Die Negativzinspolitik und das Anwerfen der Notenpresse durch die Europäischen Zentralbank (EZB) fangen an, massive Nebenwirkungen zu zeigen, teilt die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien mit. So beginne sich die drohende Zerstörung der betrieblichen und privaten Altersversorgungssysteme in Deutschland langsam abzuzeichnen. Darüber hinaus komme es immer mehr zu einer Enteignung der Sparer zugunsten staatlicher Haushalte in Europa. Sollte die EZB auch in den nächsten Jahren den Patienten Europa mit einer Überdosis an Geld versorgen, so ist nach Meinung von Michael Bräuer der Kollaps des Euro-Raums nur eine Zeitfrage: "Auf diese mögliche Entwicklung wird sich die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien auch im Interesse ihrer Kunden vorbereiten."

Erfreulicher dagegen ist die Entwicklung im Kundengeschäft. Aufgrund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung im Landkreis Görlitz überstieg die Bilanzsumme der Sparkasse erstmals den Wert von drei Milliarden Euro. Der Hauptgrund dafür war ein deutlicher Anstieg der Kundeneinlagen. Mehr als 60 Prozent aller Einwohner des Kreises haben ein Girokonto bei der Sparkasse. Auch im Wertpapiergeschäft verlief die Entwicklung erfreulich. "Die Zinsentwicklung führte erneut dazu, dass Kunden vermehrt auf Wertpapiere als Anlage zurückgriffen. Eine vorherige Beratung durch unsere Anlageberater ist hierbei wichtig", resümiert Frank Hensel, Vorstandsmitglied der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien.

Die Sparkasse sagte im Berichtsjahr neue Darlehen in Höhe von 160,5 Millionen Euro zu. Der Großteil entfiel wieder auf Unternehmen sowie Selbstständige. An private Kreditnehmer entfielen 35,6 Prozent, vorrangig in Form von Wohnungsbaukrediten. Deutlich rückläufig war dagegen das Geschäft mit Krediten an Kommunen und öffentliche Haushalte. "Das derzeitige Zinsniveau macht den traditionellen Kommunalkredit für die Sparkasse unattraktiv", erläutert Frank Hensel.

"Wir leben seit Jahrhunderten davon, Geld von unseren Kunden zu leihen und an unsere Kunden zu verleihen. Der Preis dafür ist der Zins. Wenn dieser Preis nun durch Eingriffe von außen teilweise abgeschafft wird, müssen wir darauf reagieren", führt Michael Bräuer aus. Neben dem weiteren Ausbau des rentablen Kundenkreditgeschäftes wird auch das Angebot der Internet-Filiale deutlich erweitert. So wird es künftig möglich sein, Baufinanzierungen vollständig in der Internet-Filiale abzuschließen.

Fünf Filialen weniger bis 2020

Aber auch Einsparungen sind notwendig. Fest steht: Die Filialen in Uhyst, Hagenwerder, Görlitz-Südstadt, Obercunnersdorf, Leutersdorf und Zittau-Süd werden bis 2020 geschlossen. Dies liegt auch daran, dass die Zahl der Kundenbesuche in den Filialen von Jahr zu Jahr abnimmt und das Internet immer stärker genutzt wird. "Natürlich wird die Sparkasse für ihre älteren Kunden Alternativen wie die mobile Filiale oder Bargeldagenturen anbieten", stellt Frank Hensel klar.

Die Zahl der Mitarbeiter wird in den nächsten Jahren weiter abnehmen. Dies soll ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen. Ebenso wird die Teilzeitarbeit ausgebaut.

Ausschüttung erwartet

Neben der Stärkung der Reserven kann auch wieder eine Ausschüttung an den Träger der Sparkasse in Vorjahreshöhe erfolgen, wenn die Zweckverbandsversammlung der Sparkasse dies im Sommer beschließt.

Das Geldinstitut förderten im vergangenen Jahr insgesamt 414 Vereine und Institutionen sowie Initiativen und Projekte im Landkreis Görlitz mit insgesamt 1,3 Millionen Euro.

Zum Thema:
Die Sparkasse betreibt 37 Filialen und eine mobile. Die Zahl der Geldautomaten beläuft sich auf 54. 555 Beschäftigte hat das Unternehmen. Das sind 35 weniger als 2014. Die Kundeneinlagen belaufen sich auf 2,7 Milliarden Euro, der Kreditbestand auf 760 Millionen Euro.