ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:37 Uhr

Fußball
Schiedsrichter aus Leidenschaft

Steven Knobel, Gotthard Pätzold und Hans-Jürgen Beil (v.l.).
Steven Knobel, Gotthard Pätzold und Hans-Jürgen Beil (v.l.). FOTO: LR / Christian Köhler
Weißwasser . Gotthard Pätzold ist vom VfB Weißwasser zum 70. Geburtstag geehrt worden. Er leitete gut 1030 Spiele. Von Christian Köhler

Wer in Weißwasser und im Umland am Wochenende auf einen Fußballplatz geht, der wird sicher auf einer der Spielstätten Gotthard Pätzold antreffen. Und das seit nunmehr 50 Jahren. Der Weißwasseraner ist seit dem 1. Januar 1968 mit Trillerpfeife, Roten und Gelben Karten ausgestattet. Zum Heimspiel des VfB Weißwasser am vergangenen Samstag ist der „Schiedrichter aus Leidenschaft“ zum 70. Geburtstag von VfB-Chef Hans-Jürgen Beil und dem derzeit verletzten Kapitän der ersten Mannschaft Steven Knobel geehrt worden. Beide wünschen dem rüstigen Schiri alles Gute und stets ein gutes Händchen bei seinen Entscheidungen.

„Um 70 zu werden, braucht man nur gesund zu bleiben“, sagt Gotthard Pätzold mit einem Lächeln, „und um 50 Jahre Schiedsrichter zu sein, muss man gesund bleiben und außerdem 50 Jahre etwas für den Fußball tun.“ Dass er überhaupt über Jahrzehnte immer wieder die Schiri-Kleidung am Wochenende überzieht, das liegt vor allem an der Jugend, die das Fußballspielen erlernt. „Bei den Kids gibt es noch den mitreißenden, ehrlichen Fußball. Ganz ohne Schwalben und mit einer ansteckenden Begeisterung“, erzählt er. Kein Wunder also, dass sich Gotthard Pätzold von Welpenliga-Organisator Frank Konietzky nicht zwei Mal bitten ließ, auch die Spiele der Kleinsten zu pfeifen. „Das ist eine ganz tolle Sache mit der Kita-Welpenliga“, ist sich der 70-Jährige sicher.

Bei den Größeren und Erwachsenen ist die Sachlage schon anders. Ausraster von Spielern, Trainern oder auch von Funktionären im Herrenbereich hat Gotthard Pätzold schon erlebt. Mit kuriosen und auch nicht ganz so fairen Geschichten könnte der Weißwasseraner ganze Bücher füllen. Wie viele Gelbe oder Rote Karten er zückte, dass kann er heute gar nicht mehr sagen. „Bei 20 Spielen pro Saison habe ich die Marke von 1030 Spielen überschritten“, erzählt er. Sich da an jede Situation zu errinnern, gehe gar nicht.

Die lange Karriere von Gotthard Pätzold begann 1960 - natürlich nicht als Schiedsrichter, sondern als Spieler der Schülermannschaft bei der SG Mücka. Über die damalige Herrenmannschaft von Motor Niesky - heute „Eintracht“ - hat der Fußballbegeisterte einen Betreuerschein für Nachwuchsmannschaften und einen Schiedsrichter-Schein gemacht. „Der Liebe wegen bin ich dann in Richtung Weißwasser gezogen“, erzählt Gotthard Pätzold. Als Trainer arbeitete er unter anderem in Skerbersdorf und in Krauschwitz, wurde 1986 Vorsitzender des Kreisfachausschusses Fußball Weißwasser. Als Schiedsrichter ist er dann nach der Wende beim KSV 90 Weißwasser tätig gewesen, hat von 2004 bis 2010 im Vorstand des Sportgerichtes gearbeitet und ist nach der Fusion zwischen dem KSV 90 Weißwasser und dem SV Grün Weiß Weißwasser in den Vorstand des neu gegründeten VfB Weißwasser gewählt worden. „Seit 2015 beobachte ich für den Fußballverband Nachwuchsschiedsrichter und bin Schiedsrichter-Obmann für den VfB“, so Pätzold.

„Für so ein Engagement für den Fußball in und um Weißwasser kann man nur seinen Hut ziehen“, sagt Hans-Jürgen Beil. Er und der gesamte Verein VfB hoffen, dass Gotthard Pätzold noch viele Jahre dem Sport und der Trillerpfeife treu bleibt.