr für Veranstaltungen vor. Auch mit Geld aus dem kommunalen Haushalt könne der Verein wohl eher nicht rechnen, wo doch Weißwasser unter akutem Sparzwang steht. Also stünden voraussichtlich 20 000 Euro weniger als in den vergangenen 15 Jahren für städtische Veranstaltungen zur Verfügung. Hinzu komme, so Schwarzkopf, dass der Verein Mobile Jugendarbeit und Soziokultur, der nicht nur Mitglied im Stadtverein ist, sondern in all den Jahren die Funktion des Hauptorganisators wahrgenommen hatte, aus personellen Gründen das nicht mehr leisten kann. Denn nicht nur die Bewohner werden älter. Auch die Mitglieder in Vereinen, die über viele Jahre ehrenamtlich Veranstaltungen stemmten. Die Personaldecke ist im Laufe der Zeit ausgedünnt.

Sicherlich könne man ein Stadtfest auch eine Nummer kleiner feiern. „Aber das ändert ja nichts daran, dass die Fixkosten die gleichen bleiben“, erinnert Schwarzkopf. Er lehne es auch ab, nun für so ein Fest Eintritt von den Besuchern zu verlangen. „Doch auch diese Rechnung geht nicht auf. Zum einen sollte es ja immer ein Volksfest sein. Und zum anderen kann ich nicht die halbe Stadt einzäunen. Dafür würde der Eintritt nicht reichen.“

Für „Feste und Feiern“ waren im städtischen Etat in früheren Jahren 20 000 Euro Zuschuss jährlich geplant. Dann wurde 2016 die Summe halbiert, um mit der anderen Hälfte  den sogenannten Gemeindesitzanteil von Weißwasser für die Kulturraumförderung zu erhöhen. Nur so war es der Stadt möglich, erklärt Frank Schwarzkopf, entsprechend höhere Zuweisungen zum Beispiel für Tierpark, Glasmuseum, Bibliothek und Soziokultur zu erhalten.

Fest steht: Ohne starke Partner wären Weißwasseraner Stadtfeste schon länger infrage gestellt gewesen. 2017 ging die Rechnung zum Beispiel nur auf, betont der Vorsitzende, weil sich die Stadtwerke aufgrund ihres 25-jährigen Bestehens stark engagierten. Gemeinsam und mit großer Kraftanstrengung gelang es, den Kostenaufwand  von rund 55 000 Euro zu stemmen. Doch Konstellationen wie diese seien nicht das Normale.

Frank Schwarzkopf gibt auch das zu bedenken: Wenn Verträge mit Lieferanten für mehrere Veranstaltungen – Stadtfest, Hexenfeuer, Weihnachtsmarkt – geschlossen werden, springen lukrativere Preise heraus. „Ein Fest hängt also irgendwie mit dem anderen zusammen. Und wenn einige der Standbeine wegbrechen – weniger oder gar kein Geld aus der Stadtkasse, von Leag und so weiter – dann hat das Auswirkungen auf alles.“ Stichwort Hexenfeuer. „Bis Mitte März steht fest, ob es das Hexenfeuer 2018 gibt oder nicht. Wir sind mit der Gewerkschaft  am Rechnen.“  

Ansonsten habe der Stadtverein als Dachverband so viele Aufgaben zu meistern wie selten zuvor. Allen voran drei EU-Förderprojekte, die Vereinsarbeit innerhalb der Städtepartnerschaft mit Zary. „Wir haben noch nie so viele Sozialpartner gehabt wie jetzt, wo es darum geht, Kräfte zu bündeln. Denn demografische Probleme hat jeder Verein“, so Schwarzkopf. Seit zehn Jahren werden Vereinspavillon und Tourist-Info  und seit 2015 das DB-Servicecenter betrieben.