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Späte Liebe entflammt für Weißwassers Feuerwehr

Hausmeister Bodo Dolk wird derzeit zum ehrenamtlichen Feuerwehrmann in Weißwasser ausgebildet.
Hausmeister Bodo Dolk wird derzeit zum ehrenamtlichen Feuerwehrmann in Weißwasser ausgebildet. FOTO: Rehle/jor1
Weißwasser. Die Freiwillige Feuerwehr Weißwasser gilt fachlich als Ass. Doch tagsüber mangelt es an ausreichend Einsatzkräften. Wehrleiter Gerd Preußing und seine Mitstreiter unternahmen Kopfstände, das zu ändern. Zum Beispiel im Rathaus neue Mitglieder zu finden. Hausmeister Bodo Dolk reagierte. Gabi Nitsche

Bodo Dolk blitzt der Schalk aus den Augen: "Wenn ich richtig löschen gelernt hab, kann ich nicht mehr kriechen." Andere entscheiden sich als Kinder für die Feuerwehr, er eben im "hohen Alter". Doch wenn die Kameraden seine Unterstützung brauchen, warum soll er Nein sagen?

Der 51-Jährige ist gelernter Autoschlosser. Vor etwa drei Jahren bewarb er sich bei der Stadtverwaltung Weißwasser um eine der insgesamt sechs Hausmeisterstellen. "Ich bekam den Job und hab mich mächtig gefreut", erinnert sich Bodo Dolk. Jeder hat ein Grundobjekt plus weitere Aufgaben. Sein Objekt ist jetzt die 2. Grundschule an der Bautzener Straße. "Die Glasfachschule mach' ich in Vertretung und erlebe oft, wie alles kurz und klein geschlagen wird", ärgert sich Dolk.

Damals pendelte er noch jeden Tag von Groß Düben zur Arbeit nach Weißwasser. Das Dilemma mit der fehlenden Tageseinsatzbereitschaft bei der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser sei an ihm nicht spurlos vorübergegangen. Aber er hatte bis zu diesem Zeitpunkt nie ein Faible für den Brandschutz. "Ich hab' zwar immer mitgemacht bei der Feuerwehr in Groß Düben, wenn Hilfe notwendig war, zum Beispiel wenn Feste wie das 100-jährige Bestehen vorbereitet wurden. Aber deshalb musste ich doch kein Mitglied werden", meint Bodo Dolk rückblickend.

Zu diesem Zeitpunkt schlug die Weißwasseraner Wehr besonders laut Alarm. Neben verschiedenen anderen Möglichkeiten schlug die Feuerwehr vor, die Tageseinsatzbereitschaft mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung zu stärken. Jeder Angestellte, der dafür infrage kam, bekam einen Brief. Das Resultat war ernüchternd. Für Wehrleiter Gerd Preußing steht fest, dass dieser Weg richtig und notwendig ist. "Leider gibt es aber auch hier noch immer Widerstände, die überwunden werden müssen. Es ist trotz unserer vielfältigen Bemühungen immer noch nicht in allen Köpfen angekommen", resümierte Preußing vor wenigen Wochen während der Jahreshauptversammlung der freiwilligen Feuerwehr. Sein Dank galt jenen drei Kollegen, die sich für das Ehrenamt entschieden.

Einer von ihnen ist Bodo Dolk. "Im Frühjahr 2012 hab ich zugesagt. Das nahmen die Groß Dübener nicht so hin. Also wurde eine Doppelmitgliedschaft daraus." Vorübergehend, denn seit letztem Herbst ist Dolk Weißwasseraner. Einsetzen konnte ihn die Feuerwehr noch nicht. "Ich hatte ja überhaupt keine Vorkenntnisse und musste erst mal ausgebildet werden." Mit seinen 50 Lenzen setzte sich der Hausmeister also auf den Hosenboden, absolvierte Grundausbildung, Funkerlehrgang. "Ohne Gerd Preußing und die Kameraden - ob nun freiwillige Wehr oder hauptamtliche Kräfte - würde ich das nicht hinbekommen mit der Ausbildung." Bodo Dolk bedankt sich für die Unterstützung und sagt, dass er sich wohlfühle bei den Floriansjüngern. "Das sind nette Kollegen, und so oft wie es geht, bin ich beim Dienst an jedem Donnerstag ab 17.30 Uhr auch im Gerätehaus." Dolk ist gespannt, was die G-26-Untersuchung bringt. Wenn die gut ausfällt, könnte er mit seinen 51 Jahren sogar unter Atemschutz bei Einsätzen helfen. "Wenn nicht, gibt es auch so genug zu tun bei Ernstfällen." Eins stehe fest: "Die große Karriere werde ich als Feuerwehrmann nicht mehr machen. Aber den anderen helfen. Und darum geht's doch."

Die Feuerwehr Weißwasser verfügt über 42 haupt- und ehrenamtliche Einsatzkräfte. Das sind drei weniger als 2012 und 50 Prozent der nach dem Brandschutzbedarfsplan geforderten Anzahl von Einsatzkräften.

Bei der Tageseinsatzbereitschaft stehen in der alarmkritischen Zeit montags bis freitags von 6 bis 18 Uhr lediglich zehn Einsatzkräfte ständig zur Verfügung. Davon sind acht hauptamtliche Kräfte. 16 Kameraden stehen durch Schichtarbeit teilweise zur Verfügung, 13 nur nachts und drei nur an Wochenenden.