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| 14:55 Uhr

Boxen
Vier Runden zum Abschied

Absolut fokussiert vor seinem Abschiedskampf: Bei der Boxgala an diesem Samstag in der Eisarena Weißwasser beendet Lokalmatador Matthias Pelk seine Profikarriere.
Absolut fokussiert vor seinem Abschiedskampf: Bei der Boxgala an diesem Samstag in der Eisarena Weißwasser beendet Lokalmatador Matthias Pelk seine Profikarriere.
Weißwasser. Mach’s gut, Champion: An diesem Samstag beendet Profiboxer Matthias Pelk bei der Fight Night in der Eisarena Weißwasser seine beeindruckende sportliche Karriere. Ein Rückblick. Von Alexander Mader

Noch einmal gilt es. Volle Konzentration, maximales Adrenalin. Alles geben. Selbst, wenn die Aufgabe für den Champion eher ungewohnt kurz ist. Vier Runden sind es, maximal zwölf Minuten. „Früher hätte ich so eine Distanz aus der Kalten geboxt“, lacht Matthias Pelk.

Früher vielleicht. Oder ziemlich sicher sogar. Aber diesmal ist alles anders. Denn dieser Vier-Runden-Kampf ist sein Abschied. Nach einem Vierteljahrhundert Kampfsport, davon über 13 Jahren im Profiboxen. Pelks beeindruckende Bilanz hier: sieben Titel – unter anderem WBCA-Weltmeister, IBO-Intercontinental-Champion, WBO- und IBF-Europameister – und 25 Siege in 26 Kämpfen. „Im Profi-, aber auch schon im Amateurbereich waren da richtige Schlachten dabei. Wenn ich nur an Kämpfe im alten Eisstadion oder an den WM-Kampf im aserbaidschanischen Baku zurückdenke – einfach Wahnsinn“, meint der 37-Jährige. Keine Frage, sportlich hat er alles erreicht. „Unter anderem drei Titel von amerikanischen Verbänden zu erkämpfen, ist eine Leistung, auf die man stolz sein kann“, meint der Siebenfach-Titelträger vor seinem wohl emotionalsten Kampf. „Selbstverständlich ist da viel Wehmut dabei. Aber genau deshalb wollte ich diesen Abschied vor meinem heimischen Publikum unbedingt. Im letzten Jahr hat mich noch eine Schulterverletzung gestoppt. Aber jetzt bin ich topfit“, betont der Profiboxer.

Und ja – gequält hat er sich auch diesmal. Vielleicht sogar noch mehr als früher. „Man wird ja nicht jünger“, schmunzelt der 37-Jährige und gibt zu: „Natürlich hat die aktuelle Vorbereitung etwas mehr geschmerzt als sonst. Zudem ich noch mit einer Grippe und einer schweren Rippenprellung zu kämpfen hatte. Aber ich hätte es mir nie verziehen, meine sportliche Laufbahn ohne einen würdigen Abschied einfach so ausklingen zu lassen. Das bin ich mir, meiner Familie, meinen Freunden und unseren Fans einfach schuldig. Besonders motiviert haben mich zudem die vielen Menschen, die immer wieder nachgefragt haben und mich noch einmal kämpfen sehen wollen.“

Schon früh war klar, wohin die sportliche Reise für Matthias Pelk einmal geht.
Schon früh war klar, wohin die sportliche Reise für Matthias Pelk einmal geht.

Ein Abschied, bei dem sich der Champion einen kleinen „Luxus“ erlaubt: Mittelgewicht statt Weltergewicht. „Die Gewichtschinderei habe ich mir zum Abschluss etwas erspart und boxe eine Gewichtsklasse höher“, verrät Matthias Pelk, dessen frühere Kämpfe oft echte Spektakel gewesen sind. Ob’s am Samstag auch eins wird? Die Chancen dafür stehen ganz gut. „Ein Kampf über vier Runden kann ein richtiges Gescheppere werden, ohne große Atempausen. Aber ich bin topfit und hochmotiviert“, sagt der Profiboxer, der natürlich um die Emotionalität seines Abschieds weiß.

Apropos, wird es Tränen geben? Die Antwort kommt lachend und Pelk-typisch: „Geplant ist nichts.“ Natürlich, so etwas plant man ja auch nicht. Das kommt dann einfach so. Wenn die Last von einem abfällt, der riesige Druck. So wie damals beim Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Profibereich. „Als wir nach dem Sieg mit meinem Vater und meinem Betreuer in der Ecke standen, hatten wir alle schon voll krass Pipi in den Augen“, verrät der Faustkämpfer, der im Dezember 2004 vom Amateur- in den Profibereich gewechselt ist. Josef Holub hieß damals der Gegner. Das Ergebnis: Punktsieg für Pelk.

Und wie das Boxerleben so spielt – gegen eben diesen Josef Holub wird Matthias Pelk am Samstag auch seine sportliche Laufbahn beenden. „Nach unserem Kampf sind Josef und ich freundschaftlich verbunden geblieben und haben uns auf Veranstaltungen immer wieder einmal getroffen. Und da kam von beiden Seiten die Idee, dass wir mit einem zweiten Kampf gegeneinander den Kreis meiner Profikarriere doch perfekt schließen würden“, sagt Matthias Pelk und blickt noch einmal gut 13 Jahre zurück: „Da war ich vor meinem Debüt dermaßen aufgeregt. Das kann sich keiner vorstellen.“

Sieben Gürtel hat Matthias Pelk in seiner Profikarriere gewonnen. Im Mai 2014 präsentierte er seine „gesammelten Werke“.
Sieben Gürtel hat Matthias Pelk in seiner Profikarriere gewonnen. Im Mai 2014 präsentierte er seine „gesammelten Werke“.

Heute, weit über 13 Jahre später, stehen aktuell 143 geboxte Profirunden zu Buche. 147 können es am Samstag maximal werden. Oder steigt womöglich sogar die K.o.-Quote von derzeit 58 Prozent noch an? „An ein K.o. verschwende ich keinen Gedanken. Wie immer gehe ich mit Respekt vor meinem Gegner in den Kampf und versuche, meinen Kampfstil durchzusetzen. Das Wichtigste ist und bleibt, gesund aus dem Ring herauszukommen. Wenn es dann einen Sieg gibt, umso schöner. Aber ich versichere allen Fans, dass ich dafür alles gebe und wenn es sein muss auch über meine Schmerzgrenze hinausgehen werde“, verspricht der Lokalmatador einen furiosen, emotionalen Abschied. Ein Abschied, bei dem nach dem letzten „Gong“ ganz sicher auch das eine oder andere Tränchen fließen wird. Aber so etwas plant man ja nicht.