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Stadtchef in schweren Zeiten

weißwasser.. Georg Teubner übernahm Anfang 1948 das zu jener Zeit äußerst schwere Amt des Bürgermeisters von Weißwasser. Er war auch der erste Stadtchef nach dem Krieg, dessen Amtszeit länger als nur ein Jahr dauerte, obwohl dies nicht festgelegt war. Spezielle Gründe für diese kurzen Amtszeiten seiner Vorgänger sind nicht bekannt, tat doch jeder alles, was er vermochte. Das Leben war zu dieser Zeit überaus schwierig, der Bürgermeister ein sehr geplagter Mann und um sein Amt wahrlich nicht zu beneiden. Von lutz stucka

Durch den Krieg zerstörte Häuser, wie hier an der Schmiederstraße, wurden wieder aufgebaut.Weißwassers Natureisstadion am Jahnteich sah viele heiße Kämpfe der Meistercracks auf kühlem Grund. Unvergessen bleiben vor allem die Spiele gegen Frankenhausen.Teubners Wirken begann mit der Wiederherrichtung des im Krieg zerstörten Rathauses. Obwohl an erster Stelle die Schaffung von Wohnraum in der zerstörten Stadt stand, gelang es, von dem äußerst knapp vorhandenen Bau- und Reparaturmaterial immer wieder etwas fürs Rathaus abzuzweigen. Der gesamte Dachstuhl des Hauses war den Flammen zum Opfer gefallen, Mauern waren ausgeglüht und Fenster gab es ebenfalls keine mehr. Entsprechend lange dauerte auch der Wiederaufbau. Erst im Jahr 1959 war es geschafft, das Rathaus konnte vollständig genutzt werden. Die Amtsgeschäfte wurden aus verstreut liegenden Arbeitszimmern, die sich in verschiedenen Gebäuden befanden, geführt. Die Wiederbenutzung des Rathauses wurde notwendig, denn nicht nur die Stadt-, sondern auch die Kreisverwaltung sollten effektiver werden. So entstand aus dem Großkreis Weißwasser - Görlitz am 12. Januar 1948 der kleinere Kreis Niesky, zu dem auch Weißwasser gehörte. Die Verwaltung konnte jetzt konkreter und intensiver arbeiten, und auch in Weißwasser blieben einige Kreisämter erhalten.
Zum Wiederaufbau der Stadt waren alle Hände nötig. Auch die Glasindustrie brauchte Arbeitskräfte. Männer waren ohnehin rar, und so mussten die Frauen in den Fabriken arbeiten. Die Kinderbetreuung, die in der Nachkriegszeit von entscheidender Bedeutung war, musste die Stadtverwaltung organisieren. Diese Aufgabe war Bürgermeister Teubner sehr wichtig. In einer Villa der Glashüttenunternehmerfamilie Gelsdorf, hinter dem heutigen Glasmuseum gelegen, wurde der erste Kindergarten nach dem Krieg eingerichtet. In den anderen Einrichtungen, die es schon vor und während des Krieges gab, waren umfangreiche Reparaturen nötig.
Auch die Zentralberufsschule, nicht für Glasberufe, an der Muskauer Straße konnte wieder eröffnet werden. Wenige Meter weiter, an der Straße nach Muskau, wurde das Landesheim für gesellschaftliche Erziehung schwer erziehbarer Kinder, das Makarenko-Heim, der Öffentlichkeit übergeben. Vor drei Jahren hatte hier noch die HJ-Gruppe das Sagen.
Große Sorgen bereitete weiterhin die Wohnungsnot. Zu den von der Flucht zurückkehrenden Einwohnern gesellten sich viele Umsiedler aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Obwohl im Jahr 1948 exakt 27 Wohnungen bezugsfertig gemacht wurden, waren noch immer 324 Wohnungen der Stadt vollkommen unbrauchbar und an eine baldmöglichste Reparatur aus Mangel an Baumaterial nicht zu denken. Dafür konnte die Versorgungssituation der Einwohner mit der Eröffnung des ersten Geschäftes der Handelsorganisation (HO), ein Textilladen im ehemaligen Hotel Linke an der Bautzener Straße, verbessert werden. Die hölzerne, provisorisch durch Pioniertruppen der Roten Armee wieder hergerichtete Bahnbrücke wurde aus massiven Material erneuert und auch ein Teil der Bautzener Straße neu gepflastert.
Eine der bedeutendsten Aufgaben, die Georg Teubner erfüllte, war die Gründung des Kommunalen Wirtschaftsunternehmens (KWU) am 1. April 1949. Es mussten 647 Wohnungen, das Wasserwerk mit Be- und Entwässerung, die Stadtgärtnerei mit einem Blumengeschäft, die örtlichen Baubetriebe, die Dachsteinziegelei, die Wäscherei mit öffentlicher Badeanstalt, die Plättanstalt, das Jahnbad, die Schweinemästerei und das Turnerheim mit Gaststätte unterhalten werden. Kurz darauf wurde das Grundstück des ehemaligen Sägewerkes Scholta erworben. Hier entstanden Reparaturwerkstätten und Unterkünfte für die Linienbusse des städtischen Kraftverkehrsbetriebs, aber auch kleine Zimmerei-, Klempnerei- und Tischlereiwerkstätten. Der Bürgermeister und der Stadtrat bildeten den Verwaltungsrat und die Geschäftsführung des städtischen Unternehmens.
Auch die Förderung des Sports, eine alte Tradition in Weißwasser, lag Bürgermeister Teubner sehr am Herzen. Im Rahmen des landesweiten Projektes Neues Aufbau-Werk (NAW) konnte das Natureisstadion am Jahnpark entstehen. Zuvor wurden die Eishockey-Wettkämpfe auf dem Braunsteich durchgeführt. Einer staatlichen Verordnung über die Errichtung von Stadtarchiven, vom 26. Februar 1951, kam der Bürgermeister nach, wie auch der vier Jahre späteren Anordnung über die Führung von Ortschroniken. Leider wurde dieser Aufgabe wenig Bedeutung beigemessen, so dass es heute schwer ist, jene Jahre historisch zu beschreiben. Georg Teubner erhielt die Aufgabe von der Regierung, eine ansehnliche Unterkunft für die überall im Land neugegründeten Klubs der Volkssolidarität zu schaffen, was sich durch den fehlenden Wohnraum als schwierig erwies.
Erst im Jahr 1960 kam diese Einrichtung in der umfangreich reparierten Villa Hirsch an der Muskauer Straße, Ecke Karl-Marx-Straße, unter. Die Grundsteinlegung für die Gebäude der Berufsschule und des Internates der späteren Betriebsberufsschule „Reinhold Greiner“ nahm am 23. August 1950 Bürgermeister Teubner vor.
Auch die Eröffnung der Betriebsfachschule des VVB (Z) Ostglas in einer ehemaligen Osram-Villa an der Schillerstraße, der ersten und einzigen Glasfachschule der DDR, fiel in seine Amtszeit. Am 21. März 1951 übernahm Heinz Krüger das Bürgermeisteramt.

zeittafel 1951: Waldeisenbahn Muskau legt los
17. April 1948. Gründung des VEB Spezialglaswerk Einheit, ehemals Osram. Im März 1949 wird die Kolbenwanne 1 mit dem ersten Kolbenautomaten in Betrieb genommen.
Frühjahr 1949. In der Bärenhütte werden aufgrund vorliegender Leistungsergebnisse der Glasmacher technisch begründete Arbeitsnormen eingeführt und entwickelt. Später gelten diese als Grundlage bei der Normerfüllung aller anderen Mundglashütten im Land.
1. Juni 1949. Erstmals werden an einem 4-Hafen-Lehrofen im 6-Wochen-Rhythmus wieder Glasmacherlehrlinge ausgebildet. Bald stellt sich heraus, dass die Ausbildungsmöglichkeit nicht ausreichend ist.
22. November 1949. . Der Leiter der Sowjetischen Militäradmistration (SMAD) Weißwasser, Gardemajor der Artillerie Medwedow, übergibt den sowjetischen Friedhof an die Stadtverwaltung mit allen Pflichten und Rechten. Auf dem Friedhof liegen vier Offiziere, vier Unteroffiziere, 23 Soldaten und 49 Unbekannte begraben.
1950. Der Aufbau der Werkstatt für Glasgestaltung unter Leitung von Friedrich Bundtzen, ein Schüler und Nachfolger von Professor Wilhelm Wagenfeld, erfolgt. Weißwasser wird damit zum künstlerischen Zentrum der Glasindustrie der DDR.
1950. Die Landesforstverwaltung erwirbt das Grundstück des ehemaligen Dampfsägewerkes Paul Schmidt, heute Autohaus an der Jahnstraße, und betreibt ein Holzbearbeitungswerk, wo hauptsächlich Baumstämme entrindet, sortiert und gelagert werden. Zwei Jahre später wird hier der Staatliche Forstwirtschaftsbetrieb Weißwasser gegründet.
Herbst 1950. Das Volksbildungsministerium der DDR beschließt die Zusammenlegung der Schüler beiden Geschlechts. Bis zu dieser Zeit gab es nur reine Knaben- und Mädchenschulen.
1950. Das Jagdschloss und besonders der umliegende Wald, als „Urwald“ bezeichnet, werden unter Denkmal- bzw. Naturschutz gestellt.
1905. Die Karlstraße wird in Friedrich-Bodelschwingh-Straße umbenannt.
Sommer bis Herbst 1950. Das Natureisstadion am Jahnpark wird als Projekt im Nationalen Aufbau Werk (NAW) errichtet.

1950/51. Die ersten Arbeitsbrigaden in den Betrieben der Glasindustrie werden gebildet. Die Eishockey-Mannschaft der Betriebssportgemeinschaft (BSG) Ostglas Weißwasser wird erstmals DDR-Meister.
1951. Die Gräflich Arnimsche Kleinbahn wird durch die Deutsche Reichsbahn übernommen. Der neue Name lautet: Waldeisenbahn Muskau.
Anfang Mai 1951. Ein Ofen in der ältesten Glashütte, ehemals Gelsdorf, wird für das neue Lehrkombinat zur Ausbildung eingerichtet.
1. September 1951. Es beginnt die Ausbildung von 200 Glasmachern und 50 Veredlungslehrlingen in Weißwasser.
1951. Es wird eingeschätzt, dass die Beseitigung der Kriegstrümmer in der Stadt nur sehr mäßig erfolgt. Obwohl jedem Haushalt ein schriftlicher Aufruf zugegangen ist, ist die Beteiligung bisher noch mies. Der Bürgermeister startet darauf hin eine Initiative. Von den zwölf Wohnbezirken der Stadt sollen jeden Sonnabend und Sonntag jeweils drei Bezirke freiwillige Arbeiten bei der Beseitigung von Trümmern leisten. Es wird damit erreicht, dass von jedem Haushalt eine Person jeweils zwei Stunden alle vier Wochen arbeitet. „Nicht genug damit, dass bei der endgültigen Enttrümmerung noch viel Baumaterial wie Ziegel, Eisen usw. geborgen werden, könnte man vor allem etwas zur Verschönerung unserer Stadt betragen. . .“ , wirbt die Presse und lobt das Beispiel der Stadt Cottbus.