Petra Nakoinz will es ganz genau wissen. Die Schleiferin hat extra den Fotoapparat eingepackt, um das eine oder andere Muster, das das profane Hühnerei zum Schmuckstück macht, festzuhalten. „Das ist doch Werksspionage“, muss sie sich daraufhin einen flotten Spruch eines Besuchers gefallen lassen.

Die Oster-Sonderschau in Schleife ist eröffnet

Ostereier – Brauchtum und Volkskunst“ heißt die Ostersonderausstellung, die am Freitag eröffnet wurde und bis zum 19. April zu sehen ist. Zur Eröffnung hat Sylvia Panoscha, Leiterin des Sorbischen Kulturzentrums, in ihr Haus eingeladen.

Mit acht Jahren ist Anna Schutza die jüngste Besucherin der Eröffnung. Aber, was das Ostereierverzieren betrifft, schon keiner junger Hase mehr. Gut drei Jahre macht sie mit und die sorbischen Motive gefallen ihr am Besten, wie sie der Rundschau verrät. Wie gut sie das ganze allerdings kann, da will sie sich nicht festlegen. Die Oma wüsste Bescheid, sagt die Schülerin. Oma Simone Urbank aus Halbendorf muss lachen und „bewertet“ mit gut. Wie gut, davon können sich Neugierige selbst überzeugen. Beim Ostereiermarkt in Halbendorf kann man dem Gespann Oma/Enkelin auf die Finger schauen. Am 5. April ist es soweit.

Stattliche Eier-Sammlung in Drebkau zusammengetragen

Seit 1961 hat Dr. Lotar Balke aus Drebkau Ostereier gesammelt, weiß Sylvia Panoscha zu erzählen. Die Sammlung des verstorbenen Ethnologen hat in der Sorbischen Webstube Drebkau ihr Zuhause gefunden. Rund 3500 Exemplare aus 55 Ländern hat Balke zusammengetragen. Dabei sei er sehr akribische vorgegangen, hören die Besucher. Nicht nur mit seiner Sammlung habe sich Balke verdient gemacht. In vielerlei Hinsicht habe er seinen Teil dazu beigetragen, die Kunst der Lausitzer Sorben, die regionale Kultur mit zu erhalten. 300 Eier aus seiner Sammlung dürfen nun im SKC gezeigt werden.

Von Schleife wird der Bogen nach Russland geschlagen

Zwar habe man bei der Auswahl vorrangig die Nachbarländer im Blick gehabt, doch es wird auch ein Bogen nach Russland geschlagen. Gezeigt werden mit Swarovski-Kristallen besetzte Nachbauten von Fabergé-Eiern. Das erste rührt aus 1885 her. Zar Alexander III. ließ es beim Hofschmied Fabergé für seine Gattin Maria Fjodorowna anfertigen. Selbst das Dotter war aus Gold.

Dass Eier verschenkt werden, hat übrigens auch in Russland eine lange Tradition. Ostern ist das wichtigsten Fest der orthodoxen Kirche. Aus gewöhnlichen Hühnereiern wurden symbolische Eier, etwa solche aus Holz oder aus kostbareren Materialien wie Porzellan, Glas oder Metall, führt Sylvia Panoscha in die Geschichte ein.

Die Leihgaben aus Drebkau bilden Teil eins der Sonderschau. Teil zwei steuert Lenchen Hänsel bei. In Kassel hat sie viele Ostereier aus dem Ruhrgebiet und der Schweiz zusammengetragen. Dass sie sich für das Thema interessiert, war nicht ungewöhnlich. „Sie stammt aus Schleife, und ihr Bruder war unser Eiermaler Erich Dainz“, erklärt Sylvia Panoscha. Die 144 verzierten Hingucker hat Nichte Ingrid Bramke aus Schleife zur Verfügung gestellt.

Verzierte Ostereier anstelle einer Standgebühr

Teil drei der Sonderschau steuern die Ostereierverzierer der Region bei. Denn die Schleifer lassen ihren großen Fundus sprechen, den sie seit dem ersten Ostereiermarkt 1998 zusammengetragen haben. Denn ein verziertes Ei wird anstelle der Standgebühr eingesammelt. 789 Stück sind es mittlerweile. Und der ideelle Bezug wird immer größer. Denn so mancher der Könner weilt schon nicht mehr auf dieser Welt.

In diesem Jahr wird die Sammlung wieder wachsen. Denn der 23. Sorbische Ostereiermarkt wirft seine Schatten voraus. Am 28. und 29. März wird es soweit sein. 30 Ostereiermaler der Lausitz sind dann im SKC vereint und zeigen ihre Fähig- und Fertigkeiten. Angesichts der vielen schönen Ostereier kann man Sylvia Panoschas Wunsch nach einem zweiten Ausstellungsraum verstehen. Denn die meisten der fast 800 Schmuckstücke sind in Schüben „verborgen.“

Ostern eine wichtige Zeit für Schleifer Kulturzentrum

Ostern ist die Zeit, wo das Team des Sorbischen Kulturzentrums am meisten gefordert ist, wobei Sylvia Panoscha mit Blick auf den Markt nicht verhehlen möchte, dass es ohne die vielen aktiven Vereine in Schleife gar nicht funktionieren würde.

Wer sich auf die Spuren der Könner begeben will, der kann in Schleife in die Lehre gehen. Das Ostereierverzieren für Schülergruppen ist bis zum 8. April im Programm. Die offene Eiermalwerkstatt gibt es am 20. und 21. März sowie am 3. und 4. April von 13 bis 17 Uhr. Arbeitsmaterialien sowie drei gekochte, weiße Eier werden zur Verfügung gestellt. Vorkenntnisse muss keiner mitbringen, nur etwas Geduld.

Und eine Bitte hat Sylvia Panoscha: Die „Lehrlinge“ sollten mindestens das Grundschulalter erreicht haben. „Wir arbeiten mit heißem Wachs und da ist etwas Vorsicht geboten. Es ist keinem geholfen, wenn man sich verletzt.“

Öffnungszeiten der Sonderschau


Die Sonderschau ist bis zum 19. April im SKC zu sehen. Die Öffnungszeiten sind: Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Sonntag sowie Feiertage 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt beträgt ein Euro.

Das Sorbische Ensemble hat die Ausstellungseröffnung musikalisch umrahmt. Dabei durfte auch das Lied „Daj mi jedno jajko (Gib mir ein Ei)“ nicht fehlen.

Übrigens auf den Erfolg der Ausstellung wurde Freitagabend mit Eierlikör angestoßen.