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| 20:39 Uhr

Boxen
Tränen, Triumphe und Titel in Weißwasser

Einstimmig nach Punkten hat Matthias Pelk (r.) seinen allerletzten Kampf gegen Josef Holub gewonnen.
Einstimmig nach Punkten hat Matthias Pelk (r.) seinen allerletzten Kampf gegen Josef Holub gewonnen. FOTO: Alexander Mader
Weißwasser . Nach 25 Jahren hat Profiboxer Matthias Pelk seine Karriere mit einem Sieg über Josef Holub (Tschechien) erfolgreich beendet. In der Eisarena Weißwasser verteidigten vor 750 Besuchern zudem Dominik Kosel und Tino Fröhlich ihre Titel. Von Alexander Mader

Verflixt, irgendwie will der Boxhandschuh nicht runter. Profiboxer Matthias Pelk läuft durch den Ring, nestelt an der Verschnürung. Keine Frage, diese Ablenkung kommt nicht ungelegen. Denn jetzt steigen langsam, aber sicher die Emotionen. Es ist Samstagabend, 22.53 Uhr. Gerade noch hat der 37-Jährige sich mit seinem Gegner Josef Holub einen zwölfminütigen Schlagabtausch geliefert. Er hat ausgeteilt, hat eingesteckt. Und jetzt? Ist es vorbei. Einfach so.

Das Publikum feiert seinen Lokalmatador, die Verkündung des einstimmigen Punktsiegs geht im Jubel unter. Eine fantastische Atmosphäre, Gänsehaut. Es ist einer dieser Augenblicke, die ewig in Erinnerung bleiben. Und natürlich gehören auch feuchte Augen dazu. Selbst bei den harten Jungs. „Ich möchte hier noch kurz etwas durchsagen“, meint der 37-jährige Pelk am Ringmikrofon. In der Halle wird es mucksmäuschenstill. „Allen voran danke ich natürlich meinem Vater und Trainer, ohne den ich all‘ das niemals erreicht hätte“, sagt der Profiboxer aus Weißwasser dankbar. Ein Blick in die Ringecke. Da steht Papa Peter. Früher selbst ein klasse Boxer mit großen Erfolgen, heute ein Erfolgscoach. Ein harter Kerl, versteht sich. Aber gerade kämpft auch er mit seinen Tränen. Weil er einfach so glücklich und stolz ist. Stolz auf seinen Sohn, seinen Schützling, seinen Weltmeister.

Der erzählt den Besuchern gerade von kulinarischen Köstlichkeiten. Genauer gesagt, denen von Mama Steffi. Der 37-Jährige: „Bei deinem leckeren Essen war es oft schwer, wenn ich für einen Kampf Gewicht machen musste. Aber jetzt kann ich ja richtig zuschlagen.“ Lachen im Publikum, die Dankesrede ist aber noch lange nicht zu Ende. Matthias Pelk, den auch Verletzungen nie zurückwerfen konnten: „Ich bin megastolz auf das Erreichte und danke allen, die mir diese Erfolge gegönnt haben.“ Und das sind viele. Familie, Freunde, Trainer, Sponsoren, Trainingsparter und „alle aus dem Gym“ – niemand soll an diesem, an seinem Abend vergessen werden. „Ein ganz großes Kompliment und Dankeschön gilt natürlich auch meinem Bruder Rico. Ohne seine tolle Arbeit hinter den Kulissen würde es so eine perfekt durchorganisierte Veranstaltung wie die Fight Night gar nicht geben.“

Immer wieder gibt es Applaus, dann schaltet „Matze“ jedoch in den Trainer-Modus: „Einen Kampf haben wir heute noch. Unterstützt alle Dominik Kosel, damit wir seinen Titel ebenfalls bei uns in Weißwasser behalten können.“ Titel Nummer zwei übrigens. Denn bereits im Vorfeld hat Tino Fröhlich seinen Gürtel des aserbaidschanischen Weltverbandes in zwölf spannenden Runden gegen Oleksandr Haraschenko (Ukraine) verteidigt. Promoter Peter Pelk nach dem Erfolg seines Schützlings: „Von beiden Kämpfern war es eine hervorragende kämpferische Leistung, eine absolut ausgeglichene Geschichte.“ Dem stimmt der siegreiche Cruisergewichtler ganz klar zu: „Es ist wirklich verdammt eng gewesen. Aber darauf bin ich eingestellt und optimal vorbereitet gewesen. Jetzt bin ich absolut glücklich und stolz, dass ich den Titel verteidigen konnte.“

Ob das Dominik Kosel ebenfalls gelingt? Die Spannung steigt. Beide Kämpfer marschieren ein, die Nationalhymnen erklingen. Dann sprechen die Fäuste. Und wie! Erste Runde, zweite Runde. Alles sieht gut aus. Der Lokalmatador hat wirkungsvolle Aktionen, kann knifflige Situationen gut lösen. „Von beiden ein Kampf auf hohem technischen Niveau“, bilanziert Dominik Kosel später. Aber sein Gegner Farshid Rostami (Aserbaidschan) ist stark. Richtig stark sogar. Und er wird immer stärker, holt sich seine Runden. Das merkt das Publikum natürlich. Laute „Dominik, Dominik“-Sprechchöre ertönen in der fünften Runde. Und die helfen, motivieren.

Der Supermittelgewichtler beißt sich durch, quält sich, gibt alles. Der alte und neue Titelträger: „Meine Trainer Peter und Matthias haben mir in den Ringpausen immer wieder gesagt, dass ich wie ein Mann kämpfen soll.“ Und das macht er. Die sechste Runde ist wieder ausgeglichen, genau wie der Kampf. Ringglocke – dann geht es in die Ringecken. Aber eben nicht mehr weiter. Farshid Rostami signalisiert eine Verletzung, der Kampf ist vorbei. „Er hat sich bei einem Schlag an meinen Ellenbogen einen Finger gebrochen“, meint Dominik Kosel und analysiert gleich den Fight: „Der Ringrichter hat mir gesagt, dass es nach Runden 3:3 gestanden hat. Über die volle Distanz wäre es eine ganz enge Entscheidung geworden.“

So aber bleibt der Titel nach sieben Runden in Weißwasser. Die damit verbundenen Schmerzen (O-Ton Dominik Kosel: „Jeder Schlag meines Gegners hat weh getan. Und er hat ja echte Granaten losgelassen“) spürt der 25-Jährige aber aktuell nicht. Denn er hat noch eine wichtige Aufgabe zu erledigen, die ihm im Namen der kompletten Trainingsgruppe mächtig am Herzen liegt: die Verabschiedung seines Trainingspartners und Freundes Matthias Pelk. Für den gibt’s einen Siegerkranz, einen Pokal, ein kuscheliges Ruhekissen – und dazu noch eine riesengroße Überraschung. Auf der Großbildleinwand flimmert ein Video, in dem sich Familie, Bekannte, Freunde, Trainingskollegen und Weggefährten von Matthias Pelk noch einmal ganz persönlich verabschieden. Und dass dieser Film scheinbar gar nicht enden will, überrascht nicht wirklich. Denn in seiner Karriere hat „Matze“ unzählige Menschen mit seinen Leistungen, seiner Beharrlichkeit, seinem Engagement und seinem Siegeswillen immer wieder begeistert. Oder vielmehr noch, er hat sie zu echten Fans gemacht. Und eines ist sicher: Mit diesen Eigenschaften möchte in Zukunft auch der Trainer Matthias Pelk erfolgreich sein. Genau wie sein großes Vorbild: Vater Peter.

In zwölf spannenden Runden verteidigte Tino Fröhlich (l.) seinen Gürtel des aserbaidschanischen Weltverbandes.
In zwölf spannenden Runden verteidigte Tino Fröhlich (l.) seinen Gürtel des aserbaidschanischen Weltverbandes. FOTO: Alexander Mader
Dominik Kosel (M.) beim Einmarsch in die Eisarena Weißwasser. Rund 750 Box-Fans waren bei der Fight Night am Samstag dabei.
Dominik Kosel (M.) beim Einmarsch in die Eisarena Weißwasser. Rund 750 Box-Fans waren bei der Fight Night am Samstag dabei. FOTO: Alexander Mader