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| 11:01 Uhr

Landwirte mit toller Idee
Bauern schützen Rehkitze mit Drohne

 Olaf Hanusch (r.) und Bernd Zeisig mit der Drohne.
Olaf Hanusch (r.) und Bernd Zeisig mit der Drohne. FOTO: Christian Köhler
Halbendorf/Gablenz. Mit einer Drohne suchen die Mitarbeiter des Halbendorfer Landwirtschaftsbetriebes die Felder vor der Mahd nach neugeborenem Rehwild ab. Von Christian Köhler

Schon früh am Morgen ist Olaf Hanusch von der Produktions Handel und Vermarktungsgesellschaft (Prohav) in Halbendorf auf den Beinen. Und heute ist ein besonders schöner Tag. Die Sonne geht langsam auf und über den Feldern zwischen Brandenburg und Sachsen beginnen die ersten Sonnenstrahlen, den Mohn anzustrahlen. Das Idyll wird an diesem Morgen jedoch durch ein Summen durchschnitten.

Drohne als Hilfsmittel

Das stammt von einer Drohne, die sich der Abteilungsleiter für Feldbau kürzlich zugelegt hat. Die fliegende Maschine kann bis zu 90 Stundenkilometer schnell fliegen und ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet. „Ich habe mich lange dazu im Internet belesen und auch eine Flugberechtigung dafür gemacht“, erzählt Olaf Hanusch. Inzwischen ist es kurz nach 7 Uhr am Morgen und die Drohne hebt über einem sechs Hektar großen Feld ab.

 Jäger Jens Dommaschk (l.) und Bernd Zeisig gehen zu den Stellen, die sie über Funk von Olaf Hanusch durchgegeben bekommen.
Jäger Jens Dommaschk (l.) und Bernd Zeisig gehen zu den Stellen, die sie über Funk von Olaf Hanusch durchgegeben bekommen. FOTO: Christian Köhler

„Ich fliege das Areal komplett ab und suche nach Rehkitzen“, erklärt Hanusch. Die nämlich liegen im hohen Gras und sind nicht einmal zu entdecken, wenn man direkt neben ihnen stehen würde. Und für das kleine Rehwild wäre es lebensgefährlich, wenn sie heute dort verweilen würden. „Kurz vor dem Mittag kommen unsere Mähmaschinen“, erklärt der Prohav-Mitarbeiter.

Das Futter für die Kühe wird selbst produziert

 Das Kitz wird mit einem Korb gesichert. Es ist erst die Nacht zuvor geboren worden. Das legen Blutspuren in der Nähe nahe.
Das Kitz wird mit einem Korb gesichert. Es ist erst die Nacht zuvor geboren worden. Das legen Blutspuren in der Nähe nahe. FOTO: Christian Köhler

Aus dem gemähten Gras soll später Anwelksilage gemacht werden. Die wird dann an die rund 650 Melkkühe der Prohav verfüttert. „Wir mähen bis zu 40 Hektar am Tag, weil wir das Futter für unsere Kühe auf unseren gepachtet Flächen selbst ernten und herstellen“, erläutert Olaf Hanusch.

Immer wieder sei es in den vergangenen Jahren bei den Mäharbeiten zu hässlichen Unfällen mit Rehkitzen gekommen. Damit das nicht geschieht, müssten viele Mitarbeiter eigentlich die Felder, die gemäht werden sollen, per Fuß ablaufen. Das aber ist alles andere als effizient und meist ohne Erfolg. Gängige Methoden zur Abwehr sind für Betriebe mit großen Flächen bisher nicht Praxistauglich.

 Die Ricke macht sich durch die nähernden Menschen aus dem Staub und versucht damit, sie auf eine andere Fährte, weg vom Kitz, zu locken.
Die Ricke macht sich durch die nähernden Menschen aus dem Staub und versucht damit, sie auf eine andere Fährte, weg vom Kitz, zu locken. FOTO: Christian Köhler

Kosten: Rund 10 000 Euro für das Tierwohl

„Ich bin deshalb auf die Idee gekommen, mir eine Drohne mit Wärmebildkamera zuzulegen“, sagt der technikaffine Landwirt. Mit vielen Jägern und mehreren Sponsoren habe er Geld zusammengelegt, um sich das Gerät zukaufen. Rund 10 000 Euro hat die Drohne gekostet. „Sie muss bestimmte Eigenschaften haben – etwa eine bestimmte Höhe und Reichweite erreichen, wenig Strom verbrauchen und flink sein“, sagt Hanusch mit einem Augenzwinkern.

 Mit moderner Technik ist die Porhav im Einsatz, um Unfälle mit Rehwild zu vermeiden.
Mit moderner Technik ist die Porhav im Einsatz, um Unfälle mit Rehwild zu vermeiden. FOTO: Christian Köhler

Inzwischen ist auch Prohav-Mitarbeiter Bernd Zeisig und Jäger Jens Dommaschk ans Feld angekommen. Während Olaf Hanusch nämlich mit der Drohne das Feld abfliegt, überprüfen die beiden die Stellen, an denen Rehkitze vermutet werden. „Manchmal sind es nur Gullys oder Maulwurfshügel“, weiß Bernd Zeisig aus Erfahrung. „Ich finde es richtig gut, was sich der Chef hat einfallen lassen“, sagt der Betriebsschlosser, der heute Morgen gewissermaßen auf Rettungsmission ist. Mit einem Korb und einem Netz bewaffnet, rückt er gemeinsam mit dem Jäger raus aufs Feld. „Ich bin hier dabei, damit die Tiere nicht etwa leiden, sondern fachmännisch vor den Mäharbeiten geschützt werden“, beschreibt Jens Dommaschk noch im Gehen seine Aufgabe.

Arbeit hat sich gelohnt - Kitze gerettet

Die erste Stelle, die Olaf Hanusch per Funk den beiden durchgibt, erweist sich als Flop. Dort hatten Nachbarn Gras verkippt, was sie auf ihrem Grundstück gemäht hatten. „Das ist immer sehr ärgerlich, weil es schon einige Tage dort liegt und schimmelt“, erläutert Olaf Hanusch. Folglich sind später im Futter für die Kühe auch Schimmelpilze, die eigentlich dort nicht hineingehören. Die zweite Stelle – auf dem Display sind mehrere bewegende Punkte zu sehen – erweist sich als Volltreffer.

Noch während sich Bernd Zeisig und Jens Dommaschk der Stelle nähern, ist ein Rehkopf aus dem hohen Gras zu sehen. Das ergreift sofort die Flucht – und lässt, wie sich herausstellen soll, das Kitz zurück. Dies ist eine bewusste Taktik der Ricke, um Feinde auf Ihre Spur zu locken und vom Nachwuchs abzulenken. Deshalb verweilt sie auch in unmittelbarer Nähe.

Das Kitz liegt eingemummelt im Gras. Behutsam stülpen beide den Korb über das kleine Tier. „Es muss erst heute Morgen oder in der Nacht geboren worden sein“, mutmaßt Jens Dommaschk. Und tatsächlich finden sich in der Nähe noch Blutspuren. Während die beiden das Kitz schützen, schreit die Reh-Mutter vom Waldesrand. Klar, dass sie ihre Neugeborenes nicht aufgeben will.

Überraschung nach dem ersten Fund

Über Funk gibt Olaf Hanusch wiederum durch, dass sich die beiden Männer doch einmal umdrehen sollen. Und tatsächlich finden sie nur wenige Schritte vom ersten Kitz entfernt ein zweites. Behutsam wiederum wird auch das gesichert. „Es ist schön, wenn man weiß, dass die Tiere gefahrlos den heutigen Arbeitseinsatz unserer Maschinen überstehen“, sagt Bernd Zeisig.

Nach etwa 20 Minuten ist der Einsatz vorbei. Die drei sind zufrieden. „Ich denke, dass sich die Investition gelohnt hat. Monetär lohnt sich dabei rein gar nix, aber man schläft deutlich besser“, resümiert Olaf Hanusch mit einem Lächeln. An diesem Morgen haben er und das Team noch weitere Felder abgeflogen. Je höher die Sonne steht, desto schwieriger wird es, Kitze zu finden, da sich der Boden weiter aufheizt und damit die Tiere von der Kamera aus der Luft schwer zu sehen sind. „Wir machen dann morgen weiter“, sagt der Prohav-Abteilungsleiter. Denn er fliegt jede Wiese vor der Mahd ab. Und das sind für die Prohav sehr sehr viele.

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