Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989, ausgehend von den machtvollen Demonstrationen in Leipzig und Dresden, die gesellschaftliche Aufbruchstimmung überall in der DDR immer mächtiger anschwoll, wurde es auch in und um Weißwasser unruhig. Unter den Dächern der evangelischen Kirchen in Daubitz und Weißwasser hatten sich Menschen zusammengefunden, die sich, wie vielerorts in der DDR, für eine Veränderung der unerträglich gewordenen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse einsetzten. Im Anschluss an das erste Friedensgebet in der evangelischen Kirche in Weißwasser am 30. Oktober 1989 bewegte sich ein kleiner Demonstrationszug von 70 bis 80 Menschen mit brennenden Kerzen in den Händen durch die Stadt. Für Eberhard Behr, der dies beobachtet hatte, war das der Anstoß, sich nun auch aktiv für mehr Demokratie und Freiheit einzubringen.Auf Grund seiner persönlichen sehr sozialen Grundüberzeugung, aber auch aus familiärer Tradition heraus, fühlte er sich zur Sozialdemokratie hingezogen.Er hatte gehört, dass am 7. Oktober 1989 mutige Menschen, die zumeist aus evangelischen Kirchenkreisen kamen, in Swante bei Berlin die "Sozialdemokratische Partei in der DDR" (SDP) gegründet hatten. In dieser Partei wollte er Mitglied werden, doch in Weißwasser gab es damals offenbar noch keine Sozialdemokraten. Nach einigen Telefonaten, darunter auch mit Konrad Elmer, einem der Gründer der SDP, erfuhr Eberhard Behr von einer neuen Ortsgruppe in Cottbus. Von einem der dortigen Aktivisten, Pfarrer Johannes Winkel, erhielt er am 1. November Informationsmaterial zur SDP, dabei auch das Statut und Antragsformulare für die Mitgliedschaft. Bereits am Abend des folgenden Tages gab es die ersten Diskussionen mit Arbeitskollegen im Ratiomittelbau des VEB Lausitzer Glas in Weißwasser. Da Eberhard Behr bereits einen Aufnahmeantrag der SDP unterschrieben hatte, fühlte er sich als ein Mitglied dieser Partei, als er am Abend des 6. November beim zweiten Friedensgebet in der evangelischen Kirche in Weißwasser u. a. neben Pfarrer Havenstein vom Neuen Forum zu tausenden Menschen sprach. Tausende waren es auch, die sich im Anschluss an dieses Friedensgebet in einem friedlichen und disziplinierten Demonstrationszug durch die Stadt bewegten.Bereits zwei Tage nach diesem Höhepunkt der friedlichen Revolution in Weißwasser trafen sich am Abend des 8. November Eberhard Behr, Rainer Nitsche, Hansjürgen Schulz, Anke Lebsa und Roman Tyra in dessen Wohnung. Die vier Männer gründeten spontan einen Ortsverein der SDP in Weißwasser. Eine Gründungsurkunde wurde zweifach ausgefertigt und von den ersten vier Sozialdemokraten in Weißwasser unterzeichnet.Somit ist der 8. November 1989 der Tag der Wiedergründung der Sozialdemokratischen Partei in Weißwasser, nachdem diese traditionsreiche Partei nach ihrem Verbot 1933 durch die Nazis und ihrer zwangsweisen Einverleibung in die SED 1946 durch die Kommunisten in Ostdeutschland 56 Jahre lang praktisch ausgetilgt war.Ein Tag später wurde die Mauer geöffnet und Ende November 1989 gab es schon wieder etwa 30 Sozialdemokraten in Weißwasser, darunter solche wie Christa Stolze, Thomas Jurk, Knut Olbrich oder Karl-Heinz Melcher, die auch heute noch dieser Partei angehören.Am Montag, dem 9. November, wird in der Stadtbibliothek eine Ausstellung zum Thema "Wendezeiten-Zeitenwende" in Weißwasser eröffnet. Interessierte Bürger können sich hier informieren.