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| 15:23 Uhr

Schuldentilgung oder Investition? Räte diskutieren über die Verwendung der Freistaat-Pauschale
Sondersitzung des Trebendorfer Rates angesetzt

Trebendorf. Die Gemeinderäte wollen nochmals diskutieren, wie die Freistaat-Pauschale verwendet werden kann. Ob ein Notstromaggregat für die Wehr gekauft wird, ist offen. Von Christian Köhler

Weil sich der Gemeinderat in Trebendorf während seiner jüngsten Sitzung nicht darauf verständigen konnte, wie die Pauschale von 65 000 Euro des Freistaates zu verwenden ist, gibt es eine Sondersitzung des Rates. Knackpunkt der Diskussion ist der Wunsch der Feuerwehr des Ortes, ein Notstromaggregat – wie die Wehr in Weißkeißel seit Kurzem eines hat – anzuschaffen. Darüber hinaus soll ein Festzelt gekauft werden, was mehrere Vereine nutzen könnten. Gemeinderätin Ariane Kraink aber geht der Entscheidungsprozess zu schnell. „Ich bitte darum, dass wir noch eine Sitzung im Januar veranschlagen“, richtet sie sich an Bürgermeister Waldemar Locke (CDU). Der gibt dem Anliegen statt.

Hintergrund des hohen Tempos bei der Entscheidung ist, dass Fristen für die Beantragung von Fördermitteln eingehalten werden müssen. Denn um ein Notstromaggregat für die Feuerwehr zu erwerben, will die Gemeinde zur Verfügung gestellte Mittel des Freistaates nutzen. Die aber müssen bis Ende des Monats beantragt werden. Allerdings sind sich die Räte längst nicht einig, ob sie dem Wunsch der Kameraden stattgeben wollen und falls ja, welche Art des Aggregates es werden soll. Ferner weiß niemand, ob künftig ein solches Aggregat noch einmal vom Staat gefördert wird.

Noch im Dezember hatte Stefan Kowalick von der Feuerwehr die Idee eingebracht, ein dieselbetriebenes Notstromaggregat zu erwerben. Gemeinderat Tilo Niemz warf ein, dass man zuvor prüfen solle, ob es nicht möglich wäre, eine Solaranlage auf das Dach des Gerätehauses zu setzen. „So könnten wir auch Geld mit der Einspeisung von Strom verdienen“, mutmaßt er.

Stefan Kowalick hat während der jüngsten Sitzung nun die beiden Optionen gegenübergestellt. „Grundsätzlich wünschen wir uns, dass das Gerätehaus im Ernstfall Anlaufpunkt für die Bürger sein soll“, so Kowalick. Allein die jüngste Vergangenheit habe gezeigt, dass bei Unwettern jederzeit ein Stromausfall möglich sein könne. Zudem braucht die Wehr für ihre Einsätze Funkverbindung zur Leitstelle – und somit Strom. Trotzdem kristallisierten sich mehrere Unterschiede zwischen einem dieselbetriebenen Aggregat und einer Fotovoltaikanlage heraus: „Das Dieselaggregat kostet in der Anschaffung 20 000 Euro und wird zu 50 Prozent gefördert“, erklärt Stefan Kowalick. Insgesamt müsse man für den Betrieb 418 Liter Diesel vorhalten, um die vorgegebene Laufzeit von zwei Tagen einzuhalten. Die laufenden Kosten pro Jahr – zum Beispiel Ölwechsel – liegen bei 150 Euro. Weil das Aggregat fest installiert ist, bräuchte man einen Unterstand am Gerätehaus.

Bei der Fotovoltaikanlage hingegen lassen sich laut Kowalick die Anschaffungskosten nicht genau beziffern. Ob es eine Förderung gibt, ist ungewiss. „Wir bräuchten noch Unmengen Batterien, um Strom für zwei Tage zu speichern“, erklärt der Feuerwehrmann. Zudem sei unklar, wie hoch deren Anschaffungskosten sind und wie lang ihre Lebensdauer ist. Ferner müsste ein klimatisierter Raum geschaffen werden, um diese zu lagern. Auch die Lebensdauer der Solarmodule müsse geprüft werden.

Gemeinderat Klaus Rohrbach hat ungeachtet des Vergleichs schon eine Meinung: „Wir haben Schulden und sollten die erst einmal tilgen“, sagt er. Er verstehe nicht, warum die Trebendorfer Wehr unbedingt es den Weißkeißelern gleich tun will und ein solches Aggregat angeschafft werden muss. Gemeinderat Robert Sprejz sieht das nicht so: „Es ist doch für unsere Bürger, wenn es tatsächlich zu einem Katastrophenfall kommt.“ Bernd Bresagk dagegen gibt Ariane Kraink Recht: „Wir sollten dies noch einmal in Ruhe diskutieren“, sagt er. „Wir müssen aber bis zum 31. Januar den Fördermittelantrag stellen“, erinnert der Bürgermeister. Er sieht es als sinnvoll an, dass die Wehr ein solches Notstromaggregat erhält.

Das gilt auch für der Idee, ein neues Festzelt anzuschaffen. Auf Waldemar Locke nämlich sei der Seniorenverein zugekommen, der um die Anschaffung eines neuen Festzeltes für etwa 5000 Euro bittet. Petra Rübesam gibt bei der Ratsdiskussion zu bedenken, „dass wir das Haus der Vereine haben, wenn schlechtes Wetter ist“. Ferner sei unklar, wo das Zelt gelagert wird und wer sich um dessen Pflege kümmert, ist es einmal im Gemeindebesitz. Frank Gärtig ist dafür, „die Entscheidung, ob wir so ein Zelt anschaffen, nach hinten zu verschieben, um zunächst in Erfahrung zu bringen, wie oft so ein Zelt im Jahr überhaupt gebraucht wird“. Immerhin könne die vom Freistaat zur Verfügung gestellte Pauschale bis 2021 genutzt werden. Christine Mäkelburg zweifelt da schon generell: „Ist ein solches Zelt wirklich notwendig?“, fragt sie.

Schließlich einigt sich der Rat darauf, in einer Sondersitzung am kommenden Dienstag, 22. Januar, ab 18 Uhr, über die Verwendung der Pauschale von knapp 65 000 Euro für das Jahr 2018 erneut zu beraten. „So haben wir Zeit, uns in die Thematik zu Notstromaggragat und zum Festzelt tiefer einzuarbeiten“, resümiert Ariane Kraink.