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Spannung pur in Weißwasser

Hier läuft im Ratssaal alles zusammen. Die Wahl für den Bundestag hat Vorrang vorm Auszählen der OB-Wahl.
Hier läuft im Ratssaal alles zusammen. Die Wahl für den Bundestag hat Vorrang vorm Auszählen der OB-Wahl. FOTO: Regina Weiß
Weißwasser. Als die Bürgermeister in Trebendorf und Rietschen feststehen, müssen die beiden Kandidaten in Weißwasser noch abwarten, wie die Wahl ausgeht. Es ist auf alle Fälle ein spannender Abend, ein Abend der knappen Entscheidungen und ein Abend mit teilweise überraschenden Ergebnissen. Regina Weiß

Mal von Rietschen abgesehen. Dort heißt der neue Bürgermeister wie der alte. Es ist Ralf Brehmer, der nun als parteiloser Bewerber die Geschicke für die nächsten sieben Jahre in Rietschen lenken wird. Er kommt auf 92 Prozent der Stimmen. 117 Stimmen verteilen sich auf einzelne Wahlvorschläge, wobei die Gemeinderäte Tilmann Havenstein und Torsten Lorenscheit die meisten auf sich vereinen können. Brehmer ist nur zum Teil zum Feiern zumute. Zwar hat er mit einem Bier auf seinen Wahlerfolg angestoßen, aber ihn treibt die Bundespolitik um. Kommt Jamaika im Bund, dann dürfen die Interessen der Lausitz nicht hinten runter fallen. Stichwort Kohleausstieg. "Ich hoffe, man denkt an die Arbeitsplätze."

Trebendorf weiß kurz nach 20 Uhr, wie sein neuer Bürgermeister heißt. Und der ist selbst am meisten überrascht. "Das hätte ich wirklich nicht erwartet. Ich bin geschockt, mir fehlen die Worte", sagt Waldemar Locke (CDU). Erst als ihm Gemeindewahlleiter Tilo Niemz den Blumenstrauß überreicht, realisiert der Mühlroser das Ergebnis. Gegenüber der RUNDSCHAU gibt er offen zu, es erst mal sacken lassen zu müssen, dass er ab November die Geschicke von Trebendorf im Ehrenamt führt. Im zweiten Anlauf hat er dies nun geschafft. Dabei war es eine ganz knappe Kiste. 52,9 Prozent der Stimmen vereint Locke auf sich, Ariane Kraink (WV Wir für Trebendorf) kommt auf 47,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung liegt bei 85,1 Prozent und damit höher als mit 70,53 Prozent vor sieben Jahren.

Das Ergebnis, wer der fünfte Oberbürgermeister nach der Wende in Weißwasser wird, steht zu diesem Zeitpunkt und auch noch nach 22 Uhr in den Sternen. Oder besser gesagt, es wird noch fleißig gezählt. Neun Wahllokale für die Bundestagswahl (davon eins für die Briefwahl) erfordern zuerst die Aufmerksamkeit aller Wahlhelfer. "Mit rund 2000 Briefwählern kann ich nur sagen, es wird heute länger dauern", erklärt Dietmar Lissina. Damit soll er recht behalten. Die ersten, die Vollzug melden, sind die Weißkeißeler. Fast 79 Prozent betrug dort die Wahlbeteiligung. Immer mal wieder läutet das Telefon und es werden weitere Ergebnisse in die Diagramme eingetragen.

Derweil warten Amtsinhaber Torsten Pötzsch (Klartext) und Herausforderer Rico Jung (parteilos) im oder am Ratssaal. "Noch geht es mit dem Blutdruck", sagt Pötzsch. Jedes Ergebnis, was reinkommt, notiert er auf einem Schreibblock. So, als müsste er selbst schwarz auf weiß sehen, wie die Leute abgestimmt haben. Die vielen Wählerstimmen für die Alternative für Deutschland (AfD) sorgen für eine gedrückte Stimmung und für absolutes Kopfschütteln. "Die Afd ist ein Sammelbecken für allen Unzufriedenen", lautet die erste Einschätzung von Stadtvereinschef Frank Schwarzkopf. Und die Themen, die die Leute bewegt, gibt es viele. Das fange bei der Bildung an und höre bei der Sicherheit auf.

Vielen dieser Themen habe sich die Große Koalition nicht gestellt. "Das habe ich auch so in Berlin gesagt", so SPD-Bundestagsabgeordneter Thomas Jurk. Er sitzt im Auto und befindet sich auf der Heimreise. Die Wahlparty seiner Partei in Dresden hat er verlassen. "Es gibt für mich nichts zu feiern", sagt er. Zudem will er erst die Wahlergebnisse der SPD in Sachsen sehen, um sicher sein zu können, ob er es wieder in den Bundestag geschafft hat.

Zittern muss auch sein Bundestagskollege Michael Kretschmer (CDU). Nach dem Stand von 48 von 53 Gemeinden im Wahlkreis 157 kann Kretschmer 31,4 Prozent der Erststimmen auf sich vereinen, Tino Chrupalla 33,6 Prozent. Damit wäre dieser seinem Wunsch-Ziel ganz nah, das Direktmandat für die AfD im Landkreis Görlitz zu holen. Michael Kretschmer wäre dagegen raus. Er steht nicht auf der Landesliste seiner Partei, wollte nur direkt gewählt werden.

Um die Wurst geht es derweil auch bei der Wahl um den Chefposten in Weißwasser. Zwischen zeitlich heißt es 49 Prozent für den Amtsinhaber, 51 Prozent für den Herausforderer.

Bei Redaktionsschluss lag das Endergebniss der OB-Wahl von Weißwasser noch nicht vor.