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| 02:50 Uhr

Sporthallen-Zukunft ist Geldfrage

Kunst an der Wand erinnert an die Hochzeit der Schulsporthalle. Derzeit steht sie leer.
Kunst an der Wand erinnert an die Hochzeit der Schulsporthalle. Derzeit steht sie leer. FOTO: Weiss
Boxberg. Eine Sporthalle, die gut in Schuss ist, steht in Boxberg leer. Sie gehört dem Landkreis. Die Gemeinde will mit ihm über die Hallen-Zukunft ins Gespräch kommen. Doch alles ist eine Frage des Geldes. Regina Weiß

Die Sporthalle am Standort des ehemaligen Beruflichen Schulzentrums in Boxberg ist augenscheinlich gut in Schuss. Ein bisschen heizen und schon könnte dort wieder der Ball rollen. So ist jedenfalls der erste Eindruck, als sich Gemeinderäte samt Vertretern der Gemeindeverwaltung Boxberg umschauen. Bei den Räten werden sofort Erinnerungen wach. An Zeiten der Ausbildung am Standort Boxberg und den damaligen Sportunterricht oder an spannende Fußball-Begegnungen, die unter dem Hallendach stattfanden. Dort passiert allerdings seit Wochen gar nichts mehr.

Geht es nach Mario Weier, dem Ortschaftsratschef von Nochten und Initiator der Begehung, soll es nicht so bleiben. Ihn wurmt es, dass so eine schöne Sporteinrichtung leer steht. Noch dazu, wo andere Absprachen getätigt worden waren. Sein Sohn spielt selbst beim SV Klitten/Boxberg. Ursprünglich war von Landkreis-Seite vorgesehen, dass die Nachwuchs-Fußballer bis zum April die Halle nutzen können. Doch davon sei dann plötzlich keine Rede mehr gewesen. Schon im Januar konnte dort nicht mehr trainiert werden. Dabei, davon geht Mario Weier aus, wäre der ortsansässige Sportverein nicht der einzige, der sich über Trainingszeiten in so einer tollen Halle freuen würde.

"Sie ist wirklich in einem guten Zustand. Aber sie steht leider am falschen Fleck", findet Gemeinderat Horst Jannack. Denn das Gebäude steht unweit des Kraftwerks und damit nicht in Ortsnähe. Und Boxberg hat selbst zwei eigene Hallen - eine am Schulstandort, eine in Klitten. Mit kommunalen Gebäuden reich gesegnet, schreit bei der Gemeinde keiner über eine mögliche Übernahme vom Kreis Hurra. Doch zumindest reden sollte man miteinander, findet nicht nur Mario Weier. Das sieht auch Bürgermeister Achim Junker (CDU) so. Ihm pflichten Gemeinderäte bei. Doch um mit der Kreisverwaltung reden zu können, bedarf es Argumenten, findet der Bürgermeister. Das könnte beispielsweise eine Liste von Vereinen sein, die die Halle wirklich nutzen will. Daraus ließe sich dann möglicherweise ein Konzept stricken.

"Aus Sicht der Kreisverwaltung wird derzeit keine Möglichkeit gesehen, diese Turnhalle weiter zu betreiben", sagt allerdings der zuständige Dezernent Werner Genau auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Zusagen einer mittelfristig möglichen weiteren Nutzung bezogen sich darauf, den gesamten Standort als Reserve im Falle eines plötzlich wieder ansteigenden Flüchtlingsstromes zu erhalten. Davon war tatsächlich zunächst bis April 2017 die Rede gewesen, erklärt der Dezernent. Mit dem anhaltenden absoluten Einbruch der Flüchtlingszahlen im Spätsommer und Herbst 2016 war in Bezug auf die Reservestellung des Gesamtkomplexes ein Umdenken notwendig. Es wurde aus Gründen der Wirtschaftlichkeit entschieden, den Standort komplett aufzugeben.

"Mit der Gemeindeverwaltung wurde die Situation, insbesondere die Zukunft der Turnhalle, analysiert, und das mit dem Ergebnis, dass eine Übernahme seitens der Gemeinde Boxberg als Option auszuschließen ist. Ein Konzept für eine Weiterbetreibung zum Zwecke der Nutzung durch Vereine konnte bis heute seitens der Befürworter nicht vorgelegt werden", heißt es vom Kreis. Nach der Kreisverwaltung vorliegenden Informationen handelt es sich auch nur noch um einen Verein, der eine Nutzung in Betracht zieht.

"Es ist vor allem nicht damit getan, eine Turnhalle für ein paar Stunden aufzuschließen und nach der Nutzung wieder zu sichern. Sofern eine Kommune, ob Landkreis oder Gemeinde, ein Gebäude wie die Turnhalle für eine öffentliche Nutzung vorhält oder bereitstellt, erwachsen daraus die entsprechenden Pflichten und damit Kosten für die öffentliche Hand. Die Palette reicht dabei von den Betriebskosten für Heizung und Wasser, Müll bis hin zu Sicherheitsfragen, insbesondere auch Verkehrssicherungspflichten", zählt Genau auf.

Die Kreisverwaltung hat Angebote regionaler Dienstleister eingeholt, die zu erwartenden Kosten für den laufenden Unterhalt von rund 50 000 Euro pro Jahr ausweisen. Nicht enthalten sind dabei laufende Instandsetzungen. Diese Kosten waren im Parallelbetrieb zum Flüchtlingsheim bedeutend geringer, da vieles durch das ohnehin vor Ort tätige Betreiberpersonal beziehungsweise über Arbeitsgelegenheiten seitens der Flüchtlinge organisiert werden konnte.

Voraussetzungen für eine weitere Betreibung wären aber auch größere Reparaturen im Bereich Dach, Heizungsanlage, Lüftung und Fensterschließanlage. Hierbei belaufe sich der Aufwand auf rund 50 000 Euro.

Ein Rückbau der Turnhalle ist vom Landkreis nicht geplant.

Mario Weier will dennoch nicht locker lassen: Wer als Verein Interesse an einer Trainingszeit in der BSZ-Sporthalle Boxberg hat, der kann sich per Mail unter info@weierbau.de an den Nochtener wenden.